Thekla Seifert von der Stadtverwaltung Templin informierte die Konferenzteilnehmer unter anderem über die Strategie der S
Thekla Seifert von der Stadtverwaltung Templin informierte die Konferenzteilnehmer unter anderem über die Strategie der Stadt zu Fotovoltaikanlagen. Horst Skoupy
Online-Koferenz

So reagieren Uckermärker Touristiker auf hohe Energiepreise

Wie gehen Unternehmen der Tourismusbranche mit steigenden Gas- und Strompreisen um? Um diese Frage ging es in einer ersten Online-Konferenz.
Templin

„Hilf dir selbst, dann ist dir geholfen“, lautet ein abgewandeltes Sprichwort. Der wortgewandte Geschäftsführer der Tourismus-Marketing Templin GmbH (TMT) Ernst Volkhardt drückte es am Mittwochabend vornehmer aus. Warum nicht die klugen Ideen anderer für sich adaptieren? Darum ging es bei einer ersten Online-Konferenz unter der Überschrift „Digitaler Austausch zur Energiesituation“, zu der die TMT touristische Dienstleister, Vertreter der Stadtverwaltung sowie der Tourismus Marketing Uckermark GmbH eingeladen hatte.

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Wie nahezu alle Branchen bundesweit sind auch touristische Unternehmer von steigenden Energiepreisen betroffen. Glück für den, der noch vor der Energiekrise längerfristige Vertrage abgeschlossen hat. So wie die NaturTherme Templin, für die Wärme und damit Energie naturgemäß ein großes Thema ist. Noch vor der Energiekrise habe die Therme am Markt Energie eingekauft und dadurch gute Preise erzielt. „Ganz konkret 1,75 Cent beim Gas und 5,5 Cent beim Strom“, informierte Ernst Volkhardt, der auch Geschäftsführer der NaturTherme ist. Derzeit hätten sich die Preise vervielfacht. Beim Gas sei man durchschnittlich bei 18 Cent, bei Strom um die 50 Cent. „Wir kommen damit über einige Monate, aber nicht über Jahre“, schätzte er ein. Da würden andere Thermen vor einer sehr viel schwierigeren Situation stehen, so Ernst Volkhardt. Er war am Mittwoch beim Bäderverband. „Es gibt Kollegen, die haben noch bis Jahresende Energie. Die können zu den heutigen Preisen nicht Energie einkaufen, weil sie eine Verzehnfachung der Preise einfach nicht an den Gast weitergeben können“, erzählte er. Es sei zu befürchten, dass sowohl kommunale als auch private Einrichtungen ihre Häuser schließen müssen.

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Susanne Wurth vom Gut Gollin berichtete, dass bei vielen Gästen die Einsicht zum Energiesparen noch nicht angekommen ist. Auf über 1000 Quadratmetern bietet das Unternehmen Ferien- und Baumhäuser an. „Wir merken, dass die Infrarot-Heizungen, die wir installiert haben, voll genutzt werden“, erzählte sie. Teilweise seien die Räume völlig überhitzt. Der Betrieb versuche, wo es nur geht, den Energieverbrauch zu reduzieren. So sei die Außenbeleuchtung bis auf drei zentrale Punkte auf Null gefahren worden. Die Häuser seien schon vor Jahren mit energiesparenden LED-Lampen ausgestattet worden. Man sei jetzt dabei, in den Wohnungen die Heizungen zu begrenzen. Und nicht zuletzt habe das Unternehmen in einen Holzvergaserofen investiert, um alternativ damit heizen zu können.

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Zum Thema Heizung konnten Gabriele Förder-Hoff vom Templiner Hotel „Zum Eichwerder“ und Clemens Hoff vom Naturcampingplatz in Lychen mitteilen, dass sie ihre Heizungen mit solchen Reglern ausgerüstet haben, die von den Gästen nur in Maßen aufgedreht werden können. Gabriele Förder-Hoff mute darüber hinaus ihren Gästen zu, dass es im Gastraum nicht sehr warm ist. „Aber es hat sich noch niemand beschwert“, sagte sie. Clemens Hoff indes zehrt von dem Flüssiggas, mit dem er noch vor der Energiekrise seine Tanks befüllt hat. Damit betreibt er die Thermen seiner zwei Waschhäuser. Er schätzt, dass er mit den zwei Tankfüllungen über die nächsten zweieinhalb Jahre kommt. Wärmetechnisch sei die Lösung „das aktuelle Optimum“, sagte er. Hochfrequente Bewegungsmelder auf den Toiletten sorgen dafür, dass dort nicht die ganze Nacht das LED-Licht brennt. Dass bei den Gästen ein Umdenken hinsichtlich ihres Nutzerverhaltens vorhanden ist, könne man derzeit wohl noch nicht erwarten, sagte er. Nach Corona stünde für sie um Vordergrund, ihren Urlaub zu genießen. „Spannend wird die Zeit werden nach dieser Phase, wenn alle den Winter überstanden haben“, sagte er.

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Silke Rumpelt von der Tourismus Marketing Uckermark GmbH (tmu) sprach über Rückmeldungen aus den touristischen Unternehmen, wonach am ehesten durch technische Maßnahmen und Vorkehrungen Energiekosten gesenkt werden können. „Man will ja die Gäste nicht permanent zum Energiesparen anhalten. Das wäre immer eine Eingrenzung“, sagte sie.

Sebastian Tattenberg von der Stadtverwaltung Templin verwies darauf, dass zunehmend Vermieter von Ferienhäusern ihre Gäste mit einem Kautionsmodell zu Einsparungen motivieren. Sie vermieten ihre Quartiere nicht mehr pauschal, sondern für den Energie- und Wasserverbrauch hinterlegen die Gäste eine Kaution. „Dadurch hat man selbst den Anreiz, möglichst viel von der Kaution zurückzubekommen. Kathrin Schatz von der Templiner Touristinformation kann das nur bestätigen. Sie erarbeitet gerade das aktuelle Reisemagazin. Den Rückmeldungen aus den touristischen Unternehmen zufolge verlegen sich immer mehr Anbieter darauf, nach Verbrauch anzurechnen.

Angesichts der Ergebnisse der Konferenz wolle man an dem Austausch festhalten. Es werde eine nächste Runde dazu geben, so Ernst Volkhardt.

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