LANDFLEISCHEREI SCHMÖLLN

Mit Hausmacherwurst durch die Krise

Noch verzeichnet Metzger Frank Pogorzelski keinen Umsatzeinbruch. Im Gegenteil, der Schmöllner Fleischermeister profitiert von einem besonderen Umstand.
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Verkäuferin Anke Tancré (links) und Chefin Claudia Pogorzelski haben die Theke gut befüllt – der nächste Ansturm naht. Claudia Marsal
Schmölln.

Knacker, Schinken, Salami und Leberwürste – die Theke der Fleischerei Sarow ist in diesen Tagen wie gewohnt üppig befüllt. Noch hat Inhaber Frank Pogorzelski wegen der Coronakrise keinen Umsatzeinbruch verbuchen müssen, wie er sagt. „Das Frühjahr ist sogar unerwartet gut angelaufen”, freut sich der Unternehmer aus Schmölln. Die Firma profitiert aktuell davon, dass viele Kunden die großen Supermärkte meiden. Aus Angst vor dem Virus kehren sie wieder in die kleinen Läden zurück. „Doch das ist es nicht nur”, setzt der Metzger schnell hinzu, allein dieses Phänomen würde die vielen Stammkunden nicht erklären. Ein Teil von ihnen kauft schon seit Jahrzehnten hier ein. „Wissen Sie warum?” fragt er verschmitzt: „Weil hier wirklich noch zu 100 Prozent alles hausgemacht ist. Das schmeckt man.” Das sei selbst in Fleischerläden keine Selbstverständlichkeit mehr, auch wenn man das eigentlich annehmen sollte.

Käse wird zugekauft

Ehefrau Claudia berichtigt aber schnell schmunzelnd, dass das natürlich nicht für den Käse zutreffe, der ebenfalls hinterm Tresen liegt. „Den kaufen wir natürlich dazu. Aber alles andere ist wirklich durch die Hände meiner Mitarbeiter und meine eigenen gegangen”, versichert der Handwerksmeister stolz.

Vor allem ihre Rohwurst und die Pökelware hätten sich über die Kreisgrenzen hinaus einen Ruf erarbeitet, bilanziert der Familienvater. Die Schmöllner Wiener und Bockwürste finden seit Vorwendezeiten schon reißenden Absatz. Dafür setzen sich auch noch in Coronazeiten Tag für Tag Dutzende Kunden ins Auto, denn um die Ecke liegt das Geschäft leider nicht. Auf Laufkundschaft zu vertrauen, wäre hier ein fataler Fehler gewesen. Denn zufällig vorbei kommt an diesem Laden niemand. Die Fleischerei hat es trotzdem seit 1936 geschafft, am Markt zu bestehen. „Sie können sich also vorstellen, welche Krisen der Betrieb in den letzten 84 Jahren schon gemeistert hat”, resümiert der Chef; angefangen von den schlimmen Kriegsjahren über die Knappheit in der DDR. „Die Familie hat sich immer wieder hochgerappelt, also werden wir auch diesmal nicht aufgeben.”

Viele Einflüsse

Denn was der weltweite Shutdown mit der Fleischerei Sarow in Schmölln noch macht, könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt doch niemand sagen, ist sich der Inhaber bewusst: „Das hier heute ist eine Momentaufnahme, das kann nächste Woche schon ganz anders aussehen.” Ein Betrieb wie der seine sei nun mal vielen äußeren Einflüssen unterworfen. Ganz schlimm dabei findet er beispielsweise die Bürokratie des Staates, die kleinen Firmen das Leben schwer macht.

„Hinzu kommt der Anstieg der Betriebskosten, die Jahr für Jahr unbemerkt in die Höhe klettern, ohne dass man Einfluss darauf hat.” Diesen Preisanstieg über die Ware an den Kunden weiterzugeben, sei aber schwierig. „Der merkt sofort, wenn etwas statt 80 Cent plötzlich einen Euro kostet, und ist dann manchmal weg.” Denn die Aussagen, dass die Menschen bereit seien, für gute Erzeugnisse auch gutes Geld auszugeben, stimme nur bedingt. „Geiz ist geil – das bestimmt den Konsum. Wenn ein Billigprodukt auftaucht, vergessen viele Kunden ihre angeblich so hohen Ansprüche an die Qualität.”

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