Hendrik Sommer (parteilos), Bürgermeister der Stadt Prenzlau
Hendrik Sommer (parteilos), Bürgermeister der Stadt Prenzlau Nordkurier
Interview mit Hendrik Sommer

Prenzlaus Bürgermeister: Kompletter Verzichtsmodus nicht zielführend

Redaktionsleiter Heiko Schulze sprach mit Prenzlaus Bürgermeister Hendrik Sommer (parteilos) über Sinn und Unsinn von Energieeinsparmaßnahmen in Verantwortung der Stadt.
Prenzlau

Wurden bereits Sofortmaßnahmen vor dem Hintergrund der zu erwartenden Gas- bzw. Energieknappheit und der drastisch gestiegenen Energiepreise in Prenzlau und den dazugehörigen Ortsteilen getroffen?

Es mussten bislang keine Sofortmaßnahmen getroffen werden. Der Energieverbrauch ist in den Sommermonaten geringer – Heizkosten fallen quasi komplett weg –, sodass es keiner ad-hoc-Maßnahmen bedarf, die gegebenenfalls wenige Tage oder Wochen später wieder korrigiert werden müssen.

Kann die Verwaltung intern selbst Energiekosten sparen?

Die Stadt wird – wie bisher – in ungenutzten Räumen die Temperatur absenken auf Frostschutz beziehungsweise maximal zwölf Grad. Die Belegschaft wird aufgefordert, durch kurzes Stoßlüften Wärmeverluste zu vermeiden. Weiterhin kann eine Arbeitszeitverlagerung in Tageszeiten erfolgen, in denen es eine natürliche Raumbelichtung gibt. Außerdem ist mobiles Arbeiten – bei Beachtung von betrieblichen Abläufen – auch ein Faktor zur Energieeinsparung. Dies wird bereits praktiziert.

Eine Zusammenlegung von Büros ist nicht geplant, da die zur Verfügung stehenden Büros bereits ausgelastet sind. Außerdem sind die Anforderungen an die technischen Regeln für Arbeitsstätten durch den Arbeitgeber zu beachten.

Gibt es erste Überlegungen, auf „energieintensivere“ Attraktionen, beispielsweise Wasserfontäne im Unteruckersee und Anstrahlen der Marienkirche, temporär zu verzichten?

Grundsätzlich ja.

Lesen Sie auch: Energie-Einsparung ohne frierende Kinder und Bürger im Dunkeln

Wären diese Maßnahmen eher von symbolischem Charakter, oder bringen diese tatsächlich eine spürbare Verbrauchs- und Kostenreduzierung mit sich?

Die Beleuchtung von St. Marien kostet gut 1000 Euro pro Jahr. Die Fontäne im Unteruckersee kostet hingegen beim Betrieb in der warmen Jahreszeit (Wochenenden und zusätzlich täglich in der Ferienzeit) zwischen 8000 Euro bis 9000 Euro jährlich.

Dass mit entsprechenden Abschaltungen Energie gespart wird, ist Fakt. Fakt ist ebenfalls, dass sich auch viele kleine Maßnahmen der Energieeinsparung summieren. Dennoch ist zunächst eine Kostenanalyse notwendig, um dann zu entscheiden, welche Maßnahmen prioritär und auch wirklich sinnvoll sind. Aufgrund der Situation alles aus- und abzuschalten und in den kompletten Verzichtsmodus zu verfallen, halte ich nicht für richtig und auch nicht für zielführend.

Es gilt meiner Meinung nach, bei aller gebotenen Konsequenz hinsichtlich der Einsparung von Energie trotzdem darauf zu achten, dass wir nicht in einem absoluten Energiesparmodus landen. Und: Es gilt abzuwägen, zu vergleichen und überlegte Entscheidungen zu treffen. Das machen wir nicht erst jetzt.

Müssen sich die Prenzlauer auf weitere Maßnahmen, beispielsweise reduzierte Zeiten bei der Rad- und Gehwegbeleuchtung, einstellen?

Seit Jahren erfolgt hier bereits eine Abschaltung jeder zweiten Straßenlampe in bestimmten Bereichen, um Strom einzusparen. Die Geh- und Radwegbeleuchtung wird, solange diese Entscheidung allein die Stadt Prenzlau treffen kann, jedoch nicht gänzlich abgeschaltet. Hier spielen Gründe der Verkehrssicherungspflicht ebenso wie vor allem das Sicherheitsempfinden der Menschen eine große Rolle.

Werden die Stadtverordneten darüber mit entscheiden?

Selbstverständlich wird geprüft, inwieweit bei geplanten Maßnahmen die Mitwirkungspflicht der Stadtverordnetenversammlung gegeben ist. Ein Großteil der Maßnahmen ist Geschäft der laufenden Verwaltung, kann also im Rathaus entschieden und sofort umgesetzt werden.

Dennoch ist es selbstverständlich, dass wir die Stadtverordneten einbeziehen, uns mit ihnen austauschen und sie über geplante Maßnahmen informieren.

Derzeit wird geprüft, ob die Heizungs-Thermostate in den Fluren der Schulen, Kitas und den Rathausgebäuden fixiert werden können, sodass ein weiteres Aufdrehen dadurch nicht möglich ist.

Die Abschaltung der Beleuchtung von einzelnen Gebäuden wird derzeit geprüft.

Sehen Sie weitere sinnvolle Maßnahmen und – konträr dazu – Maßnahmen, die für Sie zu weit gehen würden beziehungsweise keinen Sinn machen?

Wir sind offen für Maßnahmen in jede Richtung, sofern deren Nutzen beziehungsweise die Sinnhaftigkeit gegeben ist. Auf der einen Seite gibt es sicherlich Einsparmöglichkeiten – auf der anderen Seite sehe ich, dass die Menschen in unserer Region selbstständig und nicht erst seit dieser aktuellen Krise sparsam mit Energie umzugehen wissen. Das hat meines Erachtens weniger mit Umweltbewusstsein zu tun, als vielmehr mit den vergleichsweise geringeren Einkommen hier.

 

zur Homepage