HILFSAKTION IN PRENZLAU

▶ Schlager-Star und Kult-DJ überraschen Heimbewohner (mit Video)

In der Kulturbranche läuft derzeit nichts. Viele Künstler fürchten um ihre Existenz. Zwei Prenzlauer Akteure zeigen trotzdem viel Herz in der Krise.
DJ Silvio Grensing (links) und Sänger Marcus Christiansen sorgten am Mittwoch bei den Bewohnern der AWO-Seniorenanlage am
DJ Silvio Grensing (links) und Sänger Marcus Christiansen sorgten am Mittwoch bei den Bewohnern der AWO-Seniorenanlage am Thomas-Müntzer-Platz für Begeisterung. Heimchefin Peggy Maahs dankte den beiden ausdrücklich für ihr Kommen. Claudia Marsal
Duck eingemummelt verfolgten die Bewohner das Spektakel.
Duck eingemummelt verfolgten die Bewohner das Spektakel. Claudia Marsal
Prenzlau ·

Als Schlagersänger Marcus Christiansen an einem Samstagabend vor acht Wochen das Mikro aus der Hand legte, ahnte er nicht, dass das sein letzter Auftritt für lange Zeit gewesen sein sollte. Der Kreisstädter ist seit Jahren ein gern gesehener Gast auf Dorffesten und privaten Feiern. Sogar große Veranstaltungsorte wie die Uckerseehalle füllt der 37-Jährige mit der sonoren Stimme mittlerweile mühelos. Die Fans lieben ihn. Doch auch Marcus Christiansen ereilte im März 2020 das Corona-Aus. Dieses Los teilt er bis heute mit Hunderttausenden anderen Künstlern. Manche von ihnen müssen sogar ausschließlich von der Musik ihren Lebensunterhalt bestreiten. Da ist der Sozialarbeiter dank seiner Anstellung als Jugendbeauftragter der Stadt Prenzlau in einer etwas besseren Situation. Aber egal wie, es gibt für sie alle aktuell keine Engagements mehr.

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Volle Härte

Auch Alleinunterhalter Silvio Grensing ist betroffen. Mit aller Härte – denn der Prenzlauer lebt nur von Aufträgen im Kulturbereich. Eigentlich wollte der Familienvater im nächsten Jahr ja in großer Runde sein 10. Geschäftsjubiläum feiern. Doch nun ist auch sein Ein-Mann-Betrieb ins Trudeln geraten. „Keine Aufträge mehr, null – ich hätte mir das nie vorstellen können, dass es einen mal so erwischt“, bilanziert der renommierte DJ.

Noch geht er davon aus, dass es sein „SG Entertainment“ 2021 weiterhin geben wird. Das sollte der Familienvater auch, schließlich sind in den vergangenen Monaten noch einmal große Investitionen in seine Technik geflossen. „Das muss ich wieder einspielen“, ist sich der 50-Jährige bewusst. Aber wie? Das weiß er aktuell nicht. Momentan setzt er alle Anstrengungen daran, das Familienleben mit kleinen Nebenjobs mit zu finanzieren. „Es fragt einen ja keiner, wie man die Raten, die Betriebskosten, Essen und Trinken bezahlt“, legt er den Finger auf die Wunde. Zum Glück habe seine Frau eine Festanstellung als Zahnarzthelferin. Sie verdient, wenn es nach dem Amt geht, also genug für alle.

Keine Perspektiven

„Aber die Realität sieht natürlich anders aus“, mehr möchte der Selbstständige zu diesem Thema gar nicht sagen. Es wisse doch jeder, dass man eine Familie von einem Gehalt allein nicht mehr ernähren könne, setzt er nachdenklich hinzu. „Was uns alle so fertig macht, ist der Fakt, dass es keine verlässlichen Prognosen für die Kulturbranche gibt.“ Niemand wisse, wann Veranstaltungen wieder stattfinden dürften und in welchem Rahmen. „Wir können nix planen, obwohl wir so viele Ideen haben“, bedauert der ehrenamtlich als Karnevalsclubspräsident aktive Kreisstädter. Eigentlich sei sein Terminplaner um diese Jahreszeit schon gut gefüllt. „Das Frühjahr ist die Zeit der Terminvereinbarungen. 2020 ist es die Zeit der Absagen“, erklärt Silvio Grensing. Er hält es in dieser schweren Situation für wichtiger denn je, sich auf die kleinen Freuden zu besinnen und Mitmenschlichkeit zu üben. Deshalb meldete sich der DJ auch auf den Aufruf des Uckermark Kurier für die Gratis-Konzerte in Altenheimen. Und seinen guten Freund Marcus Christiansen brachte er gleich mit zum Auftritt bei der AWO am Thomas-Müntzer-Platz.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Prenzlau

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