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Obwohl Nicole Röstel aus Gerswalde wegen einer chronischen Bronchitis zur Risikogruppe gehört, verzichtet sie auf einen Mund-Nasen-Schutz. privat
Coronaprotest

Mutter schildert Spießrutenlauf beim Einkauf ohne Maske

Nicole Röstel eckt zurzeit oft an. Vor allem in Geschäften muss sich die Uckermärkerin häufig rechtfertigen, weil sie keinen Mund-Nasen-Schutz trägt.
Gerswalde

Nicole Röstel hat zurzeit gar keine Lust mehr, shoppen zu gehen. Die 35-Jährige besorgt nur noch das Nötigste, dann fährt sie wieder nach Hause. Grund dafür ist im weitesten Sinne ihre chronische Bronchitis. Doch nicht das Lungenleiden sorgt momentan für Beschwerlichkeit in ihrem Leben, sondern ihr maskenloser Gang in der Öffentlichkeit. Sie hat ein Attest vom Facharzt, das sie von der Maskenpflicht befreit.

Ihren Mitmenschen aber ist das nicht geheuer, wie die Studentin Tag für Tag aufs Neue erleben muss. „Ich werde angestarrt und angegiftet”, bilanziert sie die Vorkommnisse seit Einführung der Maskenpflicht. Nicht jeder wisse von den Ausnahmeregelungen beziehungsweise sei bereit, dies als Grund zu akzeptieren. „Manche Leute reagieren richtig böse”, hat sie die Erfahrung gemacht: „Es kommt mir so vor, als ob sie ihrer Wut darüber, sich selbst so etwas vors Gesicht binden zu müssen, Luft machen wollen”, sagt Nicole Röstel.

Harte Angriffe

Bis jetzt sei es ihr immer gelungen, ruhig zu bleiben, versichert die junge Frau: „Aber bei manchen Angriffen fällt mir das echt schwer.” Noch in unguter Erinnerung ist ihr die Konfrontation mit einem Ladenchef, der sie nach wütender Diskussion des Geschäftes verwiesen hatte. Sie habe zur Antwort bekommen, dass er und sein Team so etwas auch tragen müssten, und er deshalb bei ihr keine Ausnahme machen werde, berichtet die Gerswalderin: „Da war ich erstmal baff.”

Voller Mitleid beobachte sie auch, was die Masken mit alten Menschen machten, setzt Nicole Röstel nachdenklich hinzu: „Kürzlich stand eine, gewiss über 80 Jahre alte Frau vor mir an der Kasse und hat fast geweint, weil sie keine Luft mehr bekam. Sie traute sich aber auch nicht, ihre Maske ein Stück runter zu ziehen.”

Alte Leute besorgt

Ebenso entsetzt habe sie die Beobachtung von einem betagten Herrn, der im Park „vermummt” seine Spazierrunden drehte. „Er war ganz allein und hat sie trotzdem nicht abgenommen. Viele Senioren sind vermutlich so verängstigt, dass sie sogar mit Maske ins Bett gehen würden”, vermutet die Uckermärkerin.

Sie selbst habe nicht so große Angst vor Corona, jedenfalls nicht mehr als vor anderen ansteckenden Krankheiten auch. Viele andere Erreger könnten bei einem schwachen Immunsystem doch zur Gefahr werden, argumentiert die Studentin. Für umso wichtiger hält sie es, das Immunsystem zu stärken, auch mit zwischenmenschlichen Kontakt.

„Ganz ehrlich: Ich traue den Schlagzeilen nicht mehr so recht, vor allem, weil sich die Experten so oft widersprechen. Obwohl ich zur vermeintlichen Risikogruppe gehöre, lasse ich mich nicht verrückt machen.”

Erste Panik

Die ersten zwei Wochen habe sie sich noch von der Panik anstecken lassen, räumt die zweifache Mutter ehrlich ein. "Überall die Bilder von überfüllten Krankenhäusern und Särgen, das schockt einen schon. Aber dann habe ich begonnen, mich breiter zu informieren und nicht mehr jeder reißerischen Überschrift zu glauben”, bilanziert die Gerswalderin.

Sie ist sich natürlich bewusst, dass sie aktuell in die Ecke der Verschwörungstheroretiker oder schlimmer gesteckt werde, gibt sie zu. „Aber man darf sich nicht mundtot machen lassen.” Hinter vorgehaltener Hand würden immer mehr Menschen Bedenken über bestimmte Coronamaßnahmen äußern, „aber sie haben Angst, das laut zu sagen. Es muss doch noch erlaubt sein, kritisch nachzufragen und Alternativen zu diskutieren.”

Ihr mache vor allem die in Erwägung gezogene Impfpflicht für Corona Angst, gibt sie ehrlich zu: „Ich bin kein Impfgegner, auch meine beiden Kinder haben alle Impfungen bekommen. Aber das hier macht mir Sorgen.”

 

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