INTEGRATION

Seine Eltern kamen als DDR-Gastarbeiter

In Familien mit vietnamesischen Wurzeln wird viel Wert auf eine gute Schulbildung gelegt. Das ist bei den Les aus Prenzlau nicht anders.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Tino Vinh Le hat sich für den Kinder- und Jugendbeirat der Stadt Prenzlau aufstellen lassen. Er möchte seiner Heimats
Tino Vinh Le hat sich für den Kinder- und Jugendbeirat der Stadt Prenzlau aufstellen lassen. Er möchte seiner Heimatstadt so etwas zurückgeben. Claudia Marsal
Prenzlau.

Tino Vinh Le war noch nicht geboren, als seine Eltern nach Deutschland kamen. Die beiden folgten Ende der 1980er dem Ruf nach vietnamesischen Gastarbeitern in die ehemalige DDR. Doch dann fiel die Mauer und stellte auch sie vor große Probleme. „Sie haben es irgendwie geschafft”, sagt der 16-jährige Sohn voller Stolz. Mittlerweile betreibt das Paar zwei gut gehende Textilgeschäfte in Prenzlau. Ihr Sohn hat Vietnam nie als sein Heimatland gesehen. Wie auch, schließlich steht Prenzlau in seiner Geburtsurkunde. Er ist deutscher Staatsbürger durch und durch. Darüber ist der Elftklässler auch sehr froh, wie er sagt. „Ich liebe meine Heimatstadt Prenzlau wirklich über alles.” Aus diesem Grund engagiert sich der Gymnasiast auch für deren Belange.

In Beirat wählen lassen

Der Schüler gehört zu den Mitgliedern des Kinder- und Jugendbeirates, welcher auf der letzten Stadtverordnetenversammlung berufen wurde. „Für mich ist die Mitarbeit dort eine Selbstverständlichkeit. Man kann nicht immer nur meckern, dass etwas verändert werden soll. Man muss sich dafür selbst einbringen.” Mitwirkung sieht Tino Vinh Le sogar als eine Bürgerpflicht an.

„Auch unsere Generation kann schon etwas bewegen”, ist das jüngste von drei Kindern der Familie Le überzeugt: „Man schenkt uns Gehör.” Gefragt, was er denn verändern würde, überlegt der Gymnasiast nur kurz. Dann kommt wie aus der Pistole geschossen zunächst eine lange Liebeserklärung an seine Heimatstadt: „Prenzlau ist so ein netter Ort zum Leben, gar kein Vergleich zu Berlin oder so. Hier muss man keine Angst um seine Sicherheit haben.” Fremdenfeindliche Angriffe hat er selbst bislang nicht erlebt.

Viele Entfaltungsmöglichkeiten

„Manchmal kommen dumme Sprüche, aber vermutlich, weil es die Leute nicht besser wissen.” Jedenfalls fühle er sich in Prenzlau rundum wohl, weil junge Leute so viele Entfaltungsmöglichkeiten haben. Der Technik-Fan zählt das Jugendhaus und die Jugendclubs auf, die Skaterbahn, die Veranstaltungsstätten und vieles mehr. Absolut beispielhaft findet Tino Vinh Le aber das Agenda-Diplom der Stadt, welches 2019 erstmals auch für ältere Kinder aufgelegt worden war.

„Da wurde über 1000 Kindern eine sinnvolle Feriengestaltung ermöglicht, noch dazu gratis. Wo hat man so etwas heute noch?” Nach seinem Abitur will der Prenzlauer studieren, am besten dual in der Richtung Maschinenbau. Eine Übernahme der elterlichen Geschäfte zieht er nicht in Erwägung. „Das ist nicht so mein Ding.” Aber es gibt theoretisch noch die beiden älteren Schwestern... Was seine Noten anbelangt, muss sich der Schüler keine Gedanken machen. „Meine Eltern haben von jeher viel Wert auf Schulbildung gelegt. Früher hat das manchmal genervt. Heute bin ich ihnen sehr dankbar dafür.”

 

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Kommentare (2)

für Menschen aus dem ostasiatischen Raum, mit einem anderen Kultur- und Bildungshintergrund - gepaart mit Freundlichkeit und guter Einstellung, sogar der Regelfall.
Ich hatte selbst mal einen vietnamesischen Geschäftsnachbarn. Er ist fleißig und die Kinder hatten in Sachen schulischer Anstrengungen "nichts zu lachen". Unterm Strich muss man feststellen, bei Migration aus Fernost funktioniert die Integration und bei Migration aus dem Süden gibt es keine Integration, bzw. nur echte Einzelfälle. Nun müssen die Bürger bei zukünftigen Wahlen aber mal richtig entscheiden, was hilfreich oder zerstörerisch ist.

Hat vieleicht was mit der Religion zu tun!?