POLEN-GRENZE DICHT

Monster-Stau auf der A11 – das sagen die Lkw-Fahrer

Polen hat seine Grenzen wegen der Corona-Pandemie abgeschottet – die Folge ist ein Mega-Stau auf den Autobahnen zur Grenze. Wir haben die Betroffenen besucht.
Auf die Heimreise nach Polen zu ihrer Familie und ihrem Kaninchen hatte sich Truckerin Alexandra Kowalewski schon gefreut, bis
Auf die Heimreise nach Polen zu ihrer Familie und ihrem Kaninchen hatte sich Truckerin Alexandra Kowalewski schon gefreut, bis 40 Kilometer vor der Grenze nichts mehr ging. Horst Skoupy
2020-03-18 Grenzstau A11 Penkun/Pomellen – Foto: Christopher Niemann
2020-03-18 Grenzstau A11 Penkun/Pomellen – Foto: Christopher Niemann Christopher Niemann
Kurz vor ihrem Ziel wurde das Brüssower Ehepaar Rita und Udo Lieckfeldt am Mittwoch auf der A 11 ausgebremst.
Kurz vor ihrem Ziel wurde das Brüssower Ehepaar Rita und Udo Lieckfeldt am Mittwoch auf der A 11 ausgebremst. Horst Skoupy
Teilweise zu dritt standen die Laster bei Warnitz nebeneinander auf der A 11.
Teilweise zu dritt standen die Laster bei Warnitz nebeneinander auf der A 11. Horst Skoupy
Zum Stillstand verdammt: Sultan Adrian, Containerfahrer aus Polen.
Zum Stillstand verdammt: Sultan Adrian, Containerfahrer aus Polen. Horst Skoupy
Warnitz.

Stau, Stau, Stau – und kein Ende in Sicht. Auf der A11 Richtung Norden haben die Kontrollen an der polnischen Grenze in Folge des Coronavirus seit Dienstag ein Verkehrschaos angerichtet, das seinesgleichen sucht.

Denn alle, die die Grenze passieren wollen, müssen sich einem Gesundheits-Check unterziehen – und das dauert. Schon am Dienstag zog sich der Stau durch die ganze Stadt Schwedt. Seit Mittwoch verschärft sich die Situation auf der A11. Das Kreuz Uckermark war sowohl in Richtung Pomellen als auch Schwedt dicht, der Rückstau immens. Gegen Mittag war die letzte freie Abfahrt nach Angaben der Polizei die Anschlussstelle Pfingstberg. Dort hatten am Nachmittag Bundespolizisten die Zufahrt zur Autobahn gesperrt.

Lastwagen stehen zum Teil in drei Spuren

Noch vor der Abfahrt Warnitz war der Verkehr am Nachmittag zum Stillstand gekommen. „Ich bin in zwei Stunden und 20 Minuten 50 Meter vorangekommen”, schilderte Stauopfer Sultan Adrian seine Situation. Der 29-jährige Pole war mit seinem Truck am Morgen in Langenhagen bei Hannover aufgebrochen und wollte ins polnische Goleniów. Dass es lange Staus vor den Grenzübergängen nach Polen gibt, wusste er. Doch dass es jetzt schon 40 Kilometer für Pomellen nicht mehr weiter ging, schockierte ihn. Er richtete sich auf eine lange Nacht ein. „Essen und Trinken für ein bis zwei Tage habe ich an Bord und schlafen kann ich auch hier”, sagte er und deutete auf den Standstreifen an der Autobahn – und lachte. Wenigstens hatte sich der junge Mann seinen Humor behalten.

Der war Rita und Udo Lieckfeldt vergangen. Das Ehepaar war auf der Heimreise aus Sachsen ins uckermärkische Brüssow. Dass sie so kurz vor dem Ziel ausgebremst wurden, hätten sie nicht gedacht. „Wenn wir das gewusst hätten, wären wir Pfingstberg abgefahren”, ärgerte sich Udo Lieckfeldt mehr über sich selbst. Seine Frau sieht die Schuld in den Lkw-Fahrern, die teilweise zu dritt nebeneinander auf der Autobahn stehen, selbst auf der Standspur. „Wir haben heute schon den Stau der Lkws bei Niederlehme gesehen. Dort standen die Laster allerdings nur in einer Spur. Wo ist denn hier eine Rettungsgasse?”, fragte sie sich. Voller Sorge blickten sie auf die Uhr. Auf eine Nacht im Auto waren sie nicht vorbereitet. „Wir haben zwar zur Not etwas zu Essen und zu Trinken, aber keine Decken”, so die Brüssowerin.

Keiner weiß, wie lange der Mega-Stau noch dauert

Nächte an der Autobahn sind für Alexandra Kowalewski nichts Unbekanntes. Die 34-jährige Polin fährt seit zehn Jahren große Trucks. Am Mittwoch war sie mit einer Ladung Ammoniakwasser im Tank unterwegs. Von Magdeburg aus sollte die Reise bis nach Stettin gehen. Sie hatte sich schon auf den Feierabend gefreut. „Zu Hause warten schon meine Mutter, mein Vater, mein Bruder und mein Kaninchen”, erzählte sie. Das Schlimmste sei, dass überhaupt nicht absehbar sei, bis wann sie es an den Grenzübergang Pommellen schaffen würde. „Ich befürchte, dass ich bis morgen auf der Autobahn stehe.”

So richtig böse hatte es Ehepaar im mittleren Alter erwischt. Eigentlich sollte die Fahrt auf der A11 ein Katzensprung sein. „Wir waren in Warnitz im Garten und wollen zurück nach Gramzow”, sagte der Fahrer. Den Stau auf der Autobahn habe er zwar gesehen, aber an der Autobahnauffahrt war die linke Spur noch befahrbar. Doch nach wenigen Metern war Schluss. Er kann gerade noch erzählen, dass er die Polizei angerufen hat. „Wissen Sie, was sie mir gesagt haben? Ihnen seien die Hände gebunden!”

Weiter kam er nicht mehr, denn plötzlich Bewegung in die Staukolonne. Auf beiden Spuren rollte der Verkehr, und gar nicht mal sehr langsam. Doch nach zehn Minuten war es vorbei. Wieder leuchteten die roten Bremslichter der Fahrzeuge, wieder stockte der Verkehr. Ob es das ältere Ehepaar zwischendurch bis zur nächsten Abfahrt geschafft hatte?

47 Kilometer Stau am Donnerstag

Auch am Donnerstagmorgen mussten Autofahrer auf den Bundesautobahnen 12 und 11 Richtung Polen mit langen Staus rechnen. Auf der A12, die von Berlin in Richtung Polen führt, gab es 47 Kilometer Stau vor der Grenze nach Polen, wie ein Sprecher der Autobahnpolizei sagte. Für Autos ist die Autobahn laut Verkehrsinformationszentrale (VIZ) mittlerweile in Richtung Frankfurt (Oder) vollständig gesperrt. Autofahrer sollten den Grenzübergang an der Stadtbrücke in Frankfurt (Oder) nutzen. Lastwagen durften zusätzlich auf dem Standstreifen fahren, hieß es.

Auf der A15, die an Cottbus vorbei nach Polen führt, staute es sich von der polnischen Grenze laut Polizei bis zur Anschlussstelle Cottbus Süd. Die Staulänge dort liegt bei rund 30 Kilometer. Auf der A11, die von Berlin nach Stettin führt, betrug die Staulänge bis zur Landesgrenze zu Polen etwa 18 Kilometer. Grund für die Verzögerungen sind polnische Grenzkontrollen wegen der Coronakrise.

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Kommentare (1)

...wie es nicht funktioniert. Dass die Polen ihre eigenen Bürger solange warten lassen und sinnfreie Fieber- und Hustentests machen, grenzt schon an mittelalterliche Dummheit.