Tierarzt Sven Sturmat zeigte „Pechvogel“ Lucy, bevor das Tier zu einem Spezialisten gebracht wurde, der es operier
Tierarzt Sven Sturmat zeigte „Pechvogel“ Lucy, bevor das Tier zu einem Spezialisten gebracht wurde, der es operierte. Michaela Kumkar
Spendenaktion

Tierfreunde zeigen Herz für Templiner „Pechvogel”

Eine Katze hatte sich bei einem Sturz aus dem Fenster schwer verletzt. Nur eine Operation konnte helfen. Die Kosten hätten ihren Besitzer überfordert.
Templin

Das muss für den Besitzer der schwarz-weißen Lucy ein ordentlicher Schreck gewesen sein: Am Sonntag war die Katze aus ziemlicher Höhe aus dem Fenster gefallen. Der Templiner meldete sich bei Tierarzt Sven Sturmat, der Bereitschaftsdienst hatte. „Er erzählte, dass die Katze humpelte. Ich habe ihm geraten, noch abzuwarten, bevor er in die Praxis kommt.“ Doch die Beschwerden hielten an. Einen Tag später sei der Mann mit seiner Katze in die Praxis gekommen. Die Röntgenaufnahme habe gezeigt, dass sich das Tier einen komplizierten Oberschenkelbruch zugezogen hatte. „Einen Splitterbruch, der dringend operiert werden musste“, so Sven Sturmat. Daraus hätte leicht eine offene Fraktur werden können. Das Risiko, dass es durch den gesplitterten Knochen zu einer Perforation der Haut hätte kommen können, aus der eine Infektion wird, sei groß gewesen. „Das wäre das Todesurteil für das Tier gewesen“, so der Fachmann.

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Die Kosten für die Operation bedeuteten für Lucys Besitzer, der Rentner und gesundheitlich eingeschränkt ist, jedoch eine finanzielle Herausforderung. „Er erzählte uns, dass er 500 Euro aufbringen könne“, erzählte Sven Sturmat. Die noch ausstehenden 400 Euro habe er in Raten abzahlen wollen. Sven Sturmat und seine Frau Henrike hatten daraufhin die Idee, dafür eine Spendenaktion zu starten und die Besitzer der Tiere, die in der Praxis behandelt werden, um Unterstützung zu bitten. „Wir haben ein kleines Sparschwein aufgestellt und auf die Aktion über Facebook hingewiesen“, ließ Henrike Neumann wissen. Die Reaktion sei großartig gewesen. „Innerhalb von anderthalb Tagen kam die Summe zusammen“, so Sven Sturmat. Er hatte sich gleich, nachdem der Befund klar war, an seinen Kollegen Dr. Sören Klein in Basdorf gewandt. „Er ist Spezialist für solche Operationen.“ Wegen der besonderen Situation von Lucys Besitzer habe er auf einen Teil der Kosten verzichtet. Die Operation wäre ansonsten teurer gewesen. Blieb nur noch die Frage zu klären, wie Lucy nach Basdorf kommt. Auch dafür fand sich eine Lösung. Michael Neumann, der Vater von Henrike Neumann und Inhaber einer Heizungs- und Sanitärfirma, hat gerade einen Auftrag in Berlin. Also übergab Sven Sturmat die Katze am Donnerstagmorgen an Detlef Kemnitz, Mitarbeiter von Michael Neumann, der sie beim Tierarzt abgab. „Die Operation ist mittags eingeplant“, sagte Sven Sturmat. Anschließend werde das Tier von Michael Neumann wieder abgeholt und nach Templin gebracht. Die Aussichten für die Katze, dass sie nach der Operation zurechtkommt, seien gut.

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Dass Lucys Besitzer sehr an dem Tier hängt und wie wichtig es für ihn in seiner Lebenssituation ist, weiß auch Heike Rutkowski, Vorsitzende des Templiner Tierschutzvereins. Er hatte nach dem Unglück bei ihr angerufen und gefragt, was er nun machen soll. Der Templiner hatte sich die Katze vor fünf Jahren aus dem Tierschutz geholt. Heike Rutkowski kann sich noch gut an den Moment erinnern, als er bei ihr war. „Die Katze ist sofort auf ihn zugegangen. Sie hat ihn sich sozusagen ausgesucht.“ Tierarzt Sven Sturmat und seine Frau Henrike Neumann möchten sich bei allen, die geholfen haben, bedanken. Henrike Neumann fühlt sich an ein afrikanisches Sprichwort erinnert, das zu der gezeigten Hilfsbereitschaft passt: Viele kleine Leute, die an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.

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