Die Arbeit unter Coronabedingungen hat die Pflegekräfte mehr denn je gefordert. Die versprochene Entschädigung kam a
Die Arbeit unter Coronabedingungen hat die Pflegekräfte mehr denn je gefordert. Die versprochene Entschädigung kam aber bis heute nicht an. Kay Nietfeld
Noch hat der Gesundheitsminister nicht auf den Brief aus Prenzlau geantwortet.
Noch hat der Gesundheitsminister nicht auf den Brief aus Prenzlau geantwortet. Kay Nietfeld
1500 Euro mehr auf dem Lohnzettel hätten auch die Prenzlauer Kollegen gefreut.
1500 Euro mehr auf dem Lohnzettel hätten auch die Prenzlauer Kollegen gefreut. Monika Skolimowska
Brief an Lauterbach

Pflegekräfte warten vergeblich auf Bonus

Von 1500 Euro pro Mitarbeiter war immer die Rede. Doch dieses Versprechen hat die Politik nicht gehalten, beklagen Mitarbeiter des Prenzlauer Krankenhauses.
Prenzlau

Pfleger Steve Dieckow steckt der letzte Nachtdienst auf der ITS noch in den Knochen, als er mit Krankenschwester Simone Hartwig zum Interview beim Uckermark Kurier erscheint. Der 30-Jährige sieht müde aus. Kein Wunder, nicht erst seit Corona stehen Pflegekräfte wie er unter Dauerstrom. Seine 25 Jahre ältere Kollegin weiß, dass der anspruchsvolle Job mit der Zeit an die Substanz geht. Sie ist seit 1983 für schwerkranke Menschen da. Doch die beiden wollen bei dem Termin in der Redaktion nicht über ihre Arbeitsbedingungen klagen: „Wir haben vorher gewusst, auf was wir uns da einlassen. Und wir machen unseren Job nach wie vor gern, fühlen uns sowohl den Patienten als auch dem Team verpflichtet.“ Uckermark.

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Was sie stört, ist allein die Tatsache, dass die Politik auch im zweiten Krisenjahr nicht ihr Versprechen gehalten und ihnen den versprochenen Corona-Bonus gezahlt hat. „Von 1500 Euro pro Mitarbeiter war immer die Rede“, berichten die beiden Klinikangestellten: „Doch bekommen haben wir nichts. Es wäre aber wichtig, dass man unsere Leistungen unter diesen besonderen Bedingungen auch einmal würdigt.“

In vielen anderen Branchen seien längst Prämien gezahlt worden, weiß Simone Hartwig aus dem eigenen Familien- und Freundeskreis. Die zweifache Oma will nicht neidisch klingen, „ich verlange nur Gerechtigkeit. Wenn, dann müsste die Regierung den Bonus allen zugestehen.“ In ihrer Hand hält die Uckermärkerin einen offenen Brief, den andere Kollegen aus ihrem Krankenhaus an den Gesundheitsminister geschickt haben: „Bis jetzt kam noch keine Antwort von Professor Dr. Karl Lauterbach, dabei waren die Forderungen klar und deutlich.“ In dem Schreiben ist zu lesen, dass das Maß bei allen im Gesundheitswesen langsam voll sei: „Wie kann es sein, dass es hier in Deutschland so unterschiedlich zugeht. Einige bekommen jetzt schon die dritte Prämie, und andere – so wie wir – haben nicht mal die erste erhalten, und sollen wohl auch keine erhalten, weil wir nicht genügend Corona-Patienten versorgt haben. Aber mal ganz ehrlich: Ist es nicht egal, ob man keine Coronapatienten oder einen Positiven oder 20 oder gar 50 versorgt hat?“ Anderen Berufsgruppen, die nicht mal annähernd Kontakt hatten, sei die Prämie doch auch zugestanden worden, zum Beispiel in der Landwirtschaft und im Bau. „Und wir??? Pflegekräfte, die direkt an und mit positiven Patienten arbeiten? Uns steht diese Prämie nicht zu?“ Diese Situation mache sie einfach traurig und wütend zugleich, und die Motivation sei einfach im Keller.

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„Man möchte das irgendwie verstehen, aber ganz ehrlich, dieses System können und wollen wir nicht verstehen. Sind Sie nicht selbst der Meinung, dass es alle Pflegekräfte verdient hätten?“ fragen sie an Lauterbach gewandt: „Es wäre zumindest eine kleine Anerkennung für die Arbeit, die man Tag für Tag leistet. Selbstverständlich haben wir uns diesen Beruf ausgesucht und müssen auch in so einer Pandemie durchhalten.“ Aber angesichts dieser Ungerechtigkeit falle das zunehmend schwerer.

Die Pflegekräfte würden sich über eine Antwort freuen und über Aufklärung, warum solche Unterschiede gemacht würden. Obwohl Steve Dieckow und Simone Hartwig nicht nur den Verfassern dieses Protests gehörten, können sie die Forderungen ihrer Kollegen nur unterstreichen.

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