PUTZAKTION

▶ Pädagogen aus Prenzlau erinnern an jüdische NS-Opfer (mit Video)

In vielen Städten halten Stolpersteine das Schicksal von jüdischen Mitbürgern im Gedächtnis. Einmal im Jahr werden die Steine in Prenzlau gesäubert.
Konstantin Kraft Konstantin Kraft
Bei den Utensilien hat sich in diesem Jahr etwas geändert. Neben Schwämmen und Wischtüchern kam das Poliermitte
Bei den Utensilien hat sich in diesem Jahr etwas geändert. Neben Schwämmen und Wischtüchern kam das Poliermittel „Elsterglanz” zum Einsatz. Konstantin Kraft
Zwei Stolpersteine am Marktberg nach der Putzaktion
Zwei Stolpersteine am Marktberg nach der Putzaktion Konstantin Kraft
Die beiden Stolpersteine vor der Putzaktion
Die beiden Stolpersteine vor der Putzaktion Konstantin Kraft
Prenzlau.

Die goldene Messingplatte auf dem Gehweg der Geschwister-Scholl-Straße in Prenzlau glänzt wieder. Wenige Minuten zuvor war ihre Aufschrift mit einer dicken, grau-braunen Schmutzschicht überzogen. „Hier wohnte Sanny Abrahamsohn“, steht auf dem Stein. Unter dem Namen wird sein Schicksal dokumentiert. Abhrahamsohn ist Jahrgang 1922. Als junger jüdischer Mann wurde er 1941 aus Prenzlau ins Ghetto nach Litzmannstadt (heute Lodz) deportiert und am 12. Mai 1942 ermordet.

 

 

 

21 Steine in Prenzlau

Ähnlich erging es auch anderen jüdischen Mitbürgern in Prenzlau. An deren Schicksal erinnern heute 21 Stolpersteine in der Stadt. Mindestens einmal im Jahr werden diese Steine auf Initiative der Stadtfraktion der Linken in Prenzlau gesäubert. In Vorbereitung auf das Gedenken anlässlich des 81. Jahrestages der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde am Donnerstag wieder geputzt.

Erinnerung wach halten

In gebeugter Haltung schrubbt Jörg Dittberner einen der Stolpersteine sauber. Weil der Stein so stark verschmutzt ist, brauchte es dafür einige Anstrengung. Dabei spricht er von seinem „Bedürfnis, die Erinnerung wach zu halten.“ Neben ihm wischen und polieren Anne-Frieda Reinke und Jannis Scheel. Die drei eint nicht nur das Parteibuch, sondern auch, dass sie alle „angehende beziehungsweise aktive Pädagogen“ sind.

Gesicht zeigen

Es lasse sich eine Art „Bewusstseinsschwund“ feststellen, meinte Dittberner. Die ganze Gesellschaft scheint davon betroffen zu sein. Neben einer verstärkten Aufklärungsarbeit müsse es deshalb auch darum gehen, Gesicht zu zeigen gegen rassistische und antisemitische Vorfälle aller Art, betonte Reinke.

Über die Stadt verstreut

In Prenzlau erinnern die 21 Steine an Jenny Rosa und Adolf Arndt, an Ella Glaser und Alfred Herrmannsohn sowie an Selma Lipschütz und Frieda Czapski am Marktberg. An Agnes und Charlotte Silberberg sowie an Max Drucker in der Friedrichstraße. An Selma und Georg Sinasohn sowie an Margarete und Julius Dobrin in der Straße des Friedens. An Nathan Mamlock in der Steinstraße.

An Lotte Adam in der Scharrnstraße. An Klara Hirsch am Steintor. An Klara und Johanna Steinberg in der Schwedter Straße. An Sanny Abrahamsohn in der Geschwister-Scholl-Straße. An Julius Arndt in der Neustadt. Und an Paul Jacobson in der Neubrandenburger Straße.

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