Einen Schwerbehindertenausweis (Symbolbild) hatte eine 16-Jährige in Templin gefunden. Sie wollte ihn zur Polizei bringen
Einen Schwerbehindertenausweis (Symbolbild) hatte eine 16-Jährige in Templin gefunden. Sie wollte ihn zur Polizei bringen, doch dort wurde sie ihn nicht los. Andrea Warnecke
Polizeirevier Templin

Polizei nimmt 16-Jähriger gefundenen Behindertenausweis nicht ab

Eine Schülerin hat in Templin einen Schwerbehindertenausweis gefunden. Sie wollte ihn bei der Polizei abgeben. Dort wurde sie zum Fundbüro geschickt.
Templin

Etwas Wertvolles abzugeben, was man gefunden hat, ist heutzutage nicht unbedingt selbstverständlich. Eine 16-Jährige aus Haßleben wollte sich am Mittwoch genau so verhalten. Doch ihre Ehrlichkeit sollte auf eine harte Probe gestellt werden.

Den Schilderungen ihrer Mutter Eileen Blum zufolge hatte sie nach der Zeugnisausgabe an ihrer Templiner Schule in der Dargersdorfer Straße den Schwerbehindertenausweis einer Dame gefunden. „Sei rief mich an, was sie jetzt damit machen soll. Ich habe ihr erklärt, dass der Ausweis für die Frau sicherlich wichtig ist, und habe ihr geraten, ihn bei der Polizei abzugeben“, erzählte sie am Telefon. Für die 16-Jährige war das kein Problem, lag das Polizeirevier in Templin ohnehin auf ihrem Weg zum Busbahnhof, von wo aus sie nach Hause fahren wollte.

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Doch im Polizeirevier habe der Diensthabende den Ausweis nicht entgegengenommen. Stattdessen habe er ihr erklärt, dass sie den Ausweis zum Fundbüro ins Rathaus bringen müsste. So lief die Haßlebenerin zum Historischen Rathaus auf dem Marktplatz, um dort zu erfahren, dass sich das Fundbüro in der Stadtverwaltung in der Prenzlauer Allee befindet. „Dorthin ist meine Tochter dann nicht mehr gelaufen, weil sie sonst ihren Bus verpasst hätte. Mir ist unverständlich, dass sich kein Erwachsener des Ausweises angenommen hat. Nach dem, was sie in diesem Fall erlebt hat, wird sie wohl nie wieder etwas aufheben“, ärgerte sich Eileen Blum.

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In der Prenzlauer Polizeiinspektion bedauerte am Donnerstag Polizeihauptkommissar Sebastian Ehlert, wie der Fall gelaufen ist. „Grundsätzlich können alle Fundsachen auf jeder Polizeidienststelle abgegeben werden“, stellte der Pressesprecher klar. Es sei jedoch ratsam, sich am Tage während der Geschäftszeiten von Fundbüros dort als Erstes hinzuwenden. „Sie sind originär zuständig.“ In der Regel sei das Fundbüro auch die erste Anlaufstelle von Bürgern, die etwas verloren haben. Dass die junge Frau offenbar verstanden habe, zum Historischen Rathaus am Markt zu gehen, sei ein Missverständnis gewesen, erklärte er.

Eileen Blum hat jetzt die Adresse der Frau ausfindig gemacht. „Für die Polizei wäre das sicher ein Leichtes gewesen“, sagte sie. Den Ausweis werde sie der Frau per Post zuschicken, informierte sie ihre Heimatzeitung.

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