POLIZEI WARNT

Tausende Euro von Uckermärkerin ergaunert

Mehrere Betrugsmaschen kursieren derzeit in der Uckermark. Wer einen Verdacht hat, sollte sofort auflegen und sich an die Polizei wenden.
Bei vermeintlich verlockenden Angeboten übers Telefon sollten die Alarmglocken klingeln.
Bei vermeintlich verlockenden Angeboten übers Telefon sollten die Alarmglocken klingeln. Jan-Philipp Strobel
Uckermark ·

Annegret Schuster* (Name von der Redaktion geändert) hat einige Wochen gebraucht, um die Erlebnisse rund um den Betrug vom November 2019 zu verarbeiten. Ihr Schamgefühl wog schwer. In nur zwei Tagen hatte ein Betrüger sie um fast 3000 Euro gebracht. „Es ist für mich eine unheimlich hohe Geldsumme“, gestand die Rentnerin, „mein Erspartes”. Das Geld ist wohl für immer verloren, die Täter kaum zu ermitteln. Jetzt will die Uckermärkerin zumindest andere vor der üblen Betrugsmasche warnen.

Codes von Guthabenkarten

An den besagten Tagen im November habe sie ein Mann mit Berliner Vorwahl angerufen. Er stellte sich als Mitarbeiter einer Geldtransporterfirma mit dem Namen „Seco” vor. Er gratulierte ihr zu einem Lotto-Gewinn in Höhe von 38.700 Euro. Die Geldübergabe solle zeitnah vonstatten gehen. Für Transport- und Notarkosten müsste die Gewinnerin allerdings 900 Euro vorab bereitstellen. Nicht in Bar oder per Überweisung, sondern in Form von Guthabenkarten für die Spielekonsole „Playstation“. Solche Karten werden in fast allen Supermärkten und Tankstellen verkauft. Sie basieren auf Codes, die einzulösen sind. Der Mitarbeiter führte „Sicherheitsgründe“ an. Auch gab er an, in Kontakt mit der „Bundeskasse“ zu stehen, so Schuster. Die Couponcodes sollte die Uckermärkerin jeweils am Telefon übermitteln.

Versicherung für Gewinn

„Er klang sehr vertrauenswürdig“, sagte Schuster. Aber nur zu Beginn. Der Mann ließ nicht locker. Unentwegt habe er sie angerufen und nach dem aktuellen Stand gefragt. „Er hat mich richtig gedrängelt.“ Als sie das Guthaben im Wert von 900 Euro per Telefon durchgegeben hatte, fragte sie, ob die Geldübergabe nun stattfinden könne. Der Mitarbeiter merkte an, dass es an diesem Tag nun zu spät sei. Parallel dazu tischte er eine zweite Geschichte auf. Ihr Gewinn sei plötzlich auf 83 000 Euro angewachsen. Dazu müsste jedoch eine Versicherung in Höhe von 4000 Euro gezahlt werden, von der sie erst die Hälfte und dann die volle Summe zahlen sollte.

Persönliche Daten

Die 2000 Euro habe sie noch gezahlt, gestand die Uckermärkerin. Doch als sie dann die komplette Summe begleichen sollte, wurden ihre Zweifel zu groß. Sie rief bei der Bundesbank an, die sie auf die Ungereimtheiten hinwies. Gleich danach stellte sie eine Anzeige bei der Polizei. Dass sie den Betrug nicht früher durchschaut habe, ärgert sie noch heute. Auch, dass sie niemanden zu Rate gezogen habe. Die Betroffene erzählte, dass der Mitarbeiter eine Menge persönliche Daten von ihr besessen habe. Sie fürchtete, er könne diese gegen sie verwenden.

Angehörige kontaktieren

Gerald Pillkuhn, Polizeisprecher bei der Polizeiinspektion Uckermark, kennt die oben geschilderte Betrugsmasche. In dieser oder einer leicht abgeänderten Form sei sie den Polizisten schon öfters geschildert worden. Die Täter wären schwer zu ermitteln. Sie agierten unter falschen Namen. Sobald die Couponcodes über das Telefon durchgegeben wurden, sind sie wertlos. Bei solchen Fällen sollte immer sofort die Polizei eingeschaltet werden, betonte Pillkuhn. Wichtig sei auch, das Gespräch mit Angehörigen zu suchen.

Rufnummer mit 110

Der Polizeisprecher wies in diesem Zusammenhang auf eine andere Betrugsmasche hin, die ebenfalls aktuell in der Uckermark die Runde mache. Betrüger tarnen sich als falsche Polizisten und versuchen unter einem Vorwand die Angerufenen zu überzeugen, dass sie Geld oder Wertgegenstände an einen Dritten übergeben sollen. Vorwände seien etwa, dass das Geld auf der Bank oder im Schließfach nicht mehr sicher sei, dass ein Einbruch drohe oder „Falschgeld überprüft“ werden müsse. Mitunter verlangten die Betrüger, dass das Geld auf ein ausländisches Tagesgeldkonto eingezahlt werden solle. Das Vertrauen wird dadurch suggeriert, dass eine „110“ als Rufnummer angezeigt wird.

Sofort auflegen

Die Polizei würde niemals Falschgeld gegen Quittung abholen, betonte Pillkuhn. Auch würde die Polizei nicht unter der Rufnummer „110“ bei Bürgern anrufen. Beim leisesten Verdacht sei es deshalb angebracht, den Hörer umgehend aufzulegen. Auch sollte die echte Polizei kontaktiert werden. Für Einige kommt die Warnung zu spät.

17.000 Euro weg

In den vergangenen Wochen wurden auf diesem Wege bereits mehrere Tausend Euro in der Uckermark ergaunert, berichtete der Polizeisprecher. Vornehmlich in den Städten Schwedt, Angermünde und Prenzlau. Im Bereich Angermünde haben die Betrüger in nur einem Fall unlängst 17.000 Euro erbeutet.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Uckermark

zur Homepage