Eigentlich hatte Professor Dr. Stefan Homburg in der Dresdner Kreuzkirche sprechen wollen. Doch von dort bekam er eine Absage.
Eigentlich hatte Professor Dr. Stefan Homburg in der Dresdner Kreuzkirche sprechen wollen. Doch von dort bekam er eine Absage. „Glück für uns“, sagt Pfarrer Thomas Dietz, der ihn daraufhin in die Uckermark einlud. Claudia Marsal
Vernichtendes Urteil

„Sie dürfen die Dummheit von Politikern nicht unterschätzen”

Finanzexperte Stefan Homburg attestiert den Regierenden Dilettantismus, aber er ermutigt auch, den Glauben an die Demokratie nicht zu verlieren.
Prenzlau

Im ersten Halbjahr 2022 erschien im Weltbuch-Verlag der Bestseller „Corona-Getwitter“ von Professor Dr. Stefan Homburg. Der ausgewiesene Kenner des Finanzsystems, der bei Twitter regelmäßig aktuelles Geschehen kommentiert, hat auf dieser Plattform über 70 000 Follower. Einige von ihnen leben offenbar in der Uckermark, wie der große Andrang bei seinem Vortrag in Malchow zeigte. Die Lektüre sei eine kleine Reise durch die Coronazeit, machte der langjährige Regierungsberater, der wegen seiner lautstarken Maßnahmenkritik vielerorts in Ungnade gefallen ist, bei seinem Besuch in der Uckermark neugierig. Dem Leser würden in chronologischer Abfolge Zahlen, Daten und Grafiken zur Coronakrise, außerdem Fotos, prominente Zitate, Gerichtsurteile und Schicksale präsentiert.

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In Malchow bei Prenzlau redete Professor Dr. Stefan Homburg von der ersten Minute an Klartext. In der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche betonte der langjährige Politik-Insider, dass man seiner Meinung nach „die Dummheit von Politikern nicht unterschätzen” dürfe. Er habe in den Berliner Hinterzimmern über viele Jahre mitbekommen, „welch unglaublicher Dilettantismus in der Politik vorherrscht.“ Das sei einer der Gründe, warum in den letzten zweieinhalb Jahren so vieles aus dem Ruder laufen konnte.

+++ Krankenhausgesellschaft erwartet keine Klinik-Überlastung +++

Zurzeit beobachte er, so Homburg, zwar ein politisches Ausschleichen, was Corona anbelangt, „indem man sagt, dass damals gefährlichere Varianten vorherrschend waren.“ Aber die Zustimmung des Bundesrates zum neuen Infektionsschutzgesetz gab es trotzdem. Allen medizinischen Fakten zum Trotz, wie Homburg glaubt: „Denn es hat keine Überlastung der Intensivstationen gegeben, dafür aber Klinikschließungen und Kurzarbeit.“ 2020 sei auch keine Übersterblichkeit verzeichnet worden, „und selbst Schweden, das fast überhaupt keine Maßnahmen ergriffen hatte, stand in der Rückbetrachtung laut WHO noch besser als Deutschland da.“ Dass die Lockdowns wirkungslos gewesen seien, habe ja selbst die Evaluierungskommission des Bundestages einräumen müssen, machte der langjährige Leiter des Instituts für öffentliche Finanzen den Zuhörern klar: „Auf Seite 80 des 150 Seiten starken Berichts ist zu lesen, dass es zwischen Maßnahmen und Inzidenz keinen Zusammenhang gab.“

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Seine These: „Ohne PCR-Tests und Medienhype wäre von dem Virus nichts bemerkt worden.“ In seiner Rede ging er auch auf die Macht der Worte ein. Es sei beispielsweise gelungen, den Begriff Pandemie im Bewusstsein der Menschen fest zu verankern, damit sei in der Folge alles begründet worden. Eine unrühmliche Rolle hätten Medien und Wissenschaft gespielt, so Homburg: „Wer richtig lag, wurde diffamiert wie Wodarg und Bhakdi. Wer falsch lag, wurde gefeiert (Drosten und Lauterbach). Obwohl Wissenschaftler und selbst die WHO in ihren Leitlinien noch bis 2019 von Lockdowns abrieten, wurden diese letztlich durchgesetzt. Fast alle Wissenschaftler, Mediziner und Juristen machten mit. Die Epidemiologen hingegen tauchten fast gänzlich ab, vermutlich um die soziale Ächtung zu vermeiden.

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Die Universitäten indes haben eilfertig mitgemacht, sie waren zum Teil schlimmer als der Rest und haben sich in eine Art religiöse Kultstätten verwandelt.“ Gefragt, was der einzelne Bürger überhaupt noch tun könne, ermutigte der Redner, die Hoffnung nicht zu verlieren. „Wir haben immer noch eine Demokratie. Und vergessen Sie nicht: Die Politiker wollen größtmögliche Zustimmung in der Bevölkerung. Jeder einzelne von Ihnen kann in seinem Umkreis Überzeugungsarbeit leisten. Am Beispiel Frankreich sieht man ja, dass ein Einlenken möglich ist. Als Macron begriffen hat, dass er für seinen scharfen Kurs keine Mehrheiten mehr bekommt, schlug er plötzlich gemäßigtere Töne an. Dort ist Corona vorbei.“

 

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