Klaus Winsel, Kurt Vahle und Jürgen Stier (von links) rufen zur Sammlung auf.
Klaus Winsel, Kurt Vahle und Jürgen Stier (von links) rufen zur Sammlung auf. Claudia Marsal
St. Sabinen ist die älteste Kirche der Stadt. Sie braucht Hilfe.
St. Sabinen ist die älteste Kirche der Stadt. Sie braucht Hilfe. Claudia Marsal
Nacht der offenen Kirchen

Prenzlaus ältester Kirche droht die Zerstörung

Das Dach von St. Sabinen ist seit Ewigkeiten defekt. Es hat schon wiederholt reingeregnet, beklagt der Förderverein. Den Verfall will man stoppen.
Prenzlau

Den Firmen der Stadt flattern dieser Tage Bittbriefe ins Haus. Sie werden darin vom Förderverein Sabinenkirche Prenzlau e.V. gebeten, das nächste Sanierungsprojekt in dem denkmalgeschützten Gotteshaus am Unteruckersee zu unterstützen. „Die Lage ist ernst”, verdeutlicht Vorstandschef Jürgen Stier im Gespräch mit dem Uckermark Kurier: „Der ältesten Kirche der Stadt droht die Zerstörung. Nach 950 Jahren Existenz ist sie ernsthaft in Gefahr. Die Evangelische Kirchengemeinde Prenzlau ist leider mit St. Marien und St. Jacobi voll ausgelastet und kann nur noch bausichernde Maßnahmen an St. Sabinen durchführen. Das reicht aber nicht aus, denn nach jedem Starkregen dringt durch das marode Fachwerk Wasser ein und droht das Inventar zu zerstören. Das Dach ist seit Jahren defekt. Es hat schon wiederholt reingeregnet, unter anderem an den Pfeilern der Empore, wo die Orgel steht.”

Projekt angeschoben

Um den fortschreitenden Verfall zu stoppen, habe der 2013 gegründete Förderverein ein Bauprojekt zur Sanierung des Turmes angeschoben und mit mehreren zehntausend Euro finanziert, setzt Vorstandsmitglied Kurt Vahle hinzu. „Seit Januar 2020 liegt nun auch die Baugenehmigung der Kreisverwaltung vor”, freut sich sein Mitstreiter Klaus Winsel.

+++ Ex-Kantor kämpft für seine Kirche +++

Aber das Vorhaben koste mittlerweile 350.000 Euro und müsse wegen der Fördermittel in den nächsten drei Jahren begonnen werden, verdeutlichen die drei Ehrenamtler. Ohne diese staatlichen Zuschüsse wäre die Sanierung aber nicht möglich. „Und wir brauchen trotzdem noch mindestens 50 Prozent Eigenmittel, sprich 175.000 Euro, damit es losgehen kann”, ergänzt Klaus Winsel. Die Prenzlauer Bürger hätten schon wiederholt bewiesen, dass sie aus eigener Kraft die Kirche retten könnten, stellt Jürgen Stier mit Blick in die Geschichte heraus. Der 1597 eingeweihte Altar beispielsweise sei von Handwerkern der Stadt geschaffen worden.

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„Und als die Kirche bei einem großen Hochwasser bis auf den Ostgiebel aus dem 11. Jahrhundert zerstört wurde, brachten die Einwohner abermals die Mittel für den Neuaufbau auf”, so Vahle: „Pfarrer Johann Gottfried Kanzow und die Prenzlauer Bauern, Fischer und Handwerker kämpften 16 Jahre lang gegen Bürokratie und Vorurteile, bis endlich ab 1815 die Kirche im Barockstil wieder aufgebaut werden konnte. Dabei haben die Handwerksbetriebe und die Mitglieder der Gemeinde fast alles in Eigenleistungen erbracht. „So wie unsere Verfahren 1817 die Kirche schufen, ist sie noch heute erhalten. Glocken aus dem Geläut des Klosters von 1482, der prächtige Altar von 1597, der Taufstein von 1725 und das Gestühl von 1817 prägen das Bild bis heute”, führt Klaus Winsel aus.

Am 18. Juni geöffnet

„Deshalb kam uns die Idee, 2022 die Gewerbetreibenden anzuschreiben und um ihre Unterstützung zu bitten. Es darf natürlich auch jeder spenden, der keinen Brief von uns bekommen hat”, bekräftigt Vahle. Die letzten größeren Arbeiten seien noch vor der Wende gelaufen, als Ende der 1970er Jahre der Altar aus Mitteln der DDR-Denkmalpflege restauriert wurde, so die Aktiven. Der Verein bedauert das Schattendasein, das St. Sabinen seitdem führt, „denn wir sind überzeugt, dass die Kirche nach wie vor sehr beliebt bei den Prenzlauern ist.” Hier könne man beispielsweise die Jubelhochzeiten gut feiern, sagt Kurt Vahle, dessen Diamantene hier im Mai über die Bühne ging. Stier und Winsel führte es zu ihren Goldenen Hochzeiten ebenfalls in das älteste Gotteshaus der Stadt zurück: „Wir würden dieses Gebäude gern für die nächsten Generationen erhalten und mit Leben erfüllen.” Am Sonnabend, dem 18. Juni, findet hier im Rahmen der Nacht der offenen Kirchen ab 22 Uhr eine Veranstaltung statt. Ein Künstler will seine selbstgebauten Instrumente vorstellen und zu Gehör bringen.

Ab 1. Juli wird die Sabinenkirche dann jeden Sonnabend von 10 bis 18 Uhr zugänglich sein, „damit sich jeder davon überzeugen kann, was für ein Kleinod das ist und wofür er gegebenenfalls sein Spendengeld ausgibt.”

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