STRICKEN FÜR CHEMOPATIENTEN

Sie ging durch die Krebs-Hölle

Anneliese Lindow hat die letzten Wochen viel gestrickt. Die Prenzlauerin ließ die Nadeln nicht ruhen, weil sie weiß, wie sehr man in der Chemo friert.
Schon als kleines Mädchen hat Anneliese Lindow gern gestrickt. Ansporn in der Kindheit waren die kleinen Püppchen, d
Schon als kleines Mädchen hat Anneliese Lindow gern gestrickt. Ansporn in der Kindheit waren die kleinen Püppchen, die die heute 77-Jährige damals von ihrer großen Schwester geschenkt bekam und unbedingt hübsch einkleiden wollte. Claudia Marsal
Prenzlau.

Neun Jahre ist es jetzt her, dass Anneliese Lindow die Schockdiagnose Brustkrebs bekam. Damals lebte ihr Mann noch und war eine große Hilfe in der schweren Zeit, wie die Rentnerin sagt.

Die Unterstützung brauchte sie auch, denn es sollte eine Weile dauern, bis die Ärzte ihr Problem in den Begriff bekamen. Operation, Chemotherapie und Bestrahlung – das ganze Programm medizinischer Maßnahmen war nötig, um die schwerkranke Frau zu heilen. Doch das Paket hatte letztlich Erfolg. „Und das ist die Hauptsache“, resümiert sie dankbar.

Quäntchen Angst

Ein knappes Jahrzehnt später gilt die pensionierte Wäscherin als krebsfrei. Doch ein Quäntchen Angst ist geblieben, und vergessen hat Anneliese Lindow die Schrecken der Krankheit bis heute auch nicht. Deshalb gehen der 77-Jährigen die Schicksale von Betroffenen immer sehr nah. Bei jedem Fall, der durch die Medien geht, kommen ihre Erinnerungen an das eigene Leid wieder hoch. „Und ich fühle mit den Menschen, die durch so eine schwere Zeit müssen“, betont die Rentnerin. Als dreifache Mutter, vierfache Oma und dreifache Uroma berührt die Prenzlauerin besonders das Los der kleinen Patienten. „Man mag sich gar nicht ausmalen, welche Hölle sie und ihre Familien durchmachen.“

Anneliese Lindow zögerte deshalb auch keinen Moment, als sie im Uckermark Kurier von der Hilfsaktion des Vereins „Uckermark gegen Leukämie“ erfuhr. Noch am selben Abend setzte sich die Witwe in ihren gemütlichen Fernsehsessel und fing zu stricken an. Schneller als sonst waren mehrere Paare Socken für die kälteempfindlichen Chemo-Patienten fertig.

Chemotherapie

„Sie sollen schon zu Weihnachten nicht mehr frieren müssen“, bekräftigte die Kreisstädterin. Ganz so schnell wie früher gehe ihr das Stricken leider nicht mehr von der Hand, bedauert die Seniorin.

Eine Rolle dabei spielt sicherlich, dass ihr während der Chemotherapie auch 17 Lymphknoten hatten entnommen werden müssen. Mit den Folgen haben die Patientinnen in der Regel bis an ihr Lebensende zu kämpfen. „Aber meine Lust an der Handarbeit „, sagt unsere Leserin glücklich. Mit Nadeln und Wolle in der Hand werde sie nämlich in ihre Kindheit zurückversetzt, ergänzt sie lachend: „Ich kann nicht viel älter als sieben, acht Jahre gewesen sein, als meine Strickleidenschaft begann“, erinnert sie sich zurück.

Jäckchen gestrickt

Als Jüngstes von sieben Kindern sei sie von den Geschwistern mit Spielzeug überhäuft worden, resümiert die Kreisstädterin. Vor allem ihre älteste Schwester habe ihr immer kleine Püppchen gekauft, die bestrickt werden mussten.

Weil ihr das irgendwann nicht mehr ausreichte beim Ausstaffieren, fing die kleine Anneliese auch früh zu nähen an. „Meine Mutter hat mir immer im Spaß zugerufen: ‚Ach Mädel, was prühnst du denn da schon wieder‘“, lässt die Seniorin weiter schmunzelnd wissen. Aber so sei sie eben gewesen, still und leise im Hintergrund vor sich hinwerkelnd. Anneliese Lindow werden deshalb bis heute die Abende nicht lang, obwohl ihr Wellensittich meist der einzige Gast ist. „Ich sorge schon dafür, dass ich etwas zu tun habe.“ Nach den Socken für den Verein sitzt sie nun an einer Überraschung für das jüngste Mitglied der Familie, es wird ein Jäckchen für das Urenkelchen.

 

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