Batterielampe und -radio sowie Gaskocher helfen der Uckermärkerin, die unschöne Situation zu überbrücken.
Batterielampe und -radio sowie Gaskocher helfen der Uckermärkerin, die unschöne Situation zu überbrücken. Privat
Am linken Stromzähler dürfte eigentlich keine Plombe sein. Der gehört nämlich Annett Koch.
Am linken Stromzähler dürfte eigentlich keine Plombe sein. Der gehört nämlich Annett Koch. Privat
Annett Koch ist sauer auf den Versorger. Erst am Mittwoch konnte dank der Pressestelle von E.ON eine Klärung angeschoben
Annett Koch ist sauer auf den Versorger. Erst am Mittwoch konnte dank der Pressestelle von E.ON eine Klärung angeschoben werden. Privat
„Blackout” wider Willen

Mieterin wird plötzlich der Stromzähler verplombt

Annett Koch aus Templin kann nicht glauben, was ihr aktuell widerfährt. Seit acht Tagen sitzt sie ohne Strom da - und damit geht auch weder Licht noch Kühlschrank.
Templin

Annett Koch hatte sich so auf ihre zwei Wochen Urlaub gefreut. Schön gemütlich wollte es sich die 53-Jährige in ihrer Wohnung machen; etwas Leckeres kochen, Kaffee trinken und ein bisschen Fernsehen, vielleicht auch mal Staubsaugen. Doch nichts davon hat die Templinerin bis jetzt erledigen können. Die Mutter einer erwachsenen Tochter sitzt nämlich seit vergangenem Dienstag ohne Strom da. An diesem Tag habe sie gegen 8 Uhr mitbekommen, dass sich draußen auf dem Flur ein Monteur am Zählerkasten zu schaffen gemacht hatte, erinnert sich die in einem Feriendorf als „Mädchen für alles“ beschäftigte Frau zurück. Sie habe sich nichts dabei gedacht, setzt Annett Koch hinzu: „Doch dann ging plötzlich mein Kühlschrank aus.“

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Erschrocken lief die Uckermärkerin vor ihre Tür, aber dort war niemand mehr. Sie sah dann allerdings, dass die beiden Zähler auf ihrer Etage verplombt worden waren. Die gelernte Bäuerin fiel aus allen Wolken und konnte sich diesen Zustand gar nicht erklären. „Ich bin seit über 25 Jahren E.ON-Kunde und Mieterin der Woba Templin. Nie gab es Probleme. Ich habe meine Miete und alle Nebenkosten stets pünktlich bezahlt.“ Trotzdem hatte man ihr jetzt ohne Vorankündigung den Strom abgestellt. Warum? Sie klemmte sich sofort ans Telefon, um das zu ergründen und den Zustand zu beheben. Ihre Recherchen ergaben dann, dass vor einem Jahr vermutlich die Neubezieherin der Nachbarwohnung aus Versehen zwei Zähler bei E.ON angemeldet hatte, auch den ihrigen. Dummerweise fiel Annett Koch nicht auf, dass plötzlich die rund 40 Euro Stromgeld im Monat nicht mehr eingezogen wurden. Strom hatte sie ja weiterhin.

Noch keine Klärung

Die andere Frau sei dann wohl ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachgekommen, woraufhin am 20. September gleich beide Zähler verplombt wurden. Seitdem sitzt Annett Koch im Dunkeln und hat nach unzähligen Telefonaten mit E.ON und edis immer noch keine Klärung erreichen können. Sie beschwert sich öffentlich sowohl über das schlechte Krisenmanagement im Hause der Versorger als auch über die Tatsache, dass nicht auffiel, dass eine andere Mieterin auf der Etage gleich zwei Zähler neu angemeldet, sie den ihren aber nie abgemeldet hatte. „Es liegt ja keine Kündigung meines Vertrages mit E.ON vor. Mir ist das Ganze wirklich ein Rätsel.“

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Selbst die mehrfache Versicherung ihres Vermieters, dass die Betroffene ihren Verpflichtungen immer nachgekommen ist (Kopien dieser E-Mails liegen der Redaktion vor), und dessen Bitte um Entsperrung halfen bei E.ON bislang nicht.

Bei edis gescheitert

Am Montag setzte sich Annett Koch dann ins Auto, um bei edis in Prenzlau eine persönliche Auskunft zu bekommen. „Doch dort wollte man mich gleich auf dem Flur abfertigen und hat mich erst nach lautem Protest ins Büro gelassen. Geholfen hat das allerdings nicht. Auch am achten Tag nach der Stromsperre war die Plombe an meinem Zähler noch dran.“

Noch ohne Licht

Unsere Leserin behilft sich derweil mit einem Batterieradio und Kerzen. Auch in der Fensterbeleuchtung und einer kleinen Stehlampe sind zum Glück Akkus drin. Fürs Mittagzubereiten nutzt sie einen Kocher mit Propangas. In der Pressestelle von E.ON versicherte man Mittwoch, den Prozess zur Entsperrung bereits angestoßen zu haben. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran. Unsere Recherchen haben ergeben, dass der Zähler versehentlich von ihrer Nachbarin bei uns angemeldet wurde. Dabei wurden alle erforderlichen Angaben korrekt gemacht, so dass wir von der Richtigkeit der Anmeldung ausgehen mussten. Entsprechend wurden die internen Prozesse angestoßen, wie sie etwa bei dem Einzug eines neuen Mieters üblich sind. Folglich meldeten wir Frau Koch im August 2021 ab, haben ihr die Vertragsbeendigung mitgeteilt und die Schlussrechnung zugestellt. Da sich Frau Koch auf unser Schreiben nicht gemeldet hat, gingen wir weiter von der Richtigkeit des Vorgangs aus.” E.ON entschuldigt sich für die entstandenen Unannehmlichkeiten.

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