Spendenaktion

Tod der Mutter stürzt Kinder ins Chaos

Tagelang wurde die Templinerin (45) vermisst, dann durch Zufall tot vom Sohn (19) entdeckt. Dieser steht seitdem unter Schock. Freunde wollen helfen.
Julian Hünger und Carolina Herzog (rechts) waren sofort zur Stelle, als der Sohn des Opfers in Not geriet. Jetzt manangt
Julian Hünger und Carolina Herzog (rechts) waren sofort zur Stelle, als der Sohn des Opfers in Not geriet. Jetzt manangt Doreen Herzog (Mitte) eine großangelegte Hilfsaktion und hofft auf das Mitleid und die Wohltätigkeit der Uckermärker. Claudia Marsal
Nicht nur die Beerdigungskosten haben die Kinder jetzt zu schultern.
Nicht nur die Beerdigungskosten haben die Kinder jetzt zu schultern. Sophia Kembowski
Nach dem Leichenfund eilten Spurensicherung und Kripo an den Ort des Geschehens in der Templiner Ringstraße.
Nach dem Leichenfund eilten Spurensicherung und Kripo an den Ort des Geschehens in der Templiner Ringstraße. Sigrid Werner
Templin

Der rätselhafte Tod einer 45-jährigen Frau bewegt zurzeit viele Uckermärker. Die zweifache Mutter war vergangene Woche von ihrem 19-jährigen Sohn leblos in der Wohnung gefunden worden, der Uckermark Kurier berichtete. Dem vorausgegangen sein soll die verzweifelte Suche des Jungen, der sich tagelang wegen ihres plötzlichen Verschwindens gesorgt hatte. „Leon konnte nicht glauben, dass sie einfach so weggegangen ist, ohne ihm Bescheid zu sagen“, berichteten zwei seiner besten Freunde beim Interview in der Redaktion des Uckermark Kurier. „Seine Mama und er hatten ein super Verhältnis. Dass sie einfach so abhaut, war undenkbar. Sie haben schließlich zusammen gewohnt und immer viel Zeit gemeinsam verbracht“, betont Mechaniker-Azubi Julian Hünger.

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Der 18-Jährige konnte deshalb auch verstehen, dass sein Kumpel das Schlimmste annahm und die Polizei fast schon anflehte, die Suche nach der Vermissten endlich aufzunehmen. „Aber da hieß es anfangs immer, dass sie erwachsen sei und man nichts machen könne“, ärgert sich Freundin Carolina Herzog.

Versteckt in Schlafstube

Die angehende Erzieherin aus Gerswalde berichtete auch sofort der eigenen Mutti von dem Drama. „Mich hat das total entsetzt“, räumt Doreen Herzog ein. Die 44-Jährige malte sich aus, wie furchtbar es wäre, wenn ihre 18-jährige Tochter nicht wüsste, wo sie ist: „Aber wie schlimm es in diesem Fall noch enden sollte, konnte ja niemand von uns wissen.“ Zum Glück waren die Freunde des Sohnes sofort zur Stelle, als dieser durch Zufall seine tote Mutter gefunden hatte – die vermutlich tagelang unbemerkt versteckt in ihrer Schlafstube gelegen hatte.

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Weil die Wohnung von der Polizei versiegelt wurde, lebt der Sohn aktuell bei Freunden, die ihm Unterschlupf gewähren. „Leon ist seitdem wie versteinert. Wir würden ihm so gern helfen, aber wissen nicht wie“, sagen die beiden Azubis. Ihnen ist klar, dass neben dem unvorstellbaren Trauma nun auch finanzielle Sorgen zu erwarten sind.

„Er bekommt als Lehrling im Bau ja nur ein kleines Gehalt. Bis jetzt hat er seine Ausgaben zusammen mit der Mutter bestritten, die sich als Reinigungskraft etwas dazu verdiente. Doch eigentlich war Geld immer knapp in der Familie, die von Hartz IV lebte – trotz des Fleißes der alleinerziehenden Mutter und ihres Sohnes.“

Beerdigung und Wohnungsauflösung

Auch eine 22-jährige Schwester gehört noch zur Familie. Sie ist selbst schon Mama und ebenfalls geschockt von dem unfassbaren Geschehen. „Auf diese beiden Kinder kommt jetzt Unvorstellbares zu“, prophezeit Doreen Herzog: „Sie werden ihre Mama beerdigen müssen und vermutlich die Wohnung aufzulösen haben, weil sich Leon die Miete allein nicht leisten kann. Sohn und Tochter brauchen jetzt Hilfe in jeder nur erdenklichen Art. Wir würden gern eine Welle der Unterstützung anschieben.“

Die Ermittlungen der Kripo sind noch nicht abgeschlossen. Herrin des Verfahrens ist mittlerweile die Staatsanwaltschaft Neuruppin. Der dort zuständige Pressesprecher erklärte auf Nachfrage, dass man die Obduktion angeordnet habe. Die Leichenschau sei, so Oberstaatsanwalt Dr. Andreas Pelzer, auch schon durchgeführt worden, „allerdings mit einem überraschenden Ergebnis. Es sind nach wie vor wesentliche Fragen zu Todesursache und -umständen offen, denen ich nicht vorgreifen möchte.” Zu dem Gerücht, dass nach dem Freund der Frau gefahndet werde, wollte er sich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern. Auch nicht dazu, ob es überhaupt einen Tatverdächtigen gebe.

Spenden per Paypal

Wer Geld spenden oder sich helfend einbringen möchte, kann sich an Doreen Herzog wenden. „Ich stelle mir immer vor, dass das meine Sprösslinge sind, die da so mutterseelenallein mit dieser Tragödie stehen. Da blutet mir wirklich das Herz“, setzt die Gerswalderin abschließend hinzu: Kontakt: Tel. 0172 3125357; Email: [email protected] (auch für Paypal-Spenden).

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Kommentare (2)

Es muss übergangsweise Hartz-IV neu berechnet werden, bis eine angemessene Wohnung gefunden. Verstorbene und Hinterbliebener bildeten eine Bedarfsgemeinschaft nach SGB II.

was braucht´s der Worte mehr?