Rüdiger Ernst gibt die Hoffnung nicht auf, dass seine Brigitte wieder auf die Beine kommt. Erste positive Anzeichen sieht
Rüdiger Ernst gibt die Hoffnung nicht auf, dass seine Brigitte wieder auf die Beine kommt. Erste positive Anzeichen sieht er schon. Claudia Marsal
Eine kleine Stange ist schon im Wohnungsflur.
Eine kleine Stange ist schon im Wohnungsflur. Claudia Marsal
Hier würde Rüdiger Ernst gern einen Handlauf montieren lassen.
Hier würde Rüdiger Ernst gern einen Handlauf montieren lassen. Claudia Marsal
Schicksal

Prenzlauerin spricht vier Jahre nach dem Schlaganfall wieder

2016 wurde Brigitte Ernst aus Prenzlau jäh aus ihrem aktiven Leben gerissen. Doch ihr Mann gab die Hoffnung nie auf. Zum Glück, denn sie macht Fortschritte.
Prenzlau

Als Rüdiger Ernst seine Frau zum ersten Mal sah, lag er mit gebrochener Kniescheibe im Patientenbett und sie versah in der Klinik ihren Dienst als Krankenschwester. Der daraufhin blitzschnell entflammten Liebe folgte eine bereits 50 Jahre währende Ehe, die stets von tiefer Verbundenheit geprägt war, wie der 72-Jährige sagt: „Brigitte hat mir all die Jahre den Rücken frei gehalten und sich aufopferungsvoll um unsere Familie und vor allem die drei Kinder gekümmert.” Er selbst sei mit Leib und Seele Reisebusfahrer gewesen und habe sich nie sorgen müssen, dass daheim etwas nicht in Ordnung war. „Auf meine Frau war immer Verlass, sie hat alles gemanagt.”

Fünf Jahrzehnte später haben sich die Rollen verkehrt. Nach einem Schlaganfall vor vier Jahren ist die 71-Jährige vollständig auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Sie hat Pflegegrad IV und ein dementsprechend dichtes Betreuungsgeflecht. Das Gros der Arbeiten aber übernimmt ihr Mann. „Ich revanchiere mich jetzt für all das, was sie früher für mich getan hat”, sagt der Prenzlauer ganz pragmatisch.

Dank an Helfer

Er möchte damit nicht die Leistungen der anderen schmälern, setzt Rüdiger Ernst schnell hinzu: „Sie bekommt zweimal die Woche Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Da sind richtige Experten am Werk. Und morgens kümmert sich der Pflegedienst der Volkssolidarität.” Unbedingt erwähnen will er auch das Delphin-Sanitätshaus.

„Aber zwischendurch mache ich alles, was ein guter Krankenpfleger tun muss”, setzt der Rentner selbstbewusst hinzu. Dementsprechend stolz ist der Kreisstädter über die Fortschritte, die seine Frau jetzt macht: „Es heißt ja immer, dass die Fähigkeiten, die zwei Jahre nach dem Schlaganfall nicht wieder da sind, nie wieder kommen. Doch das stimmt nicht.”

Seine Brigitte trete gerade den Gegenbeweis an. 48 Monate nach dem furchtbaren Geschehen in ihrem Kopf habe sie plötzlich wieder zu sprechen begonnen.

Die ersten Worte

Noch sind es nur ein paar Worte. Aber ihr Mann ist zuversichtlich, dass das ausbaufähig ist. „Das wird schon”, sagt er leise und streicht ihr zärtlich übers Haar. „Auch das mit dem Laufen bekommen wir noch hin.” Erste Schritte an der Stange neben der Wohnstube hat die Patientin bereits gemacht. Deshalb würde Rüdiger Ernst jetzt gern mehr mit ihr trainieren.

Zu diesem Zweck hat er bereits bei Metallbauer Weigt ein Angebot für einen drei Meter langen Handlauf eingeholt, den er vor seiner Wohnungstür im Hausflur montieren lassen möchte. „Dort behindert er niemanden, denn rechts und links davon ist nur leere Wand”, erklärt er beim Vor-Ort-Termin mit dem Uckermark Kurier. „Noch bedarf es aber der Genehmigung des Vermieters, dass ich das Hilfsmittel dort anbringen lassen kandarf.” Er sei aber zuversichtlich, dass das Okay dafür kommt und sagt deshalb selbstbewusst: „Das nächste Mal hole ich die Presse, wenn meine Brigitte den Flur entlang spaziert.” Wir drücken schon mal die Daumen.

 

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