Umweltminister Axel Vogel und Landrätin Karina Dörk besichtigten das Ausmaß der Katastrophe. Zahlreiche Medien
Umweltminister Axel Vogel und Landrätin Karina Dörk besichtigten das Ausmaß der Katastrophe. Zahlreiche Medien erwarteten Antworten, wie es nun mit den toten Fischen weitergeht. Matthias Bruck
Umweltkatastrophe

Riesige Giftwelle rollt aufs Stettiner Haff zu

Der Landkreis will – unterstützt vom THW, der Feuerwehr und mehreren Fischereibetrieben – die toten Fische, die in der Oder treiben, einsammeln.
Schwedt

Zuerst trieben tote kleine und Weißfische auf der Oder, später starben auch die Raubfische. Die Giftwelle in der Oder hat die Uckermark vor anderthalb Tagen erreicht und weitgehend passiert. „Die Welle befindet sich wieder nördlich auf polnischem Territorium“, informierte am Freitag der stellvertretende Nationalpark-Chef Michael Tautenhahn bei einer Kurzvisite des brandenburgischen Umweltministers Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen) im Nationalparkzentrum Criewen. Vogel wollte sich selbst ein Bild über das Ausmaß der Katastrophe machen und fuhr, gefolgt von einem Pressetross, in den nördlichen Nationalpark, wo in der Nähe eines Wehres hunderte tote Fische in der Oder trieben. Schwedterinnen und Schwedter, die am Freitag die Schwedter Grenzbrücke passiert hatten, berichteten sogar von einem regelrechten Teppich von toten Fischen, der auf dem Strom Richtung Norden trieb.

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Während die brandenburgischen Medien bereits Freitagvormittag berichteten, dass hohe Mengen Quecksilber in den Proben aus der Oder festgestellt worden seien, mahnte Vogel bei der Ursachenbestimmung für das Fischsterben Geduld an. „Es kann sein, dass die Quecksilberkonzentration eine Ursache ist, es ist aber auch möglich, dass eine ganze Reihe von Giftstoffen dafür verantwortlich sein könnten. Und da wir nicht wissen, wonach genau wir suchen, müssen wir umfangreiche Untersuchungen vornehmen, um nach dem Ausschlussverfahren vorzugehen und die etwaigen Giftstoffe, die sich in dem Wasser befinden, herauszufiltern“, sagte der Minister. Erst danach könne es verlässliche Informationen zu den Ursachen des Fischsterbens geben. Und erst dann könne abgeschätzt werden, wie groß das Ausmaß der Katastrophe wirklich ist, welche Konsequenzen daraus gezogen werden müssen und wie lange es dauern könne, bis das sensible Ökosystem der Oder sich wieder eingepegelt habe. Ein Glück in dieser Katastrophe sei, dass die Oder ein schnell fließendes Gewässer ist und die Giftbelastung dadurch zeitnah wieder abnimmt. Doch zunächst gelte ein komplettes Entnahme- und Verwertungsverbot von Fischen aus der Oder. „Das ist ein Gebot der Vorsorgepflicht“, erklärte Vogel.

+++ Tote Fische in der Oder – ist der Fluss vergiftet? +++

Der Minister erneuerte seine Kritik an der mangelnden Informationspolitik der polnischen Behörden, die die brandenburgische Seite nicht beziehungsweise erst zu spät über die Giftwelle informiert habe. „Dadurch konnten wir angrenzende Gewässer, wie die alte Oder im Bereich des Oderbruchs, nicht rechtzeitig absperren, sodass auch dort verendete Fische gefunden wurden“, sagte Vogel. Er sehe jedoch keinen systemischen Fehler in diesem Versagen der Informationsketten, sondern einen zwar gravierenden und bedauerlichen, aber dennoch Einzelfall. Weiter nördlich konnten die Wasserbehörden jedoch noch rechtzeitig reagieren, weil die Welle sie erst später erreichte. Sowohl die Hohensaatener Schleuse als auch die Schleuse an der Schwedter Querfahrt wurden geschlossen, sodass durch die Schleusungen kein belastetes Wasser in die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße gelangen konnte. Die Schwedter Flussbadestelle an diesem Kanal hatte die Stadt Schwedt dennoch vorsorglich schließen lassen. Auch alle anderen Badestellen an der Oder seien im Bereich der Uckermark geschlossen worden, erklärte Karina Dörk (CDU), Landrätin des Landkreises Uckermark. Heute beginne der Landkreis, unterstützt vom THW, der Feuerwehr und mehreren Fischereibetrieben, die toten Fische einzusammeln, sagte sie. Wie sie zu entsorgen seien, ob vielleicht sogar als Sondermüll, könne erst festgelegt werden, wenn die Schadstoffanalysen vorlägen, sagte Vogel. Damit sei aber zeitnah zu rechnen.

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Unterdessen rolle die Giftwelle auf der Oder weiter in Richtung Stettiner Haff und Ostsee. „Doch auf diesem Weg wird sie sich immer weiter verdünnen, sodass ich davon ausgehe, dass es in der Ostsee zu keinen gravierenden Schäden mehr kommt“, sagte Vogel.

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