HOTELBETT-PFLICHT

Trucker schimpft: Kabinenschlafverbot ist Unfug

Nicht mehr in ihrer Koje übernachten sollen Lkw-Fahrer. Zumindest am Wochenende verbietet die EU nun das Schlafen im Brummi. Das sorgt für Protest.
Gert Volzke aus Kleptow durfte sich seine Fahrerkabine mit allen Extra selbst konfigurieren. Ein bequemes Bett gehörte da
Gert Volzke aus Kleptow durfte sich seine Fahrerkabine mit allen Extra selbst konfigurieren. Ein bequemes Bett gehörte dazu. Claudia Marsal
Kleptow.

Im EU-Parlament wird es momentan gefeiert, das neue Mobilitätspaket, welches die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Truckern als Hauptziel haben soll. Viele Brummifahrer sind allerdings alles andere als begeistert von den neuen Regelungen. Vor allem ein wichtiger Punkt stößt ihnen sauer auf: das Kabinenschlafverbot. Dieser Passus besagt, dass die Ruhezeit am Wochenende nicht mehr im Lkw verbracht werden darf, sondern sich die Fahrer eine „ordentliche“ Unterkunft im Hotel oder einer Herberge suchen müssen. Dauerhafte Übernachtungen an Bord sollen damit der Vergangenheit angehören.

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Gert Volzke hat die Debatte über das neue Gesetz seit Monaten verfolgt. Jetzt, wo die Entscheidung mehrheitlich durchgewinkt worden ist, fehlen ihm beinahe die Worte. „Anfangs habe ich ja gedacht, das ist ein schlechter Scherz“, sagt der 60-Jährige. Jeder wisse doch, wie es um die Bezahlung in der Branche bestellt sei. Auf die Idee, sich ein Hotelzimmer zu nehmen, komme wohl niemand, setzt der Kleptower hinzu. Er selbst fährt seit 20 Jahren Vieh durch die Republik. In der Anfangszeit ist er auch oft im Ausland gewesen. Über 20 Mal stempelte man seinen Pass in Russland ab. Doch nach der 21. Tour Richtung Sibirien warf der Uckermärker das Handtuch. „Ich war wegen meines deutschen Nummernschildes als Hitler beschimpft und sogar mit einer Pistole beschossen worden“, erinnert sich Gert Volzke zurück.

Arbeitgeber gewechselt

Jedenfalls habe er an diesem Zeitpunkt den Arbeitgeber gewechselt und seitdem nur noch deutsche Touren. Zwei Wochen am Stück ist der Familienvater immer unterwegs, um Rinder und Schweine zu den Schlachthöfen zu bringen. Gefragt, was ihn an dem Job nervt, kommen nicht etwa die Rahmenbedingungen zur Antwort. „Mir geht es auf dem Bock doch verhältnismäßig gut. Ich habe den Lkw bei der Anschaffung selbst konfigurieren dürfen und alle Ausstattungsmodule gewählt. Das Bett ist super bequem, ich habe sowohl eine Kaffeemaschine als auch einen großen Kühlschrank an Bord. Selbst Hitze draußen macht mir nichts aus, weil die Kabine eine Standklimaanlage hat“, schwärmt Volzke, während er ein Extra nach dem anderen vorführt.

Nicht ohne Lkw

Die Nacht getrennt vom Lkw zu verbringen, scheide aber auch noch aus anderen Gründen aus, betont der Trucker. „Niemand von uns lässt sein Fahrzeug gern unbewacht irgendwo stehen, schon gar nicht, wenn er noch Ladung hat.“ Hinzu komme der zeitliche Aufwand, den so eine Übernachtungspflicht bringen würde. „Ich kann mir doch nach dem Schweineentladen nicht einfach ein Taxi nehmen und mich zur nächsten Pension bringen lassen“, führt der Kleptower weiter aus.

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„Dann muss ich erst den Lkw sauber machen und eine Dusche nehmen, sonst nimmt mich niemand mit. Da vergehen aber schon ein, zwei Stunden – und Zeit ist kostbar in unserem Geschäft.“ Deshalb steuere er dann eine Raststätte oder einen Autohof an und freue sich im Anschluss auf sein Bett in der Kabine, versichert Gert Volzke. „Ich glaube nicht, dass sich die Speditionen die neue Regelung lange gefallen lassen. Sonst proben wir Fahrer mal den Aufstand. So geht es schließlich nicht.“

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Kommentare (3)

Das heisst auch, wenn Ihr an einer simplen Autobahnraststätte parkt, dort nicht übernachten. Europa will nicht und macht nicht mehr lange. Der im Artikel angedrohte Aufstand ist nicht nötig.

Erst schießen, dann fragen.
Wo sollen denn unsere "Corona Helden" schlafen, wenn die Schichtzeit vorbei ist?
Schlimm genug, dass die Herren, Damen und Diverse sich nicht mal ordentlich pflegen können unterwegs.
Der Hintergrund wird natürlich sein, dass vermieden werden soll, dass osteuropäische Fahrer monatelang in ihren Karren hausen und nicht nach Hause kommen.
Dieses Problem kann man auch simpler lösen ohne diese sinnfreien, allgemeinen Verbote.

Gut gemeint, aber an den Bedürfnissen zumindest einiger Betroffener vorbei. Schade, da hat sich Europa vermutlich mal wieder keinen Gefallen getan…