Die angehende Psychologin Katrin Döbler arbeitet im Krankenhaus Prenzlau in einer ambulanten Beratungsstelle für Kre
Die angehende Psychologin Katrin Döbler arbeitet im Krankenhaus Prenzlau in einer ambulanten Beratungsstelle für Krebspatienten. Privat
Wenn der Arzt schlimme Diagnosen hat, ist guter Rat teuer.
Wenn der Arzt schlimme Diagnosen hat, ist guter Rat teuer. Mascha Brichta
Krebsberatung

Sie hilft, wenn der Arzt schlechte Nachrichten hat

Nach einer schlimmen Diagnose fühlen sich viele Patienten furchtbar allein. Dabei gibt es am Krankenhaus Prenzlau eine Anlaufstelle für solche Notlagen.
Prenzlau

78 Wochen – länger kann man in Deutschland kein Krankengeld beziehen. Das ist viel Zeit, möchte man meinen. Doch wenn jemand ernsthaft erkrankt ist, vielleicht lange in Kliniken lag und unter den Nebenwirkungen von Chemotherapien und Medikamenten leidet, vergeht die Zeit wie im Fluge. Wer es allerdings bis zum Ablauf dieser Frist versäumt, zu regeln, wie es im Anschluss weitergeht, der hat ein großes Problem. So ein Fall liegt gerade wieder auf dem Tisch von Katrin Döbler, die am Prenzlauer Krankenhaus eine Krebsberatungsstelle betreut.

+++ 48-Jährige lebt mit der Diagnose „Krebs – Unheilbar“ +++

Die angehende Psychologin erzählt, dass sich die betroffene Patientin leider erst sehr spät bei ihr gemeldet habe. „Am 1. April ist die Frist rum. Ab diesem Datum gibt es ultimativ kein Krankengeld mehr. Dann gilt die 50-Jährige als ausgesteuert, schlimmstenfalls ist sie auch nicht mehr krankenversichert, was bei einer Krebserkrankung ja furchtbar wäre.“ Sie habe sich sofort nach Bekanntwerden der Umstände mit einer Stiftung in Verbindung gesetzt, die jetzt eine Einmalzahlung leisten werde. „Davon wird die Frau nicht reich, aber sie kommt erst einmal über die nächsten Tage. Bis dahin werde ich mit der Arbeitsagentur und dem Sozialamt versuchen, wenigstens die Krankenversicherungsfrage zu lösen. Die Patientin würde ja auch gern wieder arbeiten. Aber sie ist dazu krankheitsbedingt nicht in der Lage.“

Kein Nerv für Bürokratie

Die psychologische Beraterin hat vollstes Verständnis dafür, dass Menschen nach einer negativen Diagnose keine Kraft und keinen Nerv für die Klärung bürokratischer Dinge haben. „Bei ihnen geht es plötzlich um Leben und Tod. Sie haben meist große Schmerzen, müssen Entscheidungen zu Behandlungen treffen und vieles mehr. Da ist kein Raum, um zeitaufwändige Anträge zu stellen oder komplizierte Formulare auszufüllen. Aber dafür bin ich ja da. Mir geht das leicht von der Hand, weil ich in der Materie stecke beziehungsweise die richtigen Ansprechpartner kenne.“ Leider seien ihre Dienstleistungen immer noch zu wenig bekannt in der Region, bedauert Katrin Döbler. Und das, obwohl sie regelmäßig Kontakt zu Onkologen und Fachärzten herstelle, um für ihren Service zu werben. Im Mai wird es eine nächste Zusammenkunft mit Multiplikatoren geben. Auch mit dem Verein Uckermark gegen Leukämie und dem Palliativteam arbeite sie gut zusammen, stellt Katrin Döbler heraus. „Alle wissen eigentlich Bescheid. Und trotzdem kommen manche Patienten erst dann zu mir, wenn es schon fast zu spät ist.“

EU-Rente beantragt

Diese Woche beispielsweise habe sie die Betreuung eines Mannes übernommen, dem im Krankenhaus Prenzlau gesagt werden musste, dass er nicht mehr lange zu leben hat. „Sie glauben gar nicht, wie dankbar der Patient war, dass ich ihm jetzt Dinge wie die Beantragung des Schwerbehindertenausweises, der EU-Rente und der Pflegestufe abnehme. Er kann sich anderen Dingen widmen.“

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Katrin Döbler betont abschließend, dass sie für die Begleitung von Krebs-Patienten und ihren Angehörigen von der Diagnose über die Zeit der Behandlung bis hin zum Sterben oder Leben mit der überwundenen Erkrankung da sei: „Krebs betrifft inzwischen jeden zweiten Mann und jede zweite Frau. Und so vielfältig wie die Ausprägungen der Erkrankung sein können, so unterschiedlich sind auch die Menschen, die von ihr betroffen sind.“ In solchen spannungsreichen Konstellationen kann ein Beratungsgespräch dabei helfen, die eigene Situation zu analysieren, seine Mitmenschen besser zu verstehen und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten.

Kontakt: 03984 33107

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