BEDROHUNG

Prenzlauer Mutter zeigt drei Tschetschenen an

Die Polizei äußert sich zum Fall eines 14-Jährigen, der sich von Flüchtlingen terrorisiert fühlt. Die Behörde warnt vor Pauschalisierungen.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Plattenbausiedlungen sind besser als ihr Ruf, sagen viele Menschen, die dort leben. Dass bei einer großen Ballung von Me
Plattenbausiedlungen sind besser als ihr Ruf, sagen viele Menschen, die dort leben. Dass bei einer großen Ballung von Menschen Probleme nicht ausbleiben, steht auf einem anderen Blatt. Konstantin Kraft
Prenzlau.

Der Bericht des Uckermark Kurier über den Konflikt mit tschetschenischen Jugendlichen in Prenzlau hat für Aufsehen gesorgt. Vor allem in den sozialen Netzwerken wird der Vorfall vom vergangenen Sonnabend seit Tagen ausgiebig diskutiert. Ursache dafür sind vermutlich die anhaltenden Unmutsbekundungen von Lotti Jachtner. Die Vierfach-Mutter hatte bereits im ersten Interview beklagt, dass die Polizei der Bedrohungslage nicht genug Augenmerk schenke.

Mutter fürchtet um ihren Sohn

„Ich hatte und habe große Angst um meinen 14-jährigen Sohn“, bekräftigte die Kreisstädterin. Ihr Siebentklässler Florian sei nicht erst seit Kurzem im Visier der Tschetschenen – so ihre Darstellung: „Die Probleme begannen bereits, als diese Asylbewerber noch in Boitzenburg lebten. Das werden die dortigen Anwohner bestätigen.“ Von den konkreten Bedrohungen, so Polizeihauptkommissar Stefan Hahlweg, habe man aber erst im Rahmen der Anzeigenerstattung am vergangenen Wochenende erfahren.

Der leitende Beamte der Inspektion Uckermark versicherte, dass dem Jungen und seiner Familie jetzt alle erdenkliche Unterstützung zukommen werde. „Wir haben nach der Strafanzeige die Ermittlungen wegen Bedrohung gegen die tschetschenischen Jugendlichen aufgenommen“, versicherte Hahlweg auf Nachfrage. Die Polizei nehme den Hilfeschrei der betroffenen Familie sehr ernst und werde alles daran setzen, die Angelegenheit gemeinsam mit Eltern, Schule und Verein so zu klären, „dass alle miteinander vernünftig weiterleben können.“

Es gibt keine Banden von Flüchtlingen hier

Der Polizeihauptkommissar ist überzeugt, dass das gelingen kann. Gefragt, ob es in Prenzlau und speziell am Georg-Dreke-Ring ein „Tschetschenen-Problem“ gebe, verneinte der Dienstgruppenleiter vehement. Man dürfe diese Personengruppe keineswegs unter Generalverdacht stellen, nur weil es mit einigen Vertretern Konflikte gebe. „Schwarze Schafe hat man überall. Und eins kann ich unterschreiben: Wir haben hier keine Verhältnisse wie in Görlitz, Bautzen oder Dresden.“

Selbst in der Plattenbausiedlung sei es verhältnismäßig ruhig, obwohl sich dort aufgrund der Vielzahl von Menschen Konflikte ja ballten. „Es gibt aber keineswegs Banden von jungen Flüchtlingen, die durch den Georg-Dreke-Ring ziehen, Straftaten begehen und Menschen bedrohen“, stellte er nochmals klar. Wenn das so wäre, würde die Polizei das auch zugeben und natürlich entsprechende Maßnahmen ergreifen, setzte Hahlweg hinzu.

Mehr Streifenwagen unterwegs

Dass aktuell mehr Streifenwagen als sonst in dem Gebiet unterwegs seien, habe seiner Meinung nach vor allem mit den sommerlichen Temperaturen zu tun. „Da verlagert sich viel Leben nach draußen. Vor allem am Igelpfuhl sitzen die jungen Leute auch noch spät abends. Da geht es dann schon mal lauter zu. Und da gibt es auch Auseinandersetzungen. Das liegt wohl in der Natur der Sache.“ Das aber allein den Flüchtlingen anzulasten, wäre falsch.

Am Beispiel des Vorfalls vom Sonnabend, als sich Florian Jachtner von den Tschetschenen gejagt fühlte, führte Stefan Hahlweg Folgendes an: „Nur zwei Stunden später wurden die Kollegen wieder an den Georg-Dreke-Ring gerufen. In diesem Fall war der Streit einer deutschen Familie aus dem Ruder gelaufen. Derlei Konflikte sind also nicht an Hautfarbe oder ähnliches gebunden.“

Polizei weist Gerüchte aus dem Netz zurück

Einige Prenzlauer sehen das offenbar anders. Auf diversen Internetseiten wurde und wird der Vorwurf laut, dass die Polizei einen Maulkorb verordnet bekommen hat und über das wirkliche Ausmaß der Ausländerkriminalität nicht berichten darf. Das weist Stefan Hahlweg weit von sich.

Die Mutter des 14-Jährigen weiß, dass nicht alle ihren Jungen als Opfer sehen. Teilweise werde ihm sogar eine Mitschuld unterstellt, weil er einen Bart trage, der an den von Hitler erinnert, und einen Kapuzenpulli, der auf die frühere Neonazi-Band „Landser" hinweist. Dazu sagt Lotti Jachtner auf Nachfrage, dass der Bart genau in dieser Form immer wieder wachse, gestutzt worden sei er nicht. In die fremdenfeindliche Ecke stellen lassen will sie ihre Familie nicht. „Keine Frage: Wir haben eine Meinung, was kriminelle Flüchtlinge anbelangt. Wer sich hier nicht benehmen kann, sollte abgeschoben werden", betont die Prenzlauerin. Darüber hinaus pflegten sie aber freundschaftliche Verhältnisse zu Ausländern. „Ich bin in einem türkischen Imbiss angestellt, habe zum Personal auch persönlich in der Freizeit Kontakt. Für meine Kinder gilt dasselbe."

Probleme mit Tschetschenen auch an anderen Orten

Probleme mit Tschetschenen sind allerdings nicht neu: Die Kriminalpolizei hatte im Mai 2019 nach über einem Jahr die mutmaßlichen Täter einer schweren Straftat am Brandenburger Hauptbahnhof festnehmen. Damals wurden zwei 14- und 15-jährige Schüler angegriffen, der ältere durch einen Tritt an den Kopf schwer verletzt. Verdächtigt wird eine tschetschenische Jugendbande, darunter auch ein 19-Jähriger, der in der Flüchtlingsunterkunft Prenzlau gewohnt hat. Ein Richter erließ dann einen Haftbefehl gegen den Prenzlauer Beschuldigten sowie einen weiteren 19-jährigen Tschetschenen.

StadtLandKlassik - Konzert in Prenzlau

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