TEURE AFFÄRE

Prenzlauerin bringt Liebesschuft vor Gericht

Über 9000 Euro hat Petra K. in eine verhängnisvolle Affäre investiert. Noch heute könnte sie sich dafür ohrfeigen. Denn die Sache nahm ein böses Ende.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Die Anwalts- und Gerichtsschreiben füllen einen ganzen Ordner. Genützt hat der Gang vor den Kadi nichts. Sie wird vo
Die Anwalts- und Gerichtsschreiben füllen einen ganzen Ordner. Genützt hat der Gang vor den Kadi nichts. Sie wird von dem Geld nichts wiedersehen. Claudia Marsal
Über zwei Jahre nach der Anzeige kam es zum Prozess. Doch die Hoffnung von Petra K., dass es zu einer Verurteilung kommt,
Über zwei Jahre nach der Anzeige kam es zum Prozess. Doch die Hoffnung von Petra K., dass es zu einer Verurteilung kommt, erfüllte sich nicht. Weil sie sich ebenso wie die anderen Frauen die Geldübergaben nicht hatte quittieren lassen, verließ der Beschuldigte das Gericht aus freier Mann. Claudia Marsal
Prenzlau.

An das erste Treffen erinnert sich Petra K. (Name geändert) noch wie gestern: „Ich bin nach einer langen Bahnfahrt nachts aus dem Zug gestiegen und wollte mich zu meinem Auto bringen lassen. Das stand noch bei Angermünde.“ Während der Taxifahrt kam die heute 60-Jährige mit dem Chauffeur ins Gespräch. Die beiden plauderten über Gott und die Welt, verstanden sich gut, so verging die Zeit. „Und plötzlich bot er mir an, mich gleich ganz nach Hause zu fahren. Natürlich ohne Zusatzkosten. Er sagte, dass es doch so glatt draußen sei und ich meinen Wagen ja am nächsten Tag holen könnte“, reflektiert die Prenzlauerin verlegen den verhängnisvollen Januarabend 2016.

Noch heute könnte sie sich dafür ohrfeigen, dass sie damals zugestimmt habe. Aber so nahm das Drama seinen Lauf. Obwohl ihr das Bauchgefühl sofort signalisierte, die Finger von diesem Mann zu lassen, ließ sich die dreifache Mutter auf eine Affäre ein. Seit mehr als 20 Jahren verwitwet sah die Uckermärkerin die Chance auf ein neues Liebesglück gekommen. „Er war am Anfang so nett und zuvorkommend“, blickt sie zurück. Aber schon schnell sei aus der Aufmerksamkeit Bedrängen geworden, das gesteht sie sich drei Jahre später ehrlich ein: „Damals war das noch schmeichelhaft.“

Knapp bei Kasse

Ihre um ein Vielfaches jüngere Bekanntschaft fing nach circa drei Wochen schon an, von einer gemeinsamen Zukunft zu sprechen. „Ungefähr zu diesem Zeitpunkt fragte er dann auch erstmals nach Geld“, erzählt Petra K. betroffen. Zunächst seien es 300 Euro gewesen, die sie ihm lieh, „weil er irgendwie knapp bei Kasse war“, erinnert sich das Betrugsopfer zurück. „Diesen Empfang hat er mir sogar noch quittiert.“ Doch schon bald wurden die Forderungen vermessener. Einmal erzählte er ihr, dass er wegen einer alten Strafsache noch Staatsschulden hat. „Und wenn er die nicht begleicht, dann muss er ins Gefängnis. Das wollte ich natürlich nicht.“

Weil sie selbst nicht vermögend war, ging Petra K. daraufhin zur Bank und lieh sich 7000 Euro. „Ich bin dafür in die Nähe von Berlin gefahren, weil das hier niemand erfahren sollte.“ Von dieser Summe steckte sie ihm als erste Rate 5000 Euro zu. „Er versprach natürlich, mir das schnell zurückzuzahlen. Ich weiß nicht, warum ich ihm geglaubt habe, aber ich war in dieser Zeit wie blind. Mit mir war einfach nicht zu reden.“ Auch den Rest der Kreditsumme lockte er ihr dann noch ab.

Notbremse gezogen

Letztlich beliefen sich seine Schulden bei ihr auf über 9000 Euro. „Doch noch immer zog ich nicht die Notbremse, sondern glaubte seinen schönen Versprechungen“, bedauert Petra K. und setzt kopfschüttelnd hinzu: „Wie oft hat er mich angerufen und gesagt, dass ich mir den nächsten Tag frei nehmen soll, damit wir etwas Tolles zusammen unternehmen können. Nie ist etwas daraus geworden. Nie. Wenn es so weit war, ging er nicht ans Handy oder ließ sich verleugnen. Blind war ich. Vollkommen blind und ahnungslos.“

Ihren drei Söhnen habe sie von diesem Schlamassel nichts erzählt: „Die hätten mich doch für verrückt erklärt.“ Nur eine Freundin wusste Bescheid, und die riet frühzeitig, endlich einen Schlussstrich zu ziehen. Doch es sollte fast zwölf Monate dauern, bis sich Petra K. eingestand, dass sie einem Schwindler aufgesessen war. „In einer hellen Minute bin ich dann abends noch aufs Polizeirevier gefahren und habe Anzeige erstattet.“ Fast zwei Jahre danach fand jetzt in Prenzlau die Verhandlung statt.

Andere belogen

„Dabei stellte sich heraus, dass er noch einige andere Frauen betrogen hatte“, erzählt die Kreisstädterin: „Von einer bekam er wohl sogar ein Auto geschenkt.“ Doch wer jetzt vermutet, dass der Liebesschuft hinter Gitter muss, hat weit gefehlt. „Er verließ das Gericht als freier Mann, weil ihm nichts zweifelsfrei nachzuweisen war“, berichtet Petra K. empört. Nicht nur sie sei so dumm gewesen, sich nichts quittieren zu lassen. „Auch die anderen Damen hatten das Nachsehen.“

An die Öffentlichkeit gegangen ist die bei einem großen Konzern beschäftigte Angestellte, weil sie anderen Frauen solches Leid ersparen will. „Man liest ja immer wieder, dass sie auf Betrüger aus dem Internet reinfallen. Aber dass der Betrug auch quasi vor der Haustür lauert, damit rechnet doch niemand.“

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