MASERNSCHUTZGESETZ

Ohne Impfung gibt's keinen Kita-Platz mehr

Eltern müssen künftig nachweisen, dass ihre Kinder einen Masernschutz haben. Sonst wird die Aufnahme des Nachwuchses in eine Betreuung verweigert.
Ab März gilt das neue Masernschutzgesetz.
Ab März gilt das neue Masernschutzgesetz. Friso Gentsch
Prenzlau ·

Jetzt wird es ernst: Kinder sollen künftig nur noch dann einen Platz in der Tagesbetreuung bekommen, wenn sie gegen Masern geimpft sind. So sieht es das Masernschutzgesetz vor, das zum 1. März 2020 in Kraft tritt. „Dadurch sollen die Menschen besser vor dieser gefährlichen Infektionskrankheit geschützt werden“, sagt Gabriela Leyh von der Krankenkasse Barmer.

In Brandenburg wird hierfür das Kita-Gesetz novelliert. Die Novellierung soll ab 1. August 2020 gelten und sieht vor, dass jedes Kind ärztlich untersucht wird, bevor es erstmalig aufgenommen wird. Im Rahmen dieser Aufnahmeuntersuchung wird der Impfstatus überprüft und eine Schließung von Impflücken angeboten.

Eine Aufnahme in eine Kindertagesbetreuung erfolgt nur, wenn ein ausreichender Impfschutz gegen Masern besteht. Eltern von Kindern, die vor dem 1. März 2020 betreut werden, müssen der Leitung der Kindertagesstätte bis zum 31. Juli einen Impfnachweis vorlegen. Auch Mitarbeiter von Gemeinschaftseinrichtungen müssen sich gegen Masern impfen lassen.

Uckerland gewappnet

Im Uckerland ist schon alles bestens, wie Bürgermeister Matthias Schilling (SPD) versichert: „Wir haben den Impfstatus der Erzieher bereits aktualisiert. Bei den Neuaufnahmen von Kindern wird der Status geprüft. Dazu sind der Impfausweis des jeweiligen Kindes sowie eine ärztliche Bescheinigung einzureichen.”

Anke Kehn, zuständige Amtsleiterin in Prenzlau, sagt: „Für alle Beschäftigten der Stadt, die in den Einrichtungen tätig sind, ist ein Impfschutz unter anderem gegen Masern Einstellungsvoraussetzung. Aus diesem Grund sind keine offenen Impfungen vorhanden. Der Impfstatus wird zudem ständig kontrolliert, um gegebenenfalls notwendige Nachimpfungen zu veranlassen. Die Kosten übernimmt die Stadt Prenzlau. Mit heutigem Datum werden aktuell 1 202 Kinder in unseren Einrichtungen betreut. Entsprechend der derzeit vorliegenden Anträge sind 72 Neuaufnahmen zu erwarten. Die Kinderanzahl kann sich jedoch noch ändern. Bei Neuaufnahmen wird spätestens beim Aufnahmegespräch durch die Leiterin der Impfstatus durch Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung oder des Impfausweises festgestellt. Bei Impflücken werden die Personensorgeberechtigten darauf hingewiesen, dass eine Aufnahme nur bei Vorliegen des Impfschutzes erfolgt.”

Umsetzungsempfehlungen fehlen

Ines Klingbeil vom Kita-Fachbereich der Gemeinde Nordwestuckermark wies darauf hin, dass man erst bei der nächsten Kita-Träger AG beim Landkreis verbindliche Umsetzungsempfehlungen erhalte und erst danach Aussagen treffen könne.

Die Stadt Templin ist Träger von drei, eher kleinen Einrichtungen. Dazu gehören die Kita „Die Grashüpfer” in Klosterwalde, die Storkower Kita „Wirbelwind” und der Hort „Zauberlehrling” in Templin. Annette Nitschmann, Fachbereichsleiterin, verweist darauf, dass über die Einführung der Masernimpfpflicht seit Langem diskutiert wurde. „Vorab wurden alle Kita-Träger vom Jugendamt des Landkreises zu einem Gespräch eingeladen.” Konkrete Handlungsempfehlungen gebe es aber noch nicht. „Wir halten uns an die Vorgaben: Eltern, deren Kinder schon in einer der drei Einrichtungen betreut werden, müssen den Nachweis, dass ihr Nachwuchs gegen Masern geimpft ist, bis zum 31. Juli vorlegen. Werden Kinder neu angemeldet, muss der Impfstatus geklärt sein, sonst können sie nicht aufgenommen werden. Da ist das Gesetz eindeutig”, so die Fachbereichsleiterin.

Gebe es Klärungsbedarf, weil Eltern eine andere Meinung zum Thema Impfen hätten, müsse das Verfahren im Landkreis noch geregelt werden. „Die in den drei Einrichtungen beschäftigten Erzieherinnen sind geimpft. Sollte jemand neu eingestellt werden, muss er das natürlich auch nachweisen.”

Tödliches Ende

80,8 Prozent der Kinder in Brandenburg, die im Jahr 2015 geboren wurden, haben laut Barmer entsprechend der Impfempfehlung innerhalb der ersten beiden Lebensjahre zwei Masernschutzimpfungen erhalten. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 78,9 Prozent. Masern werden häufig als „Kinderkrankheit“ unterschätzt. Dabei gehören sie zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten des Menschen. Sie können schwere Komplikationen und Folgeerkrankungen mit sich bringen und sogar tödlich enden. Um die gesetzlichen Vorgaben für die Aufnahme in die Kindertagesbetreuung zu erfüllen, sollte ein Kind vor Vollendung des ersten Lebensjahres die erste, und vor Vollendung des zweiten Lebensjahres die zweite Masernschutzimpfung erhalten. Die Ständige Impfkommission empfiehlt bei Kindern, die in diesem Zeitraum nicht geimpft wurden, die Impfung unbedingt bis zum 18. Lebensjahr nachzuholen. Auch Erwachsene sollten sich gegen Masern impfen lassen, wenn sie nach 1970 geboren wurden und nicht wissen, ob sie in der Kindheit an Masern erkrankt waren oder einen Impfschutz haben.

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