Drama

Plötzlicher Tod einer Dreifach-Mutter (43) spitzt Familientragödie zu

Als Bert Borchardt unheilbar erkrankte und in der Folge das Haus zwangsversteigert wurde, schien die Katastrophe erreicht. Doch es kam noch schlimmer.
Milmersdorf

Vor ein paar Tagen hatte Antje Borchardt noch Pläne für Silvester gemacht. Gemütlich mit ihrer Familie ins neue Jahr rein feiern, das wollte die 43-Jährige unbedingt. „Denn die drei Kinder und ihr Mann standen bei Antje immer an erster Stelle, für die hat sie sich aufgeopfert und das eigene Wohl stets hinten an gestellt”, erzählt Stefanie Schmidt dem Uckermark Kurier. Die 41-Jährige kann bis heute nicht glauben, dass es all das nicht mehr geben wird, weil ihnen am 29. Dezember 2020 eine Tragödie die Beine weggerissen hat. Da ging nämlich ihre beste Freundin plötzlich, still und leise und vor allem völlig unerwartet von dieser Welt. Die Mutter von drei Söhnen (6, 11, 15) brach nach dem Frühstückmachen im Flur zusammen und verstarb wenig später auf dem Weg ins Krankenhaus. „Die Botschaft, dass sie nicht mehr da ist, habe ich bis heute nicht so richtig realisiert”, bilanziert die Inhaberin eines kleinen Nagelstudios verzweifelt.

Jeden Tag WhatsApp

Noch am Abend zuvor hätten sie lustige WhatsApp-Botschaften ausgetauscht und sich für den nächsten Tag verabredet. „Morgens und abends ein Gruß, das war Usus bei uns; wir waren seit über vier Jahren richtig dicke”, denkt sie traurig zurück. Als die morgendliche Begrüßung zwei Tage vor Silvester nicht kam, sei sie schon unruhig geworden, erzählt Stefanie Schmidt weiter: „Aber ich hatte so viel zu tun an diesem Tag, dass ich gar nicht zum Nachfragen kam.” Als gegen Mittag dann plötzlich Krankenwagen und Feuerwehr vor dem Haus ihrer Freundin standen, schwante ihr, dass etwas Schlimmes passiert sein muss.

„Ich bin in die Wohnung rüber und traf auf einen völlig aufgelösten Ehemann. Auch die Kinder standen unter Schock”, resümiert die Uckermärkerin die bis heute unwirkliche Situation. „Der Tod der Mutter trifft die drei besonders hart, weil der Vater vor zwei Jahren schwer erkrankt ist”, setzt die Freundin nachdenklich hinzu. Sie darf das in seinem Namen öffentlich machen, weil ihm durch sein Leiden das Sprechen immer schwerer fällt. Der 50-Jährige hat 2018 eine verheerende Diagnose gekommen. Die Ärzte stellten fest, dass er Chorea Huntington hat. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Gehirns, die vererbt wird. Bei diesen Patienten werden Bereiche des Gehirns, die für die Steuerung der Muskeln und für psychische Funktionen wichtig sind, nach und nach zerstört. Schon jetzt sei der einst kräftige Mann nur noch ein Schatten seiner selbst, beschreibt die Freundin der Familie das Drama.

Laufen fällt schwer

Seine jetzt verstorbene Frau habe in der Vergangenheit alle Arbeiten in der Familie übernommen, sagt sie: „Ihm fällt Laufen und Sprechen zunehmend schwerer. Aber Antje hat das alles kompensiert. Durch sie blieb das Rad am Laufen. Und nun ist sie nicht mehr da...” Stefanie Schmidt ringt um Fassung, während sie das erzählt. Sie wagt sich gar nicht, den Gedanken zu Ende zu denken. Und so wie sie sorgen sich derzeit viele Menschen aus dem Umfeld der Familie darum, wie es jetzt weitergeht. Freunde und Bekannte haben sich kurz nach Bekanntwerden der schlimmen Nachricht miteinander verständigt, um Hilfe auf die Beine zu stellen. Sie wollen Spenden sammeln, denn die Krankheit des Ehemannes hat die Borchardts schon vor vielen Monaten ins finanzielle Aus manövriert.

Haus verloren

Sie haben ihr Haus in Götschendorf verloren, weil sie nicht mehr in der Lage waren, die hohen Raten zu tilgen, nachdem der Montagejob bei der Bahn, den Bert Borchardt lange hatte, ihm nicht mehr möglich war. „Kurz vor Weihnachten 2019 mussten sie dort raus, weil es eine Zwangsversteigerung gab. Ich war so froh, als wir dann relativ schnell die neue Wohnung gefunden hatten, die genau gegenüber von meiner liegt. Und dann das” – Die Milmersdorferin kämpft mit den Tränen, während sie das Elend der Menschen beschreibt, die ihr so ans Herz gewachsen sind. Toll findet sie, dass beispielsweise der Fußballverein, in dem der Älteste ihrer Freundin Torwart ist, sich schon so engagiert. Auch der Verein „Uckermark gegen Leukämie” hat spontan Unterstützung zugesagt. Chefin Ines Baumgarten will zeitnah das „Wünschemobil” aktivieren. „Wir können jede helfende Hand gebrauchen”, heißt es abschließend.

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