Die Teilnehmer des Montagsspaziergangs durch Prenzlau trotzten der Kälte.
Die Teilnehmer des Montagsspaziergangs durch Prenzlau trotzten der Kälte. Oliver Hauck
Rund eine Stunde lang dauerte der Spaziergang der 50 Teilnehmer durch die Prenzlauer City.
Rund eine Stunde lang dauerte der Spaziergang der 50 Teilnehmer durch die Prenzlauer City. Oliver Hauck
Politikverdrossenheit

Montagsprotest in Prenzlau trotz Frost und Fußball-WM

Das Leben ist teurer geworden. Die Ungewissheit, wie sich die Situation weiterentwickeln wird, beunruhigt Bürger, die wieder auf die Straße gingen.
Prenzlau

Rund 50 Unentwegte ließen sich am Montagabend weder von Frost noch Fußball-WM-Übertragung davon abhalten, sich am schon traditionellen Protestspaziergang nach Prenzlau zu beteiligen. Bei den Gesprächen mit Teilnehmern zeigte sich, dass sich in den vergangenen zwei Jahren viel Frust angesammelt hat. Carsten Schwarzbach ist einer von denen, die schön öfter mitgelaufen sind. Der 57-jährige arbeitet auf einem Schrottplatz in Prenzlau. Wie so vielen anderen macht ihm Sorge, wie teuer das Leben geworden ist. Von der Politik der letzten Jahre sei er enttäuscht. Zuhause hat er eine Elektrospeicherheizung und fragt sich, was da wohl demnächst für eine Stromrechnung auf ihn zukommen wird.

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Der Demonstrationszug bewegte sich über Straße des Friedens zurück Richtung Marktberg. „Wir sind das Volk! Wir sind laut!“, tönte es aus den Lautsprechern, begleitet von Pauke und Trillerpfeife. Eine Balkontür öffnete sich und eine Frau mittleren Alters trat ins Freie: „Muss der Krach sein? Ich habe den ganzen Tag gearbeitet.“

„Vielen geht es eben noch gut“, meinte ein 50-jähriger Angestellter, der mit seiner Frau hinzugekommen ist, räumte aber ein: „Wir haben auch lange gebraucht, um uns aufzuraffen.“ Für ihr Flüssiggas mussten sie kürzlich ein Mehrfaches bezahlen. „Wenn wir am Wochenende einkaufen gehen, ist ein dreistelliger Betrag weg. Aber im Wagen liegt weniger drin als früher.“ Und so hoch seien die Gehälter ja nicht in der Uckermark. Sie ärgern sich schon seit den umstrittenen Coronamaßnahmen. Ihre Kinder mussten mit Masken in der Schule sitzen, bei offenem Fenster, wenn Unterricht überhaupt stattfand. Mit der Impfpflicht habe die Politik die Bevölkerung gespalten. Wer dagegen war, sei ins Abseits gestellt worden.

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Ingenieur Carsten Haffer (55) ist auch vorweg gelaufen. Er war aus Protest gegen die Coronamaßnahmen in „Die Basis“-Partei eingetreten. Dort sei man mittlerweile etwas eingeschlafen. Wie kann man mehr Menschen erreichen? „Es drückt noch nicht genug. Von der geplanten Impfpflicht waren sehr viele Menschen betroffen. Da waren viel mehr auf den Straßen.“ Derzeit dächten viele: Es hört sich nicht gut an, aber mir geht es noch einigermaßen. Für das neue Jahr wünscht er sich eines: Dialog zwischen den Weltmächten und Frieden in der Ukraine. Die Demo war wieder auf dem Marktberg angekommen. Zum Abschluss sangen rund 20 Teilnehmer „Die Gedanken sind frei!“

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