GEWALTOPFER AUS PRENZLAU

Schon der Vater hat sie windelweich geprügelt

Anja S. hat oft an Selbstmord gedacht. Doch die 37-Jährige will ihre Peiniger nicht gewinnen lassen. Deshalb hat sie einen sehnlichen Wunsch.
Claudia Marsal Claudia Marsal
So sieht man nach Schubsen und Schlagen aus.
So sieht man nach Schubsen und Schlagen aus. privat
Die Flecke zeugen von seinen Tritten.
Die Flecke zeugen von seinen Tritten. privat
Prenzlau.

„Ich habe wieder einmal einen Tag mit häuslicher Gewalt hinter mir. Er hat mich hier festgehalten, damit ich nicht raus kann. Er hat mich geschlagen und getreten, mich beleidigt, alles verwüstet und persönliche Sachen kaputt gemacht. Ich kann nicht mehr. Ich bin kurz davor, mir etwas anzutun“, mit dieser furchtbaren Botschaft hat sich Anja S. (Name bekannt) an den Uckermark Kurier gewandt. Die 37-Jährige lebt seit über 15 Jahren mit einem gewalttätigen Mann zusammen.

Der 46-Jährige ist schizophren und schwer depressiv, sagt die zweifache Mutter. Je nachdem, welche Phase er gerade durchläuft, herrscht zu Hause Ruhe oder es häufen sich die Attacken gegen Frau und Kinder. „Er hat so viele Persönlichkeiten. Man weiß nie, wer vor einem steht. Ich habe mir immer geschworen, dass ich mal weg bin, wenn meine Mädchen alt genug sind“, beschreibt die Uckermärkerin ihr Dilemma.

Körperliches Handicap

Jetzt sind die Töchter zwar aus dem Gröbsten raus. Aber die 17 und 18 Jahre alten Kinder würden sehr an ihrem Vater und ihrem Zuhause hängen, sagt das Gewaltopfer später traurig im Gespräch mit der Redaktion: „Sie wollen hier einfach nicht weg.“

Den gewalttätigen Partner an die Luft zu setzen, sei aber auch nicht möglich: „Das hier ist sein Elternhaus. Er hat es nach dem Tod der Mutter geerbt.“ Davon abgesehen würde sie in dem kleinen Dorf vor den Toren Prenzlaus auch nicht mehr wohnen bleiben wollen, setzt Anja S. hinzu: „Hier vereinsamt man. Ich weiß gar nicht mehr, wie es ist, unter Leuten zu sein und Spaß zu haben. Er hat das alles unterdrückt. Er hat mich Stück für Stück zerstört. Ich habe hier kein Leben mehr.“ Ihr Drama hat maßgeblich auch mit ihrem Handicap zu tun.

Die Uckermärkerin ist von Geburt an körperlich versehrt und kann aufgrund einer Verschlechterung ihres gesundheitlichen Zustandes – sie hat Arthrose bekommen – auch nicht mehr in ihrem erlernten Beruf im Gesundheitswesen arbeiten.

Verzweifelte Jobsuche

Gewalt kennt sie allerdings schon aus frühester Kindheit: „Mein Vater hat mich verprügelt, meine Mutter nichts dagegen getan. Meine beiden Schwestern waren ihr stets wichtiger.“ Aber jetzt sei es endgültig an der Zeit, diesen Bann zu durchbrechen und wegzukommen, bekräftigt Anja S. im Interview: „Aber dafür müsste ich einen Job finden, keine schwere Arbeit, vielleicht irgend etwas in Richtung Kundenservice. Denn ich möchte keine Rente beantragen. Ich will arbeiten, ich muss unter Menschen und eine passende Wohnung finden“, versichert sie weiter: „Ich habe so große Angst vor ihm, aber ich kann erst hier weg, wenn ich eine Anstellung und ein neues Zuhause habe. Etwas im Empfang wäre toll, oder eine Stelle im Kundenservice. Auch die Betreuung von Senioren würde mir riesig Spaß machen. Doch bei der Joblage in der Uckermark kann man wohl nicht viel erwarten.“ Die Ämter hätten ihr bislang wenig Hoffnung gemacht, nach mehreren Behördenmarathons ist sie mittlerweile mutlos.

Wohnung gesucht

Trotzdem hat die zweifache Mutter noch ein Fünkchen Hoffnung und sich deshalb jetzt an die Öffentlichkeit gewandt. „Ich wäre überglücklich, wenn sich ein Betrieb fände, der mich mit Handicap nimmt. Am besten hier in Prenzlau oder eben dort, wo ich eine Wohnung bekomme.“ Ein Domizil hat sie bereits in Aussicht, „aber ich bezweifle, dass ich die Miete stemmen kann.“ Auf die Frage, warum sie ihren Peiniger nicht längst angezeigt hat, sagt die Uckermärkerin, dass sie vor vielen Jahren nach einem Polizeieinsatz wegen häuslicher Gewalt die Anzeige „um des lieben Friedens Willen“ zurückgezogen habe. „Damals lebten seine Eltern noch, diese Schande wollte ich ihnen ersparen.“ Heute kann sie das nicht mehr verstehen, „Es wäre nämlich das, was er verdient hat.“

Statistiken gehen davon aus, dass jede vierte Frau mindestens einmal in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Partnerschaftsgewalt erlebt. Betroffen sind Frauen aller sozialen Schichten, resümiert das Bundesfamilienministerium. Die körperlichen Übergriffe reichen von wütendem Wegschubsen und Ohrfeigen bis hin zum Schlagen mit Gegenständen und Verprügeln.

Im Normalfall berichtet der Nordkurier nicht über Selbsttötungen oder Selbstmordabsichten. Ausnahmen bilden unter anderem Fälle, die sich in der Öffentlichkeit abspielen und die somit von vielen Menschen beobachtet werden. Falls Ihre eigenen Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie mit anderen Menschen darüber! Es gibt zahlreiche, auch anonyme Hilfsangebote. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Der Anruf ist kostenlos und taucht nicht in der Telefonrechnung auf.

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Kommentare (1)

...bleiben manche Frauen bei derart Kerlen?
Haben die Ärzte (Musiker) recht?
"Manchmal, aber nur manchmal, haben Frauen ein kleines bisschen Haue gern.........."