„DRUSHBA”-PIPELINE DICHT

Schwedter Raffinerie schrammt an Notstopp vorbei

Das war knapp: Die Schwedter Erdölraffinerie stand kurz vor dem Produktions-Aus. Das Ausmaß der Krise wurde jetzt bei einem Besuch von Rosneft-Chef Setchin in der Uckermark bekannt.
Jörg Spreemann Jörg Spreemann
Die Produktionssicherheit der PCK-Ölraffinerie in Schwedt/Uckermark war in den vergangenen Wochen offenbar stärker gef
Die Produktionssicherheit der PCK-Ölraffinerie in Schwedt/Uckermark war in den vergangenen Wochen offenbar stärker gefährdet als bisher bekannt. Patrick Pleul
Schwedt.

Die Produktionssicherheit der PCK-Ölraffinerie in Schwedt/Uckermark war in den vergangenen Wochen offenbar stärker gefährdet als bisher bekannt. Bei einem „Arbeitsbesuch” in der Anlage mit rund 1200 Beschäftigten durch den Chef des russischen Ölkonzerns Rosneft, Igor Setchin, wurden die schweren Folgen des Skandals um verunreinigtes russisches Erdöl bekannt. Der mit Chloriden verunreinigte Rohstoff war über die „Drushba”-Pipeline nach Deutschland gelangt. Rosneft ist mit rund 54 Prozent Haupteigentümer der PCK-Raffinerie.

Nach Mitteilung von Rosneft Deutschland haben vier von sechs Raffinierien, die Öl aus der „Drushba” verarbeiten, schwere Schäden durch das verunreinigte Öl erlitten. Die osteuropäischen Unternehmen mussten ihren Betrieb einstellen und repariert werden. Lediglich in Schwedt und im russischen Kubitschew wurde den Angaben zufolge die Gefahr rechtzeitig erkannt. Durch die zügige Arbeit seien Schäden an den PCK-Anlagen verhindert worden, dankte Rosneft-Chef Setchin den Mitarbeitern in Schwedt. Dadurch habe die Raffinerie ohne Unterbrechung für den deutschen Markt produzieren können.

Derzeit arbeitet das Unternehmen den eigenen Angaben zufolge mit der maximal möglichen Kapazität. Aufgrund der eingeschränkten Versorgung über das „Drushba”-System würden zusätzliche Ölmengen über den Rostocker Hafen geliefert. Dadurch könne die ununterbrochene Produktion in Schwedt garantiert werden. Von Rostock aus führt ebenfalls eine Pipeline nach Schwedt.

Wladimir Putin sieht Image-Schaden für Russland

Rosneft kündigte an, dass die Kontrolle der Ölqualität auf allen Stufen des Transports verschärft werde. Damit würden jetzt „professionelle Überwachungsunternehmen” beauftragt. Am Wochenende war es wegen Qualitätsproblemen erneut zu einer kurzzeitigen Unterbrechung der Ölversorgung über die „Drushba” gekommen.

Chloride werden bei der Erdölförderung aus weitestgehend ausgeschöpften Quellen verwendet, müssen aber vor der Verarbeitung in großem Umfang entfernt werden. Bei zu hoher Konzentration kann es in Raffinerien zu schweren Korrosionsschäden kommen. Der Ärger hatte auch Russlands Präsidenten Wladimir Putin auf den Plan gerufen, der von einem Image-Schaden für sein Land als Rohstofflieferant gesprochen hatte.

Die PCK-Raffinerie verarbeitet im Jahr 12,5 Millionen Tonnen Erdöl und versorgt große Teile des ostdeutschen Tankstellennetzes. Nach eigener Auskunft von Rosneft Deutschland hat das PCK einen Teil des kontaminierten Öls entgegen genommen, um in der Pipeline Platz für Öl der benötigten Qualität zu schaffen. Zeitgleich mit den Versorgungsengpässen durch die geschlossene „Drushba”-Pipeline waren im Nordosten die Benzinpreise in die Höhe geschnellt und hatten zeitweise die Marke von 1,60 Euro je Liter Super überschritten.

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Kommentare (2)

Das verunreinigte Öl ist bereits Ende April nach Deutschland gelangt. Das heißt, es sollte eigentlich bekannt sein, dass es da Probleme gibt. Nun drängt sich mir die Frage auf, wieso die betroffenen Raffinerien, die eingegangenen Rohstoffe nicht entsprechend testen.

Das Richt, nach Arbeit, so leben sie doch besser, nur Geld abholen