FFP2-MASKEN

Stütze-Empfänger aus Prenzlau fordert Gratismasken

Thomas Heinecke ging davon aus, dass ihm als Bedürftigem zehn FFP2-Masken zustehen. Doch da hatte sich der 34-Jährige geirrt.
Fast überall sind jetzt FFP2-Masken Pflicht.
Fast überall sind jetzt FFP2-Masken Pflicht. Till Simon Nagel
Prenzlau ·

Die Bundesregierung stellt 50 Millionen FFP2-Masken für Menschen bereit, die Arbeitslosengeld II beziehen. Betroffene haben Anspruch auf zehn kostenlose Schutzmasken – Thomas Heinecke aus Prenzlau war heilfroh, als er zu Jahresbeginn diese Nachricht vernahm. Der 34-Jährige ist zwar nicht beim Jobcenter gemeldet, sondern bezieht seine Einkünfte vom Sozialamt. Doch der Vater eines dreijährigen Sohnes ging davon aus, dass die besagte Gratislieferung von Masken auch für Menschen in seiner Einkommenssituation gilt. Aber da hatte sich der Sozialhilfeempfänger getäuscht, wie er dieser Tage feststellen musste. „Ich war schon verwundert, warum nur meine Freundin, die Hartz IV bezieht, die Benachrichtigung dafür bekam”, erinnert er sich. Eine Nachfrage bei der für ihn zuständigen Behörde habe dann ergeben, dass das seine Richtigkeit hat, bedauert der Familienvater.

Nur bei ALG II

Auf der betreffenden Seite der Bundesregierung ist nachzulesen, dass der besagte Anspruch konkret nur auf alle Personen zutrifft, die Arbeitslosengeld II nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch beziehen. Das findet der aktuell erwerbslose Mann ungerecht. Ihm blieben nach Abzug aller Verbindlichkeiten rund 290 Euro im Monat zum Leben, rechnet Heinecke dem Uckermark Kurier vor: „Das reicht doch hinten und vorne nicht. Wie soll ich davon denn noch ständig Masken bezahlen?” Er sei zwar seit 2017 zu Hause, müsse also nicht mehr täglich zum Job in die Werkstatt für Menschen mit Behinderung fahren, wo er über zwölf Jahre beschäftigt war: „Aber man braucht diese speziellen Masken ja jetzt überall – beim Einkauf, beim Busfahren oder wenn man das Kind aus der Kita holen will, die Stoffmasken reichen nicht mehr.” Thomas Heinecke will mit seinem Gang an die Öffentlichkeit bewirken, dass die Regierung diese Versorgungslücke schließt.

Einmalige Unterstützung

Sozialamtsleiter Marko Ulrich versicherte auf Nachfrage, dass auch den Empfängern von Sozialhilfe durch das Sozialschutz-Paket III geholfen werden soll. Der Bundesrat habe diesem Gesetz am 5. März zugestimmt.
Demnach soll Sozialhilfeempfängern eine einmalige finanzielle Unterstützung in Höhe von 150 Euro je Person ausgereicht werden. Das Geld soll einen zusätzlichen finanziellen Handlungsspielraum schaffen, um pandemiebedingte Mehrausgaben (z. B. Kauf von Masken) finanziell auszugleichen. Das Gesetz ist gegenwärtig aber noch nicht in Kraft getreten. Dennoch laufen bereits die Planungen und Vorkehrungen im Sozialamt, um die technischen Umsetzungsvoraussetzungen zu schaffen, um zeitnah die zusätzlichen Hilfeleistungen auszahlen zu können. Die Auszahlung ist für den Mai 2021 geplant.

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Kommentare (4)

FFP2-Masken können Sie von mir gratis bekommen. Ich schnalle mir nur blaue OP-Masken um. Sollten FFP2-Masken gegen Viren mehr taugen, wären diese seit Jahrzehnten in OP-Sälen verpflichtend. FFP2-Masken sind Bauarbeitermasken, gegen alle möglichen Stäube, wie z.B. Asbest oder intensiver Beton- oder Steinstaub, vor Corona nur im Baumarkt erhältlich. Man muss lang genug entsprechende Angst und Hysterie verbreiten, um große Teile der Bevölkerung zu verunsichern. Dies kann der Kopf des derzeitigen Fisches am Besten.

Glückwunsch sie haben die Facepalm des Monats gewonnen.

Ist das jetzt ein Fachbegriff? Warum ist der zuhause?

🤔🥳

Lieber Kommentarleser,
es ist selbst für Schreiber und Leser des Nordkuriers schwierig, die korrekte Bezeichnung für verschiedene Transferleistungen, die der Sozialstaat bereit hält, auseinanderzuhalten.
Ist man arbeitslos und hat lange genug in die Arbeitslosenversicherung einbezahlt, so gibt es das ALG I, also Arbeitslosengeld. Orientiert sich in der Höhe prozentual am letzten Nettoverdienst. Ist dieses zeitlich begrenzte ALG I ausgeschöpft, oder man hat nicht in die AL-Versicherung einbezahlt, wie viele Selbstständige, die Corona-bedingt vor dem Aus stehen, rutscht man automatisch in die ALG II, auch nach einem rechtskräftigen Amigo von Ex-Kanzler Schröder benannten Hartz IV. Ist man bedingt nicht mehr arbeitsfähig, also mehr als eine bestimmte Stundenzahl pro Tag, greift die im Artikel beschriebene "Stütze", auch Sozialhilfe genannt. Dann gibt es noch das System der Grundsicherung, also wenn die Rente nicht reicht. Fazit: die genannten Systeme haben ein und die selbe Aufgabe: die Menschen vor dem Hungertod zu bewahren. Menschenwürdig ist keines der Systeme, da der durch bestimmte TV-Formate propagierte Klischee-Neid eines suggeriert: ihr seid selber schuld. Das mag oft genug nicht stimmen, aber viele Menschen geben irgendwann auf und ergeben sich ihrem Schicksal. Eines jedoch zeigt deutlich auf: Anstatt das Geld den Bedürftigen zu geben, werden Unsummen durch parallel arbeitende Systeme in der Verwaltung verschlungen. Eine Behörde, ein Bürgergeld, kurze Wege sind ein Wunschtraum, wie sich im Umgang mit der Pandemie zeigt: Hat man 1€ zuviel auf der Bank, machen diese Behörden ein Fass auf. Der Staat hingegen lässt sich trotz seiner aufgeblähten Bürokratie Millionen durch Kriminelle mit gefakten Identitäten aus der Tasche ziehen. Zu leiden haben die, die am wenigsten dafür können. Der Auszahlungsstop der Corona-Hilfen stürzt viele in die Verzweiflung und in den Ruin, während sich gewählte Volksvertreter ohne Reue auch noch bereichern.
Das wird die Politikverdrossenheit und die Glaubwürdigkeit der Politiker nicht besser machen.
Abgerechnet wird im Herbst bei der Wahl.