PSYCHOTERROR IM JOB

Prenzlauerin vom Chef wie Dreck behandelt

Psychoterror auf Arbeit – Dominique Krause hat Erfahrung damit. Doch sie ließ sich das nicht gefallen. Was die 28-Jährige anderen Betroffenen rät...
Claudia Marsal Claudia Marsal
Dominique Krause (vorn) hat mit Familienpatin Silvia Prade auch eine verständnisvolle Gesprächspartnerin gefunden.
Dominique Krause (vorn) hat mit Familienpatin Silvia Prade auch eine verständnisvolle Gesprächspartnerin gefunden. Claudia Marsal
Prenzlau.

Dominique Krause geht gern zur Arbeit. Das war nicht immer so. Die 28-Jährige kann sich noch gut an Jobs erinnern, wo sie schon morgens Bauchschmerzen hatte. „Ich blieb trotzdem, weil ich das Geld brauchte“, gesteht sie nachdenklich ein. Rückblickend weiß die Kreisstädterin, dass sie sich viel zu lange schlecht behandeln ließ. In einem Betrieb sei es besonders krass gewesen, berichtet die Uckermärkerin: „Da wurden wir Kollegen vom Vorgesetzten als ‚Neger‘ beschimpft.“

Warum mit ihnen so umgegangen wurde, weiß die junge Frau bis heute nicht. „Sicher macht man als Neuling mal Fehler oder stellt sich ungeschickt an. Aber gibt das anderen Menschen das Recht, einen wie Dreck zu behandeln, nur weil sie in der Position über einem stehen?“ Als der Leidensdruck zu groß wurde, sah sich die Kreisstädterin damals nach etwas anderem um. Bis heute kann sie sich an den Moment erinnern, als sie die Kündigung auf den Tisch legte.

Alltag umgekrempelt

„Danach konnte ich endlich wieder atmen.“ Dieser Abgang hätte nicht sein müssen, ist die Prenzlauerin überzeugt: „Mal ein Danke oder eine nette Geste, mehr verlangt man doch nicht.“ Dann sei man als Arbeitnehmer auch gewillt, sich loyal für den Betrieb einzusetzen. Für den aktuellen Job hat die Mama des zweijährigen Marlon ihren Alltag komplett umgekrempelt.

Als alleinerziehende Mutter musste sie die Betreuung des Sohnes neu lösen. Dank der 24-Stunden-Kita, der Unterstützung einer Familienpatin sowie der Großeltern hat sie eine Lösung gefunden. Nie wieder Mobbing, so viel steht fest. Mit ihrem Gang an die Öffentlichkeit möchte sie erreichen, dass mehr Menschen bei schlechter Behandlung einen Schlussstrich ziehen.

Innerlich schon gekündigt

Statistiken besagen, dass bereits jeder fünfte Arbeitnehmer innerlich schon gekündigt hat. Mobbing ist einer der Gründe dafür. Eine repräsentative Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung sieht die Ursachen für den zunehmenden Psychoterror im Personalabbau, verschärftem Konkurrenz- und Leistungsdruck sowie der Angst um den Job. Mobbing sei, so der Grundtenor des Reports im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsmedizin, besonders in den Unternehmen verbreitet, die der Personalpflege sowie dem Betriebsklima wenig Beachtung schenken und unzureichende Arbeitsbedingungen bieten. Zu einer erfolgreichen Mobbing-Prävention gehören nach Ansicht der Experten gute Arbeitsorganisation und betriebliche Informationspolitik sowie ein akzeptabler Führungsstil.

Weitere Faktoren sind Aufklärung, ein freundliches Betriebsklima, ein produktiver Umgang mit Konflikten, ein Beschwerdesystem und Sanktionen für Mobber. Letzteres ist am schwierigsten, denn wenn der Betrieb für Beschäftigte zur Hölle wird, können Kollegen die Täter sein, aber eben auch überdurchschnittlich oft Vorgesetzte, wie Dominique Krause weiß.

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