KINDERKRANKENGELD

So soll Eltern Bürokratie erspart werden

Jedes Elternteil erhält coronabedingt 2021 zehn zusätzliche Anspruchstage, Alleinerziehende weitere 20, wenn ihr Kind nicht in Schule oder Kita kann oder soll.
Der Anspruch auf Kinderkrankengeld wird 2021 nicht nur bei Krankheit des Kindes, sondern auch bei einem pandemiebedingten Betr
Der Anspruch auf Kinderkrankengeld wird 2021 nicht nur bei Krankheit des Kindes, sondern auch bei einem pandemiebedingten Betreuungsengpass gelten. Das hat der Gesetzgeber so veranlasst und sogar eine Erweiterung der Tage um weitere 10 pro Elternteil und Kind beziehungsweise 20 bei Alleinerziehenden verfügt. Fotolia
Prenzlau ·

Noch haben die meisten Kitas im Landkreis geöffnet. Etliche Einrichtungen, wie beispielsweise der Hort in der Prenzlauer Grabow-Schule, bieten aber nur noch eine Notbetreuung an. Grundlage dafür ist die Verordnung über befristete Corona-Eindämmungsmaßnahmen im Land Brandenburg, die im Januar in Kraft trat. Das stellt vor allem berufstätige Mütter und Väter vor große Probleme. Nicht nur wegen der Angst um den Arbeitsplatz, sondern auch wegen moralischer Bedenken. Schließlich hatte sich Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) vor ein paar Tagen mit einem eindringlichen Appell an alle Eltern gewandt, ihre Kinder soweit es ihnen möglich ist, zu Hause zu betreuen. Das hat offenbar gefruchtet. In der Kreisstadt besuchen aktuell nur noch rund 60 Prozent der angemeldeten Mädchen und Jungen eine Einrichtung. Aber mit Blick auf eine weitere Verschärfung der Corona-Maßnahmen ist mit einer weiteren Abnahme zu rechnen. Doch was machen Eltern in so einem Fall?

Einfacher Antrag reicht

Eine Möglichkeit ist die Inanspruchnahme des so genannten Corona-Kinderkrankengeldes. Versicherte der Barmer können diese Leistung bis auf Weiteres auch ohne Kita- oder Schulbescheinigung erhalten, war von der Kasse zu erfahren: „Wenn sie ihr Kind aufgrund der Pandemie zu Hause betreuen müssen, reicht ein einfacher Antrag zur Auszahlung aus. Dieser steht als Vordruck auf der Webseite der Barmer bereit.“ Ein Nachweis der Kita oder Schule zur pandemiebedingten Schließung sei nicht erforderlich, da es der Gesetzgeber derzeit nicht explizit vorsehe, heißt es weiter. „Um Eltern unnötige Bürokratie zu ersparen, müssen sie vorerst keine Kita- oder Schulbescheinigung einholen, um das Kinderkrankengeld zu erhalten“, versicherte Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der Barmer Berlin/Brandenburg. Der entsprechende Antrag stehe zum Download bereit. Das Verfahren könne bei Bedarf noch angepasst werden, sofern es beispielsweise die Gesetzgebung künftig erfordere, ergänzte die Verantwortliche.

Der Antrag zum Kinderkrankengeld sei bewusst schlank gestaltet und enthalte nur die gesetzlich erforderlichen Angaben. Daraus müsse unter anderem der Grund für die Auszahlung des Kinderkrankengeldes hervorgehen, etwa die „pandemiebedingte Schließung“ der Kita oder Schule. Erforderlich seien außerdem der Betreuungszeitraum, die Bankverbindung und die Unterschrift. „Wenn ein Antrag auf Kinderkrankengeld formlos erfolgt oder unvollständig ist, nehmen unser Kundenberater schnellstmöglich Kontakt zu den Eltern auf, um offene Fragen zu klären und dann eine zügige Auszahlung in die Wege zu leiten“, sagte Leyh abschließend.

Gesetzlich erforderliche Angaben

Auch die AOK Nordost möchte Familien in der herausfordernden Pandemie-Situation so schnell, unbürokratisch und unkompliziert wie möglich unterstützen, verlautet von der dortigen Pressestelle. Die entsprechende gesetzliche Regelung sieht vor, für das Jahr 2021 die Kinderkrankentage von 10 auf 20 pro Elternteil und Kind beziehungsweise von 20 auf 40 Tage für Alleinerziehende auszuweiten. Der Anspruch soll nicht nur bei Krankheit des Kindes, sondern auch bei einem pandemiebedingten Betreuungsengpass gelten. In der Begründung heißt es: „Eltern müssen derzeit bei einer pandemiebedingten Schließung der Kita oder der Schule die Betreuung ihrer Kinder meist selbst übernehmen. Ihren beruflichen Verpflichtungen kommen sie dabei entweder unter großen Belastungen nebenbei nach oder sie nehmen einen Verdienstausfall in Kauf.“

Der Antrag kann auf dem Postweg beziehungsweise über die „Meine AOK“-App eingereicht werden. Er kann sich auch auf einen Zeitraum in der Zukunft beziehen. Die Eltern müssen dafür ebenfalls keinen Nachweis der betreuenden Einrichtung vorlegen. Das gilt auch für den Fall, dass die Kita eine Notbetreuung anbietet oder bei den Schulen lediglich die Präsenzpflicht ausgesetzt wurde. Ein ärztliches Attest ist nicht erforderlich. Im Gegensatz zum Entschädigungsanspruch nach dem Infektionsschutzgesetz gilt die Regelung auch, wenn die Eltern im Homeoffice arbeiten könnten und für den Zeitraum der Ferien, wenn dort eigentlich eine Hortbetreuung stattgefunden hätte. Auch müssen die Eltern nicht erst ihren gesamten Urlaubsanspruch und Gleitzeitguthaben aufgebraucht haben.

Thomas Soik von der DAK teilte mit: „Wir begrüßen die geplante Entlastung der Eltern und unterstützen die Betroffenen so weit wie möglich. Kurzfristig werden wir unkompliziert bereits vorliegende formlose Anträge berücksichtigen. Bei Unklarheiten oder Rückfragen gehen wir noch einmal auf unsere Versicherten zu. Mittelfristig stellen wir unseren Versicherten einen Antrag auf der Basis des einheitlichen Musterantrags aller Krankenkassen zur Verfügung stellen. Hierzu gibt es aktuelle eine Abstimmung mit dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen. Muss ein Kind aufgrund der pandemiegeschlossenen Kita/ Schule betreut werden, sollte zusätzlich eine Bescheinigung der jeweiligen Einrichtung beigefügt werden.”

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