LEBENSWENDE

Prenzlauer opfert Ingenieursjob für einen Traum

Dem Leben eine neue Richtung geben – wer träumt nicht ab und an davon? Daniel Samuel hat sich getraut und seine Festanstellung gekündigt.
In „Fantis Spielwelt“ hat Daniel Samuel seine Berufung gefunden. Er bereut seine Entscheidung, sich mit einem Spielwarenge
In „Fantis Spielwelt“ hat Daniel Samuel seine Berufung gefunden. Er bereut seine Entscheidung, sich mit einem Spielwarengeschäft selbstständig zu machen, nicht. Claudia Marsal
Prenzlau.

Daniel Samuel hatte lange Zeit einen Job, um den ihn viele beneideten. Der Diplomingenieur war bei einem großen Versorgungsbetrieb angestellt. Die Arbeit war reizvoll und forderte ihn auch, wie der 34-Jährige rückblickend sagt. Aber immer öfter stellte sich der Familienvater die Frage, ob es das aus beruflicher Sicht schon gewesen sein sollte. 2018 war der Prenzlauer dann ganz ehrlich zu sich selbst und sagte: Nein – mit allen Konsequenzen.

Daniel Samuel verließ das sichere Anstellungsverhältnis mit dem regelmäßig eingehenden Gehalt und ließ sich auf das Wagnis Selbstständigkeit ein. Nicht etwa in einer branchenähnlichen Sparte. Nein, der Kreisstädter schlug mit einem Spielzeugladen einen komplett anderen Weg ein. Allerdings nicht, ohne sich zuvor mit seiner Frau abgestimmt zu haben. „So eine Entscheidung kann man nicht allein treffen. Das geht nur, wenn die ganze Familie dahinter steht.“

Finanzieller Spielraum kleiner

Den Samuels war von vornherein klar, dass mit der Selbstständigkeit der finanzielle Spielraum kleiner wird. Ein knappes Jahr nach der Eröffnung des Geschäfts am Prenzlauer Turmcarré muss der Unternehmer noch immer sehr rechnen. „Miete, Nebenkosten und zwei Angestelltengehälter – erst wenn das beglichen ist, kann ich mir selbst etwas auszahlen“, sagt der Vater einer dreijährigen Tochter und eines acht Monate alten Sohnes. Gefragt, warum die Wahl gerade auf ein Spielwarengeschäft gefallen ist, sagt Daniel Samuel, dass er selbst in der Kindheit immer gern gespielt habe. Und mit dem eigenen Nachwuchs sei dieses Thema wieder ganz aktuell geworden. „Da fiel nämlich auf, dass wir hier in Prenzlau gar kein Fachgeschäft dafür mehr haben.“ Also stieß er in diese Marktlücke vor. Die Kundenentwicklung der letzten Monate gibt ihm Recht. Der Ladenbesitzer freut sich über steigende Umsätze, die vermutlich auch auf seine unkonventionellen Ideen zurückzuführen sind. Daniel Samuel hat nämlich eine Idee übernommen, die in den Altbundesländern schon seit Jahren fruchtet.

Geburtstagskörbe sind der Hit

Er bietet die Zusammenstellung von Geburtstagskörben an. Die Kinder können circa drei Wochen vor ihrem großen Tag in „Fantis Spielwelt“ kommen und sich ihre Wunschspielzeuge aussuchen. Die wandern dann in einen großen Korb. Und die Gäste der Party bekommen mit der Einladung den Hinweis, wo sie zum Traumerfüller werden können. Hintergrund ist das Phänomen, dass der Nachwuchs immer eigener wird, was Geschenke anbelangt. „So kann man vermeiden, dass Unnützes gekauft wird und in der Ecke landet, von der Enttäuschung des Beschenkten ganz zu schweigen“, erklärt Samuel. Und weil das bei den Geburtstagskörben so gut angelaufen ist, gibt es das aktuell zur Einschulung. Die ersten vorgepackten Zuckertüten stehen schon hinterm Tresen. Für weitere sind noch genug Spiele, Schreibwaren und Schulutensilien im Laden vorhanden. Das neueste Standbein des großen Fachgeschäftes ist ein Spieleverleih. Es richtet sich vornehmlich an kleinere Mädchen und Jungen, die mit Lernspielzeug ausgestattet werden sollen. „Aus Erfahrung weiß ich, dass manches nur zwei, drei Monate benutzt wird. Dann liegt es meistens unbeachtet in der Ecke.“ Hier setzt der Unternehmer ressourcenschonend ein und bietet Alternativen an.

Kontakt: 03984 8335200

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