Prenzlauer Hotel in Not

Mit „Ostern to go“ durch die Krise

Lokalinhaber und Hoteliers haben die Coronaverbote mit am härtesten getroffen. Einige kämpfen noch so wie Mandy Teschke vom „Hotel Overdiek“.
Auch die Köche Tobias Brockmann (links) und Anita Tockhorn (rechts) sind wie ihre Chefin Mandy Teschke längst in Kur
Auch die Köche Tobias Brockmann (links) und Anita Tockhorn (rechts) sind wie ihre Chefin Mandy Teschke längst in Kurzarbeit. Claudia Marsal
Ostern kann man auch Bärlauch-Pesto-Nudeln mit Zanderfilet bestellen.
Ostern kann man auch Bärlauch-Pesto-Nudeln mit Zanderfilet bestellen. Claudia Marsal
Mandy Teschke weigert sich, den Mut zu verlieren. Aber zum Lachen ist ihr eigentlich nicht mehr zumute.
Mandy Teschke weigert sich, den Mut zu verlieren. Aber zum Lachen ist ihr eigentlich nicht mehr zumute. Claudia Marsal
Prenzlau

Mandy Teschke und ihre Kollegen strahlen in die Kamera, obwohl ihnen seit Tagen eher zum Heulen zumute ist. Die Geschäftsführerin des „Hotel Overdiek” und ihre Angestellten sind längst auf Kurzarbeit gesetzt worden. Veranlasst hat das die Mutter der jungen Chefin, Silvia Walkhoff, die das Prenzlauer Hotel gepachtet hat und gleichzeitig Inhaberin der „Gaststätte & Pension Am Tanger” in Dedelow ist.

„Mir blieb nichts anderes übrig”, bedauert die Unternehmerin im Gespräch mit dem Uckermark Kurier. Seit knapp 20 Jahren Selbstständigkeit steht sie „dank” der Coronabeschränkungen jetzt selbst mit dem Rücken zur Wand. „Es lief immer gut bei mir. Und nun das. Ich bin am Boden zerstört”, setzt die Uckermärkerin hinzu. Schuld daran ist nicht nur das Verbot des Gaststättenbetriebes, wie sie sagt. Denn an beiden Standorten versucht die Firma, sich mit Außer-Haus-Lieferungen über Wasser zu halten. Auch Übernachtungsgäste gibt es sowohl in der Kreisstadt als auch in Dedelow noch.

Polen eingemietet

Es steigen hier vor allem Monteure und Geschäftsleute ab. Polnische Arbeitskräfte haben sich ebenfalls für länger eingemietet, vornehmlich aus dem Gesundheitswesen.

Was den beiden Beherbergungsbetrieben das Genick zu brechen droht, sind die horrenden Außenstände, die sich fortlaufend summieren. „Ich weiß aktuell nicht mehr, wie ich meine Rechnungen begleichen soll”, gesteht Silvia Walkhoff den Tränen nahe ein: „Es kommt nämlich kaum noch Geld rein, weil viele Firmen nicht für ihre übernachtenden Mitarbeiter zahlen.” Die offenen Rechnungen haben sich auf mehrere tausend Euro summiert. Erschwerend hinzu kommt, dass die Gastronomin in der Vergangenheit zweimal im großen Stil geprellt worden ist. In einem der Fälle blieb ein ominöser Kampfsportveranstalter ihr über 18.000 Euro schuldig. „Da bin ich bis vor Gericht”, resümiert Silvia Walkhoff: „Doch mehr als einen Titel bekommen habe ich nicht.”

Betrügern aufgesessen

Sie hat keine Hoffnung mehr, dass diese Schulden jemals beglichen werden. Als ähnliche Betrüger herausgestellt hätten sich die Veranstalter eines anderen Großevents, das in Prenzlau Station machte. „Doch selbst Firmen, von denen man es nie gedacht hätte, bleiben uns die Übernachtungskosten inzwischen schuldig”, setzt ihre Tochter hinzu.

Die beiden Frauen wollen trotzdem nicht klein bei geben. Schließlich hängen nicht nur ihre Existenzen am Geschäft, sondern auch die ihrer Mitarbeiter, die oft seit vielen Jahren schon im Unternehmen sind. „Außerdem macht uns die Arbeit Spaß. Hotel, Gaststätte und Pension sind doch unser Leben”, betont Mandy Teschke nachdenklich. Weil sie weiß, dass das gegenwärtig auch vielen anderen Menschen so geht, hat sie eine Überlebensstrategie ersonnen. Serviert wird aktuell nicht mehr nur Frühstück – vorschriftsmäßig auf Einzeltabletts an die Zimmertür – sondern auch ein warmes Essen am Ende des Tages. „Unsere Gäste wissen sehr zu schätzen, dass sie nach Feierabend noch ein leckeres Abendbrot bei uns bekommen. Ringsum sind die Lokale da schließlich schon zu”, erklärt Mandy Teschke.

Osteressen geliefert

Auch da halte man sich an die strengen Coronavorschriften. Jeder bekommt die Mahlzeit in einem Thermobehälter nach oben gebracht, wo er sie dann allein verzehren muss. „Daran können wir leider nichts ändern.” Auch den traditionellen Brunch für die Prenzlauer musste das Team in diesem Jahr absagen. Aber es gibt „Ostern to go”. Die Köche Tobias Brockmann und Anita Tockhorn wollen am Ostersonntag für all die da sein, die es nicht so mit dem Kochen zu Festtagen haben oder die sich einfach mal eine Pause in der Küche gönnen möchten, Zur Wahl stehen drei Menüs, die spätestens bis Donnerstag telefonisch im „Hotel Overdiek” oder in der „Gaststätte & Pension Am Tanger” bestellt werden sollten. Geliefert wird selbstverständlich frei Haus, so wie die Tagesessen auch.

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