BEHÖRDENSTREIT

Polin kämpft um ihre Berufsanerkennung

Manuela Jesionek hatte sich ihren Start in Prenzlau so schön ausgemalt. Doch mit der eigenen Praxis fing der Ärger an. Sogar Strafgeld wurde fällig.
Hannelore Talman (links) drückt Manuela Jesionek die Daumen, dass der Kampf mit den Behörden ein glückliches En
Hannelore Talman (links) drückt Manuela Jesionek die Daumen, dass der Kampf mit den Behörden ein glückliches Ende nimmt. Claudia Marsal
Prenzlau.

Vielleicht hat sich Podologin Manuela Jesionek ja ein bisschen vorschnell an ihre Existenzgründung gewagt. Diese Euphorie macht sich die 43-Jährige mittlerweile selbst zum Vorwurf. „Aber ich konnte doch nicht ahnen, wie langsam die deutschen Mühlen mahlen“, sagt die gebürtige Polin dann in sauberstem Deutsch. Sie will sich nicht geschlagen geben und hofft immer noch, dass der zähe Kampf um die Anerkennung ihrer in Stettin erlangten Berufsabschlüsse ein gutes Ende nimmt. Als sie sich im Oktober 2019 mit einer eigenen Praxis in Deutschland selbstständig machte, ging die zweifache Mutter davon aus, dass sie auch jenseits der polnischen Grenze als Podologin arbeiten darf. Schließlich konnte sie da bereits auf sechs Jahre in einem deutschen Angestelltenverhältnis verweisen.

Strafgeld fällig

„Doch da hatte ich mich geirrt. Ich musste nachträglich sogar noch ein Strafgeld für meine Tätigkeit in dieser Praxis zahlen“, blickt sie zurück. Es fehlte mutmaßlich der Sprachabschluss B, eine Prüfung, die auch in Deutschland tätige Ärzte ablegen müssen. Dieses Examen holte Manuela Jesionek schließlich im Dezember 2019 am Goethe-Institut in Stettin nach. „Ich habe den Test bestanden und dann für 1000 Euro alle nötigen Unterlagen beim Landesamt für Gesundheit und Verbraucherschutz in Zossen eingereicht“, erzählt die Geschäftsfrau weiter. Doch von dort habe sie seitdem weder eine Eingangsbestätigung für die Originalbelege noch eine Information über das weitere Prozedere bekommen. „Ich hänge seitdem in der Luft und muss nun um meine Praxis fürchten“, sagt die Unternehmerin. Das sei paradox, denn die Wartelisten würden immer länger, setzt sie empört hinzu.

Zu wenig Podologen

„Es gibt viel zu wenige Podologen in Deutschland. Der Bedarf ist riesig. Aber ich kann bislang nur normale Fußpflege anbieten und nicht die medizinische auf Rezept.“ Die Prenzlauer Patientin Ursula Michel schimpft: „Das ist doch eine Schweinerei.“ Sie bezahlt die Behandlung jetzt notgedrungen aus eigener Tasche, „weil ich hier hochzufrieden bin. Warum legt man solchen Menschen Steine in den Weg?“

Ähnlich empört ist Hannelore Talman aus Gramzow. Auch ihr hat Manuela Jesionek schon bei vielen Problemen geholfen. „Mein Mann, der Diabetiker ist, würde ebenfalls gern kommen und seine Problemfüße behandeln lassen. Aber es fehlt der Manuela die Berufsanerkennung. Das macht mich echt wütend, denn sie ist eine Seele von Mensch und versteht ihr Fach.“ Manuela Jesionek, die sich zwischenzeitlich noch zur Wundschwester hat ausbilden lassen, weiß aktuell nicht mehr weiter. Sie betet inständig, dass die zuständige Behörde ein Einsehen hat und die Zulassung zeitnah kommt.

Eine entsprechende Anfrage beim zuständigen Amt konnte bis Redaktionsschluss nicht beantwortet werden, weil der zuständige Kollege nicht erreichbar war. Eine spätere Antwort wurde allerdings in Aussicht gestellt.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Prenzlau

Kommende Events in Prenzlau (Anzeige)

zur Homepage