AUFREGUNG NACH HAFTBEFEHL

Schwangere Verlobte meldet sich zu Wort

Eigentlich war es nur ein Streit, der aus dem Ruder zu laufen drohte. Doch dann kam die Polizei und nahm einen 23-Jährigen fest. Und zwar aus einem ganz anderen Grund.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Das Ganze trug sich in der Röpersdorfer Straße zu.
Das Ganze trug sich in der Röpersdorfer Straße zu. Claudia Marsal
Prenzlau.

Anja T. (Name geändert) hat die ganze Nacht nicht geschlafen. Seit einem Polizeieinsatz in ihrer Wohnung ist nichts mehr, wie es war. Die 24-Jährige hatte zu Wochenbeginn einen Hilferuf gestartet, dessen Folgen sie nicht erahnen konnte, wie die Prenzlauerin sagt. Dem voraus gegangen war ein Streit mit ihrem Verlobten. Der 23-Jährige habe einen über den Durst getrunken, räumt sie ein. „Dann gab ein Wort das andere, und ich bekam Angst, dass die Sache eskaliert”, erinnert sich die Mutter eines knapp einjährigen Jungen zurück. In ihrer Not habe sie zum Telefon gegriffen und ihre Familienhelferin vom Jugendamt angerufen.

Wegen eines Diebstahls

Diese wiederum alarmierte die Polizei. Als die Beamten vor Ort eintrafen, hatte sich die Lage nach Meinung von Anja T. zwar schon wieder etwas beruhigt. Der Einsatz blieb trotzdem nicht folgenlos. Die Ordnungshüter nahmen ihren 23-jährigen Freund nämlich mit. Beim Check seiner Personalien hatte sich heraus gestellt, dass gegen den Vater eines kleinen Sohnes ein Haftbefehl vorlag. „Nichts Dramatisches”, wie die Verlobte schnell klar stellt: „Es ging dabei um nicht abgeleistete Sozialstunden, die gegen ihn nach einem Diebstahl verhängt worden waren.”

Enttäuschung ist groß

Sie selbst habe davon aber nichts gewusst, die Enttäuschung bei ihr sei dementsprechend groß. Anja T. will ihrem Freund aber glauben, dass auch ihm das Ganze nicht bekannt war. „Vielleicht hat er ja vergessen, einen Brief zu öffnen, oder die Sache ist anderswie untergegangen”, führt sie zu seiner Entschuldigung an.

Mit seinem zweiten Kind unterm Herzen – sie ist im vierten Monat schwanger – möchte sie jedenfalls fest daran glauben, dass ihr Partner wieder auf dem richtigen Weg ist. „Ich werde zu ihm stehen, egal, was passiert”, sagt sie im Interview mit dem Uckermark Kurier. Das habe sie ihm beim gestrigen Telefonat in die JVA fest versprochen. „Es ist doch wichtig, dass er weiß, dass zu Hause alles in Ordnung ist.”

Nicht geschlagen oder angefasst

An die Zeitung gewandt hat sich Anja T., weil ihr die Tragweite des Polizeieinsatzes nicht bewusst gewesen sei, wie sie versichert: „Als ich das in der Zeitung gelesen habe, war mein Schreck riesengroß.” Ihr liegt daran, die Öffentlichkeit wissen zu lassen, dass es sich nur um eine verbale Auseinandersetzung gehandelt habe: „Prenzlau ist ein Nest, da wird viel getratscht. Aber er hat mich weder geschlagen, noch unser Kind angefasst. So ein Mensch ist er nicht. Zu uns war er immer gut.” Sie möchte ihn deshalb nicht in einem schlechten Licht da stehen lassen. Anja T. hofft, dass die drei Wochen im Arrest ihm jetzt eine Lehre sind und er Zeit zum Nachdenken hat. „Er hat mir fest versprochen, dass er die Sozialstunden nun ableisten wird und danach alles ins Lot kommt.”

StadtLandKlassik - Konzert in Prenzlau

zur Homepage