Willy Schröder heuerte auf der „Aida perla” an. Doch dann kam Corona.
Willy Schröder heuerte auf der „Aida perla” an. Doch dann kam Corona. privat
An so einem Arbeitsplatz kann es einem nur gut gehen. Leider durfte der Prenzlauer zuletzt nicht mehr von Bord.
An so einem Arbeitsplatz kann es einem nur gut gehen. Leider durfte der Prenzlauer zuletzt nicht mehr von Bord. Privat
Selbst die Seetage wurden Willy Schröder nicht lang, obwohl die Crew nicht mehr an Land durfte.
Selbst die Seetage wurden Willy Schröder nicht lang, obwohl die Crew nicht mehr an Land durfte. privat
Auch der Zuschnitt gehörte zur Arbeitsbeschreibung an Bord.
Auch der Zuschnitt gehörte zur Arbeitsbeschreibung an Bord. privat
So lässt es sich entspannen. Willy Schröder denkt gern an die Karibik-Ausflüge zurück.
So lässt es sich entspannen. Willy Schröder denkt gern an die Karibik-Ausflüge zurück. privat
Die Mutti hatte sich im fernen Schlepkow Sorgen gemacht. Umso größer war die Wiedersehensfreude.
Die Mutti hatte sich im fernen Schlepkow Sorgen gemacht. Umso größer war die Wiedersehensfreude. Privat
Deal

Prenzlauer muss Aida-Vorräte leer futtern

Willy Schröder hatte bei einem Kreuzfahrtriesen angeheuert. Doch dann stoppte Corona den Giganten in der Karibik, und 5000 Gäste gingen von Bord...
Prenzlau

Fünf Monate Karibik – davon träumen sicher viele Menschen. Schneeweiße Strände, tiefgrüne Wälder, freundliche Menschen und Sonne satt – Willy Schröder hat diesen Zauber dank Aida Cruises erlebt. Vom Reisefieber gepackt war der Uckermärker nach dem 10. Klasse-Abschluss und der anschließenden Ausbildung beim Lokalsender UM-TV in die große, weite Welt gezogen.

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Der Mediengestalter für Bild und Ton heuerte 2019 kurzentschlossen bei dem deutschen Kreuzfahrtunternehmen mit Sitz in Rostock an. Es lockte auf der gigantischen „Aida perla“ eine Stelle in dem Job, in welchem er kurz zuvor beim Deutschen Regionalfernsehpreis in der Kategorie „Regio Star“ ausgezeichnet worden war.

Tolles Gesellenstück

Die Jury honorierte damit damals seinen Drei-Minuten-Film, der die Entstehung eines Tisches zum Inhalt hatte. „Das hört sich vielleicht nicht so spektakulär an“, räumt der heute 21-Jährige lachend ein: „Aber letztlich war das wohl eine ganz vernünftige Arbeit, die ich da abgeliefert hatte.“ Als Protagonist des Videos hielt sein Vater her, der seine Brötchen als Schmied und Metallbauer verdient. „Ich habe ihn mit der Kamera begleitet, als er ein ganz besonderes Möbelstück erschuf.“ Als sein Gesellenstück prämiert wurde, schaukelte der Filmprofi bereits auf neun Meter hohen Wellen im Meer.

Seekrank geworden sei er in all den Monaten nicht, resümiert Willy Schröder zufrieden: „Anfangs war da vielleicht ein leichtes Schwindelgefühl“, versucht er sich zu erinnern: „Aber ich musste mich nie übergeben oder so. Da waren andere schlimmer dran.“

Bester Bettnachbar

Obwohl er selbst des nachts direkt am Wasserspiegel schlief, weil die oberen Decks mit Blick auf den Ozean den zahlenden Gästen vorbehalten waren und die Mannschaft demzufolge ganz unten nächtigte, hat Willy Schröder damit nie gehadert. Selbst die nur sechs Quadratmeter große Kabine, die er noch mit einem weiteren Crewmitglied zu teilen hatte, schreckte ihn nicht: „Man gewöhnt sich an diese Enge. Nach ein paar Tagen war es schon gar nicht mehr schlimm. Zumal ich sowieso den besten Bettnachbarn hatte, den man sich vorstellen konnte.“ Über ihm schlief nämlich ein deutscher Barkeeper, mit dem die Chemie bis zum Ende stimmte.

„Wir haben uns durch das zeitversetzte Arbeiten ja selten gesehen. Er ging ins Bett, wenn mein Wecker fast schon wieder klingelte, weil die Ausflüge riefen.“ Deren Dokumentation gehörte zu den Hauptaufgaben des Uckermärkers. Dafür hieß es früh aufstehen. Mit der Kamera im Anschlag begleitete Willy Schröder die Reisenden zu den schönsten Flecken der Karibik. In einer 14-tägigen Dauerschleife fuhr er mit ihnen die faszinierendsten Orte der Karibik an. „Das ist schon eine schöne Ecke da unten“, sagt er bis heute mit Bestimmtheit: „Was ich dort erlebt habe, kann mir niemand mehr nehmen.“ Begeistert denkt er beispielsweise ans Canyoning zurück: „Mit der GoPro am Kopf bin ich viele Meter tief von Klippen ins Meer gesprungen, um im Video festzuhalten, was die Gäste in diesem Moment sehen. Das war schon geil.“

Schmerzgebeugt und breitbeinig

Auch die Pferdetouren wird der Kameramann nicht mehr vergessen. „Wenn man abends am Büfett stand, konnte man genau sehen, wer daran teilgenommen hatte. Das waren die, die schmerzgebeugt und breitbeinig liefen“, verrät er mit Lachtränen in den Augen. Sein Lieblingsplätzchen sei die kleine Insel Dominica gewesen, setzt er träumerisch hinzu. So eine Idylle suche ihresgleichen, ist er überzeugt. Aber selbst wenn man in der ganzen Zeit keinen Fuß an Land gesetzt hätte, wäre einem nie langweilig geworden, vermutet der junge Mann: „Das Schiff ist so riesig, dass man sich dort verlaufen konnte. An jeder Ecke warteten Attraktionen wie Schwimmbäder, Wellnesseinrichtungen, Lokale und vieles mehr.“

Dass Willy Schröder die „Aida perla“ bis ins kleinste Winkelchen kennengelernt hat, ist Corona zuzuschreiben. Denn die Pandemie erreichte den Kreuzfahrt-Giganten, als dieser noch in der Karibik war. „Plötzlich hieß es dann, dass die Gäste zu ihrer eigenen Sicherheit alle das Schiff verlassen würden. Mit einem Mal waren 5000 Personen weg. An Bord blieben noch rund 1000 Mitarbeiter. Wir hatten den Auftrag, die Vorräte leer zu essen, denn an den Häfen nahm uns die keiner mehr ab.“

Kein Lagerkoller

Mehrere Wochen lang blieb Willy Schröder auf seinem „Dampfer“: „Wir hatten die Häfen im Blick, aber runtergehen durften wir nicht.“ Er selbst habe diese Zeit als gar nicht so belastend empfunden, versichert der aktuell wieder bei UM-TV beschäftigte Kameramann: „Lagerkoller bekamen wir jedenfalls nicht. Es ging uns doch gut, es fehlte an absolut nichts. Im Gegenteil, das war eine ganz entspannte Zeit, in der uns die ‚Aida perla‘ mit all ihren Annehmlichkeiten zur Verfügung stand. Aber meine Eltern sind zu Hause Achten gelaufen. Vor allem meine Mutti hat sich sehr gesorgt. Sie wusste ja nie richtig, ob das stimmt, dass es mir gut geht.“

Er wusste um diese großen Ängste, deshalb sagte Willy Schröder auch nicht Bescheid, als es endlich nach Hause ging und ein Platz für ihn im Flieger reserviert war. Das war im Mai 2021, als in Deutschland wegen Corona schon alles stillgestanden hatte.

Die Liebsten überrascht

„Nicht mal meine Freundin hatte ich eingeweiht, als es gen Heimat ging. Ich bin nach der Landung aber direkt zu ihr gefahren. Gemeinsam haben wir dann meine Mutti überrascht.“ Die Wiedersehensfreude sei unbeschreiblich gewesen, räumt Willy Schröder glücklich ein. Die Trennung von seinen Liebsten war es letztlich auch, die einen Entschluss bei ihm reifen ließ: „Keine Frage, ich würde so etwas gern mal wieder machen. Das Unternehmen hat auch schon angefragt, ob ich nochmal zur Verfügung stehe. Im Prinzip ist die Antwort ja. Aber zum einen habe ich jetzt einen festen Job mit Verpflichtungen, zum anderen möchte ich meine Freundin, mit der ich jetzt in Prenzlau zusammenlebe, nie wieder so lange allein lassen.“ Deshalb würde es letztlich maximal auf eine zweimonatige Verpflichtung hinauslaufen. „Wer weiß, vielleicht sage ich ja, wenn sich die Corona-Lage wieder normalisiert hat in der Welt.“ Bis dahin richtet er seine Kamera auf interessante Objekte direkt vor seiner Haustür. Der letzte Dreh war beim Martin-Luther-Denkmal, das ein neues Schild bekommen hat. „Auch schön.“

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