Michael Kranz
Michael Kranz Claudia Marsal
Düstere Prognose

Prenzlauer Apotheker kämpft für seine Zunft

Der Onlinehandel bei rezeptpflichtigen Arzneien macht Unternehmern wie Michael Kranz zu schaffen. Das wäre zu verhindern, sagt er.
Prenzlau

Wenn Michael Kranz im Freundes- und Bekanntenkreis über berufliche Sorgen und Nöte spricht, erntet er immer häufiger wissende Blicke. „Es hat sich herumgesprochen, dass inhabergeführte Apotheken deutschlandweit in schwieriges Fahrwasser geraten sind“, stellt der Prenzlauer fest. Der 41-Jährige hat vor anderthalb Jahren das Unternehmen von seiner Mutter übernommen. Aktuell stehen bei ihm an zwei Standorten insgesamt 20 Mitarbeiter in Lohn und Brot.

Auch um deren Arbeitsplätze zu erhalten, fordert der Kreisstädter von der großen Politik, endlich zu den im Koalitionsvertrag getätigten Versprechen zu stehen. Hauptsächlich gehe es darum, den Internethandel von verschreibungspflichtigen Medikamenten zu untersagen, betont Michael Kranz. „Das ist kein Ding der Unmöglichkeit“, versichert der Pharmazeut schnell: „21 von 28 EU-Staaten haben ja schon vorgemacht, dass es geht.“ Nur in Deutschland würden wieder mal alle die Augen vor dem Problem verschließen, setzt er nachdenklich hinzu. Das sei fatal. „Denn 70 bis 80 Prozent unseres Umsatzes entfallen nun mal auf Rezepte“, rechnet der Inhaber der beiden „Grünen Apotheken“ vor. Spätestens wenn ab 2020 das elektronische Rezept zum Einsatz komme, würden noch mehr Patienten den Online-Handel nutzen, befürchtet er.

Whatsapp-Service auch in Prenzlau

„Was das für unsere Branche bedeutet, mag ich mir gar nicht ausmalen. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass dann weitere 7000 Apotheken schließen müssen. Diese Nachrichten will keiner hören. Doch wenn es zu spät ist, braucht sich niemand mehr beklagen“, betont der Unternehmer. Was das gerade für einen Flächenkreis wie die Uckermark bedeute, müsse er nicht erklären. Ihm ist wichtig, herauszustellen, dass es keineswegs darum gehe, veraltete, verkrustete Strukturen in die neue Zeit zu retten. „Wir Apotheker vor Ort gehen mit der Zeit“, versichert er und verweist beispielsweise auf den Whatsapp-Service. „Wer bis 13 Uhr bestellt, bekommt das Medikament noch am selben Tag geliefert.“ Überhaupt seien die meisten Arzneimittel innerhalb von drei bis vier Stunden vor Ort erhältlich. Es gäbe also gar keinen plausiblen Grund, warum man bei einer ausländischen Online-Apotheke bestellen müsse. Hier stehe auch der Kunde selbst in der Verantwortung.

Mit einer verordneten Gleichpreisigkeit in Versand- und Vor-Ort-Apotheken wäre den niedergelassenen Unternehmen ja schon geholfen, führt er weiter aus. Das würde den Online-Händlern beispielsweise verbieten, mit Gutscheinen für das nächste Rezept zu werben. „Meiner Meinung nach ist das auch eine moralische Sache“, setzt er nachdenklich hinzu.

Ausdünnung der Apotheken zu befürchten

Hoffnung macht ihm aktuell eine E-Petition, die ein Pharmazie-Student beim Bundestag gestartet hatte. Apotheker und ihre Teams, zumeist Frauen und insgesamt circa 150 000 Beschäftigte deutschlandweit warteten nun darauf, dass die Große Koalition diesen Punkt des Koalitionsvertrags aufgreife und mit der Umsetzung beginne. Tausende hochqualifizierte, familienfreundliche Arbeitsplätze vor Ort ständen auf dem Spiel – von den Existenzen der Inhaber nicht zu reden. Das Versorgungssystem, das seit Jahren gewachsen sei und sich bewährt habe, drohe weiter auszudünnen – zu Lasten der Patienten. Ein adäquater Ersatz durch so genannte Versandapotheken sei nur auf den ersten Blick eine Alternative und gewährleiste in keinem Fall eine gleichartige Versorgungsqualität mit persönlicher Hinwendung zum Patienten.

 

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