Edeltraut Krüger aus Alexanderhof gehörte zu den ersten Wegbegleitern, die Eckhard Kroll am Montag zum 80. Geburtsta
Edeltraut Krüger aus Alexanderhof gehörte zu den ersten Wegbegleitern, die Eckhard Kroll am Montag zum 80. Geburtstag gratulierten. Claudia Marsal
Das Team vom Wein- und Teehaus Gotzmann servierte Begrüßungssekt.
Das Team vom Wein- und Teehaus Gotzmann servierte Begrüßungssekt. Claudia Marsal
Gast Karl Krüger holte als Überraschung sein Jagdhorn raus.
Gast Karl Krüger holte als Überraschung sein Jagdhorn raus. Claudia Marsal
Gefeiert wurde im Wein- und Teehaus Gotzmann.
Gefeiert wurde im Wein- und Teehaus Gotzmann. Claudia Marsal
Viele Mitstreiter hatten sich eingefunden.
Viele Mitstreiter hatten sich eingefunden. Claudia Marsal
Der Bürgermeister Hendrik Sommer (links) dankte Eckhard Kroll persönlich für das Engagement.
Der Bürgermeister Hendrik Sommer (links) dankte Eckhard Kroll persönlich für das Engagement. Claudia Marsal
Nicht im schwarzen Anzug, sondern in Arbeitsmontur – so kennen ihn die Prenzlauer.
Nicht im schwarzen Anzug, sondern in Arbeitsmontur – so kennen ihn die Prenzlauer. Privat
80. Geburtstag

Mit Eckhard Kroll wird eine lebende Legende gefeiert

Der Pensionär zählt zu den bekanntesten Menschen Prenzlaus. Das rührt aus seinem Vorleben in der LPG, hat aber auch mit seinem Ehrenamt zu tun.
Prenzlau

Eckhard Kroll hätte für den Empfang zu seinem 80. Geburtstag vermutlich sogar die riesige Uckerseehalle mieten können, ohne dass ein Platz leer geblieben wäre. Denn so bekannt wie der Prenzlauer ist, hätten die Gratulanten Schlange gestanden. Aber irgendwie muss man als Rentner ja auch an seinen Geldbeutel denken, deshalb tat der pensionierte Landwirt vermutlich gut daran, „nur” im Wein- und Teehaus Gotzmann Hof zu halten. In dem Restaurant fanden sich Montag rund 50 Damen und Herren ein, die ihm alles Gute wünschen wollten.

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Vor den vielen Freunden und Wegbegleitern merkte der Witwer eingangs an, dass er zwei Personen schmerzlich vermisse. Zum einen seine Frau, die letztes Jahr plötzlich verstorben war und zum anderen seine Zwillingsschwester, die mit ihm 1941 das Licht der Welt erblickt hatte. Die alte Dame lag zum Zeitpunkt des Empfangs leider schwerkrank in der Klinik, „weil sie in ihrem Leben vermutlich noch mehr gearbeitet hat als ich.” Und das will was heißen. Was Fleiß und Ehrgeiz anbelangt, dürfte Eckhard Kroll nämlich seinesgleichen suchen. Einen kurzen Abriss seines arbeitsreichen Lebens brachte der einst in Steinrode bei Thomsdorf als Kind von Siedlern zur Welt gekommene Uckermärker zum Anfang der Feier zu Gehör.

Nur ein Lehrer

Sichtlich begeistert erzählte der Senior den Anwesenden von seiner achtjährigen Grundschulzeit, für die er täglich einen drei Kilometer weiten Fußmarsch inkauf genommen hatte, „obwohl wir dort nur einen einzigen Lehrer hatten, der uns nicht viel mehr als Lesen, Schreiben und Rechnen beibringen konnte, aber ganz viel anderes fürs Leben mitgegeben hat.” Bis heute erinnere er sich gern an das Gemeinschaftsgefühl dieser Zeit und den Zusammenhalt der Menschen. „Nach Kriegsende haben bei uns zeitweise 25 geflüchtete Personen mit im Haus gewohnt”, berichtete Eckhard Kroll weiter. So habe man schon als Kind mitbekommen, was Solidarität und Nächstenliebe bedeute: „Diese engen menschlichen Beziehungen fehlen leider heute oft.”

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Nach der Schule machte Kroll seinen Facharbeiter in Jakobshagen – „zur Berufsschule wurden wir mit dem Lkw abgeholt, das war jedes Mal ein Riesenspaß.” Dort habe er auch seine Erika kennengelernt. „Ich erinnere mich gern an diese Jahre zurück, an den Tanz in der 'Süßen Ecke' in Parmen, aber auch an die schwere Arbeit. Solche Dinge vergisst man nicht. Diese Lebensweise hat meine Generation geformt.”

Fachschule und Fernstudium

1960 verschlug ihn dann die Fachschule für drei Jahre nach Prenzlau, später ein fünfjähriges Fernstudium nach Berlin. Das sei eine harte wie schöne Phase gewesen, resümierte der Jubilar: „Ich wohnte da mit meiner Familie schon in Ewaldshof, wo unser Haus nicht mal fließend Wasser hatte. Damals bin ich früh um vier mit dem Rad zum Bahnhof und dann weiter mit dem Zug nach Berlin gefahren, abends ging es zurück. Vor 21 Uhr war ich nie daheim. Aber irgendwie habe ich das hingekriegt.” Der Schlüssel sei vermutlich gewesen, dass ihm die Arbeit stets Spaß gemacht habe, egal wie strapaziös sie war.

„Wer im Job Befriedigung erfährt, hat auch Kraft für alles andere.” Mit einem dicken Grinsen im Gesicht ließ er zum Beweis seine vielen Praktika in den LPGen der Region Revue passieren, die nicht immer Zuckerschlecken waren. „In Lützlow beispielsweise durfte ich zweimal am Tag 24 Kühe per Hand auf der Wiese melken. In den ersten Tagen spürte ich meine Arme gar nicht mehr.” Aber er habe sich durchgebissen, aufgeben sei nie eine Option gewesen. Das vermisse er heute bei manchen in der jungen Generation. Er, der seit 15 Jahren als Ruheständler mit Arbeitslosen arbeitet, vermutet, dass das darin liegt, dass deren Nachwuchs schon mit Beschäftigungslosigkeit und Hartz IV als Normalität aufwachse. Das tue ihm für die Betroffenen sehr leid, „denn Arbeit formt den Menschen.” Er ist der lebende Beweis dafür.

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