Petra Rohde und ihr Mann Hans-Jürgen sind vom Schicksal gezeichnet. Aber sie werden nicht müde, für die Rechte
Petra Rohde und ihr Mann Hans-Jürgen sind vom Schicksal gezeichnet. Aber sie werden nicht müde, für die Rechte der Patienten ihre Stimme zu erheben. Privat
Dass Hospize in Deutschland um Spenden betteln müssen, um Sterbenden einen würdigen Abschied gewährleisten zu k
Dass Hospize in Deutschland um Spenden betteln müssen, um Sterbenden einen würdigen Abschied gewährleisten zu können, findet die Krebskranke erbärmlich. Oliver Berg
Krebskranke fordert

Steckt die 100 Milliarden lieber in Hospize!

Patientin Petra Rohde versteht nicht, dass Deutschland unvorstellbare Summen für die Rüstung übrig hat, aber Todkranke auf Spenden angewiesen sind.
Prenzlau

So eine Riesensumme für die Rüstung – Petra Rohde traute dieser Tage ihren Ohren nicht, als sie von dem 100 Milliarden-Investitionsvorhaben der Bundesregierung im Radio hörte. Dass für diese unvorstellbare Summe als Reaktion auf den Ukraine-Krieg neue Panzer, Kampfjets und vieles mehr gekauft werden sollen, hat die 65-Jährige sprachlos gemacht. Sie hätte tausende Vorschläge, was stattdessen von diesem Geld angeschafft werden könnte, versichert die Sachbearbeiterin. In erster Linie würde die gelernte Telefonistin, die lange in der Nähe von Templin gewohnt hat, das Gesundheitswesen aufrüsten, denn da erlebt sie seit Jahren schon, was passiert, wenn etwas kaputt gespart wird. Das erste Mal mit der Thematik in Berührung kam die Mutter eines erwachsenen Sohnes 1989. Ihre Frühberentung wegen einer chronischen Erkrankung fiel in die Endphase der DDR, erzählt die langjährige Mitarbeiterin eines Kinderheims: „Ich habe damals nur noch 46 Kilo gewogen und war nicht mehr arbeitsfähig.” Sie musste fortan mit einer kleinen EU-Rente auskommen, doch das Geld wurde erst so richtig knapp, als ihr zweiter Mann 2003 eine schlimme Diagnose bekam.

Blutkörperchen zerstört

„Sein Immunsystem demontierte sich selbst, indem es die roten Blutkörpchen zerstörte”, beschreibt sie dessen Martyrium: „Schon damals habe ich eine Vorstellung davon bekommen, wie beschwerlich das Leben wird, wenn man plötzlich schwerkrank wird. Denn längst nicht alles wird von den Kassen getragen, vieles muss man aus eigener Tasche zahlen.” Doch damit nicht genug. 2013 ereilte dieses Schicksal auch ihre eigene Mutter, die „elendig an Brustkrebs zugrunde ging. Ich habe sie bis zum Ende gepflegt und gesehen, dass selbst die ausgeklügeltsten Therapien nichts halfen.”

+++ 48-Jährige lebt mit der Diagnose „Krebs – Unheilbar“ +++

Etwas mehr Glück hatte 2017 ihr Enkel, bei dem die Ärzte erst Blasenkrebs und dann einen Tumor in der Lunge diagnostizierten. Der damals 17-Jährige habe allerdings vor allem darunter gelitten, dass es keine Ansprechpartner für sein seelisches Wohlbefinden gab, ist die Oma überzeugt. „Es gibt ja Psycho-Onkologen, dort einen Termin zu bekommen, ist leider fast aussichtslos.” Diese Erfahrung blieb ihr selbst ebenfalls nicht erspart, als es 2019 plötzlich hieß, dass ihr eigenes Knochenmark bösartige Veränderungen aufweist.

Zu alt für Transplantation

„Für eine Transplantation war ich da schon zu alt. Man sagte mir, dass die Krankheit mit Medikamenten in Schach gehalten werden soll.” Ihre Entgegnung, dass sie Lebensqualität und nicht -quantität wolle, sei ungehört verhallt, beklagt die Patientin: „Es geht immer nur darum, einem möglichst schnell Chemotherapien zu verabreichen. Wenn man nach Alternativen fragt, kommen die Ärzte schnell an ihre Grenzen.” Sie habe sich trotzdem gegen eine Dauer-Chemo und für eine Antikörpertherapie entschieden, doch auch bei dieser Behandlung musste sie erstmal pausieren. „Mit der Konsequenz, dass sich meine Werte drastisch verschlechtert haben. Jetzt fangen wir langsam wieder an. Mir geht es mittlerweile psychisch sehr schlecht. Aber davon will keiner hören. Jeder Arzt kümmert sich wirklich nur um sein Fachgebiet, fast niemand sieht den Patienten als Ganzes”, hat Petra Rohde die Erfahrung gemacht. Sie will die Mediziner nicht schlecht reden, mit denen sie in den letzten Jahren zu tun hatte.

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„Die geben ihr Bestes. Aber sie stoßen oft an ihre Grenzen. Überall geht es nur noch ums Geldverdienen, auch in den Kliniken. Ob die Beschäftigten wollen oder nicht.”

Lieber für Krebs-Forschung

Warum stecke man die Rüstungsmilliarden nicht in die Krebs-Forschung oder in Erholungszentren für Patienten, Hospize und, und, und, fragt die Krebskranke. „Nein, diese Einrichtungen müssen um Spenden betteln. Ich könnte vor Wut heulen, wenn ich so etwas höre.” Mit ihrem Protest hält die Rentnerin schon lange nicht mehr hinterm Berg. Selbst auf einer Corona-Demo hat die Frau öffentlich gesprochen, „weil ich glaube, dass die Maßnahmen der Regierung das Problem im Gesundheitswesen weiter zugespitzt haben. Wenn jetzt noch wegen der Impfpflicht tausende Pfleger und Ärzte gekündigt werden, bricht doch alles zusammen.” Sie wisse nicht, warum so weltfremde Entscheidungen getroffen würden: „Die da oben haben doch auch nur ein Leben, und das kann schnell zu Ende sein, wenn sie schwer erkranken. Das habe ich auch der Ministerpräsidentin von Meck-Pomm, Manuela Schwesig (SPD), gesagt, die ja leider selbst Brustkrebs hat. Sie müsste doch wissen, dass es bei der Versorgung mittlerweile an allen Ecken klemmt und man sich manchmal einfachste Hilfsmittel nicht mehr leisten kann. Aber vermutlich bekommen Politiker eine andere Behandlung.”

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