Der Uckermärker Dr. Andreas Heinrich ist der Autor des aktuellen Gastkommentares.
Der Uckermärker Dr. Andreas Heinrich ist der Autor des aktuellen Gastkommentares. NK/Archiv
Gastkommentar

Therapievorschlag: Lebenslanges Schweigegelübde für Gauck

Der Uckermark Kurier veröffentlicht regelmäßig Gastkommentare zu aktuell brisanten Themen. Der Uckermärker Dr. Andreas Heinrich schrieb unter der Headline: „Anfallsleiden”.
Prenzlau

Das Symptom: Nahezu im Monatstakt sind bei Altbundespräsident Joachim Gauck schwerwiegende Arroganzanfälle zu diagnostizieren, die mittlerweile schon einen pathologischen Charakter aufweisen.

Die Befunde: Im März 2022, kurz nach dem Einmarsch der Russen in die Ukraine, verstieg sich Gauck zum mittlerweile berüchtigten Slogan „Frieren für den Frieden“, einer Fundgrube für jeden Kabarettisten. Nur knapp sechs Wochen später war es aus seiner Sicht durchaus zumutbar, wenn wir durch einen Boykott russischer Energielieferungen „dadurch eine Delle und sechs Prozent Arbeitslosigkeit haben“ (siehe Nordkurier vom 22. April 2022). Schon als ich das damals las, fiel mir fast meine Kaffeetasse aus der Hand.

Kürzlich nun am 13. Juli bei „LANZ“ war dieser Mensch mal wieder in einer Talkshow und wiederholte seine Auffassung, dass es zu ertragen sei, wenn „bei uns die Temperaturen heruntergedimmt“ werden. „Eine Wohlstandslücke könne man auch überleben“, so der Bundespräsident a.D.

Abschließbares Klo für 52 000 Euro

Alle drei Äußerungen belegen, wie abgehoben dieser ehemalige Repräsentant und Staatsnotar dieses Landes inzwischen geworden ist. Nun, bei einem „Ehrensold“ von jährlich 236 000 Euro, einem (nach Recherche des SPIEGEL) neuen abschließbaren Klo von 52 000 Euro und weiteren Personalausgaben von jährlich (!) etwa 385 000 Euro (ohne Einberechnung der 197 Quadratmeter an Büroflächen) kann man natürlich sich zurücklehnen und den Untertanen gute Ratschläge geben.

Nicht, dass man mich missversteht: ich kritisiere nicht, dass jemand für gute Leistung auch gut entlohnt wird. Aber wenn man aus öffentlichen Mitteln alimentiert wird, gibt es hohe Maßstäbe. Auch ich bin mir dessen bewusst, denn meine Besoldung wird aus den Steuermitteln der Stadt finanziert. Und damit erwächst meine Verantwortung, den Menschen dieser Stadt nicht arrogant gegenüberzutreten, sondern mich in ihre konkrete Lebenssituation hineinzudenken. Diese Empathie hat Gauck anscheinend nicht.

Lichtjahre vom Volk entfernt

Diese „fortdauernde Amtsausstattung zur Wahrnehmung nachwirkender Aufgaben“, vom Bundesrechnungshof schon 2018 als „Automatismus der lebenslangen Vollausstattung“ bezeichnet, ist ein Witz, und Gauck, der ja schon seit seinem Amtsende eine deutlich großzügigere Ausstattung als alle seine Amtsvorgänger in Anspruch nimmt, entblödet sich nicht, dies jenen Menschen vorzuschlagen, die seit Monaten mit einer deutlich spürbaren Inflationswelle an den Tankstellen und im Supermarkt zu kämpfen haben. Und die mit großer Angst auf den kommenden Winter und die damit einhergehenden Preissteigerungen bei den Heizkosten oder gar Absenkungen oder gänzlichen Einstellungen von Heizlieferungen blicken. Noch deutlicher kann man nicht belegen, dass Gauck sich Lichtjahre von dem Volk entfernt hat, welches ihm seine lebenslange, fortdauernde Amtsausstattung finanziert.

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Gauck als Theologe dürfte Matthäus 23 kennen: „Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern und sprach: Auf dem Stuhl des Moses sitzen die Schriftgelehrten und die Pharisäer. Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht handeln; denn sie sagen’s zwar, tun’s aber nicht. Sie binden schwere und unerträgliche Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen keinen Finger dafür rühren. Sie machen ihre Gebetsriemen breit und die Quasten an ihren Kleidern groß. Sie sitzen gern obenan beim Gastmahl und in den Synagogen und haben’s gern, dass sie auf dem Markt gegrüßt und von den Leuten Rabbi genannt werden.“

Hat Gauck überhaupt noch eine Selbstwahrnehmung, wie man als jemand, der großzügig mit öffentlichen Mitteln lebenslang alimentiert wird, vom Bürger wahrgenommen wird? Hinterfragt er das mal?

Ich verweise an dieser Stelle auf den ehemaligen Reichskanzler des Deutschen Reiches Otto Fürst von Bismarck. Der sagte mal: „Charakter ist gleich Talent minus Eitelkeit minus Arroganz“.

Jeder möge sich nach dieser Formel den Charakter von Joachim Gauck ausrechnen!

Therapievorschlag: Schweigegelübde

Ach so, natürlich hätte ich auch noch einige Therapievorschläge für solche Heuchelei, die mildeste Therapie wäre ein lebenslanges Schweigegelübde für Gauck. Zwar teuer erkauft, aber es trägt mindestens genauso zum Frieden bei, wie Frieren.

 

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Kommentare (1)

Ratschläge von alten, reichen Leuten, wie Ärmere ihr Überleben wuppen, klingen immer dumm. Entscheidend ist aber nicht ein Gauck sondern die Bundesregierung, die Schaden vom Volk abwehren muss. Da sind verbreitete Duschzeitprosa, Schulterzucken in die Kamera und die Blödelei, man hätte nur eine Gas- aber keine Stromkrise, weitaus gefährlicher für die Zukunft Deutschlands.