Die Dreifach-Mama hat sich in Wilsickow einen Traum erfüllt.
Die Dreifach-Mama hat sich in Wilsickow einen Traum erfüllt. privat
Auch Kaninchenstreicheln gehört zum Portfolio.
Auch Kaninchenstreicheln gehört zum Portfolio. privat
Die Pferde haben neben dem Gutshof ein neues Zuhause gefunden.
Die Pferde haben neben dem Gutshof ein neues Zuhause gefunden. privat
Die Ferkel dürften schnell die Lieblinge aller werden.
Die Ferkel dürften schnell die Lieblinge aller werden. privat
Die etwas andere Krankengymnastik

Patienten werden mit Pferden, Ferkeln und Eseln gesund

Janika Stahl hat auf ihrem Therapiehof Altbekanntes auf den Kopf gestellt. In Wilsickow bekommen Patienten tierische Begleiter. Sogar auf Rezept.
Wilsickow

Patienten zu regelmäßiger Krankengymnastik zu bewegen, ist ein hartes Brot. „Vor allem Kinder und ältere Menschen verlieren schnell die Lust an ständig wiederkehrenden Übungen”, weiß Janika Stahl aus Erfahrung. Weil die Therapeutin aber von der enormen Wichtigkeit solcher Übungen überzeugt ist, hat sie nach einer Alternative gesucht. Diese ist nun gefunden. Am 1. April startet die 34-Jährige ein tierisches Projekt. Dafür hat sie sich mit ihrer Familie bei den von Holtzendorffs in Wilsickow eingemietet und deren Koppel samt Ställen gepachtet. In den letzten Monaten sind am Ortseingang ein kleiner Reitplatz und eine Therapiehalle entstanden. Auf dem großen Gutshofensemble des kleinen Dorfes steht somit jetzt ein bislang einzigartiger Therapiehof in den Startlöchern. Voraussetzung dafür war, dass die dort eingesetzten, zwei- und vierbeinigen „Hilfsmittel” von den Krankenkassen anerkannt wurden. Das Okay dafür hat die junge Frau nach jahrelangem Kampf in dieser Woche endlich bekommen. Statt Ball und Reifen dürfen künftig Pferde, Esel, Schweine, Kaninchen, Hühner und ein Therapiehund zum Einsatz kommen.

Krankengymnastik lizensiert

In enger Zusammenarbeit mit ihrem Mann und seiner in Strasburg/Uckermark ansässigen Physiotherapie hat Janika Stahl das Konzept " Krankengymnastik mit Tier” entwickelt und lizensieren lassen. „Als Reitpädadgogin und -therapeutin steht bei mir das körperliche und geistige Wohlbefinden von Tier und Mensch im Mittelpunkt.” Vornehmlich gehe es darum, bei den Patienten Schädigungen am Stütz- und Bewegungsapperat zu minimieren. Ihre Aufgabe sei es, die passenden Übungen für Mensch und Tier zu finden und dann umzusetzen, so die vor fünf Jahren in die Uckermark gezogene Gesundheitsexpertin.

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Die Behandlungen gibt es übrigens allesamt auf Kassenrezept. „Niemand muss bei uns Sorge haben, dass er sich diese spezielle Behandlung nicht leisten kann”, verrät die Unternehmerin freudestrahlend: „Unser Ziel ist es, Menschen durch ein fundiertes therapeutisches Konzept die Möglichkeit zu geben, eine positive Beziehung zum Tier aufzubauen. Dies geschieht auf der Grundlage funktioneller Alltagshandlungen. Ein liebevoller und artgerechter Umgang mit dem 'Partner', z.B. dem Pferd, soll den Kindern und Erwachsenen ermöglichen, ihre Kompetenzen zu stärken und über sich hinauszuwachsen. Nur gemeinsam können die Ziele erreicht werden. Dabei steht das Wohlbefinden aller Beteiligten im Vordergrund.”

Für Demenzkranke

Janika Stahl versichert, sich mit diesem neuen Behandlungsansatz einen großen Traum verwirklicht zu haben. Die Ex-Berlinerin sieht die Augen der Patienten schon leuchten, wenn sie mit ihren Tieren gemeinsam zu üben beginnen. „Da ist dann nichts mehr mit stupider Krankengymnastik. Das wird von der ersten Minute an Erleben mit allen Sinnen sein. Es gelingt auf diesem Weg sogar, Demenzerkrankte in Wachsituationen zu holen, von der Begeisterung der Jüngsten ganz zu schweigen.”

Die Idee dahinter sei, alltägliche Bewegungen gemeinsam mit den Tieren nachzuahmen, erläutert die dreifache Mutter, die im November 2021 ihr drittes Kind zur Welt gebracht hat: „Denn in der Krankengymnastik geht es ja darum, die alltäglichen Bewegungen besser und gesünder auszuführen.” Wem dabei die Pferde zu groß seien, der könne gern auf die Esel oder die Ferkel Schorschi und Paul ausweichen. Perspektivisch sollen auch noch Schafe angeschafft werden, zeigt sie Visionen auf. „Sie glauben gar nicht, was das beispielsweise mit Rheumakranken macht, wenn sie die schmerzenden Hände auf einen warmen Tierkörper legen können oder sie im dichten Fell vergraben. Es ist mittlerweile belegt, dass auf diese Art große Fortschritte und vor allem Linderung erzielt werden können.”

Nach Unfällen

Die Reittherapie eignet sich wiederum für Menschen vom Krippenkind bis zum Seniorenalter. Sie begleitet und unterstützt Menschen in den verschiedensten Lebenslagen und bei folgenden Diagnosen: motorische Probleme, Körper- und Mehrfachbehinderungen, neurologische Erkrankungen, geistige Behinderungen, psychische Erkrankungen nach Unfällen und zur Rehabilitation.

Bei der Reitpädagogik wiederum erlernen vorrangig Kinder spielerisch den richtigen Umgang mit den Pferden und erkunden deren natürliches Verhalten. Die Bewegung mit und auf den Tieren spricht viele unterschiedliche Sinne an und fördert dadurch die Entwicklung der Kinder. Das unterstützt die Behandlung von Lernschwächen, sozialen Schwierigkeiten, Anpassungsproblemen und Adipositas.

Telefon: 0152 53742553

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