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Was, wenn plötzlich das Licht ausgeht? Die Kommunen wollen wenigstens in einzelnen Gebäuden für Licht sorgen, um Hilfen und das gesellschaftliche Leben organisieren zu können. Foto: Axel Heimken Axel Heimken
Blackout

Uckermärker Kommunen bereiten Notfallpläne vor

Mit der Energiekrise wird ein Blackout der Energieversorgung erstmals zu einem möglichen Szenario. Templin und Prenzlau wollen gewappnet sein.
Templin

Immer häufiger ist die Rede von der wachsenden Wahrscheinlichkeit eines Blackouts in der Energieversorgung. Denn Deutschland muss nicht nur wegen des Krieges die Abhängigkeit von russischem Gas beenden, sondern wegen der Klimakrise überhaupt weg von fossilen Brennstoffen. Wenn Wind und Sonne wetterbedingt nicht genug Energie liefern und leistungsfähige Speicherkapazitäten die Stromlücken nicht ausreichend abfedern können, könnte es eng werden.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund jedenfalls hat am Wochenende wegen der Energiekrise schon mal vor größeren Stromausfällen gewarnt. Zum Beispiel, wenn das Gas doch knapper werden sollte und Verbraucher verstärkt auf elektrische Geräte zurückgreifen. In der Uckermark scheint das Thema angekommen zu sein.

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Die Stadt Templin hat Anfang September ihren Krisenstab reaktiviert, berichtet Bürgermeister Detlef Tabbert (Linke). „Bisher hatten wir dabei immer nur Stürme im Blick. „Jetzt überarbeiten wir gerade unsere Notfallpläne, um die sensible Infrastruktur auch bei anderen Großereignissen und länger als nur ein paar Stunden aufrecht erhalten zu können“, sagt Tabbert. Am 4. Oktober soll das auch Thema in der Beratung mit den Ortsbeiräten sein. Der Krisenstab habe zuletzt bei großen Sturmereignissen gut funktioniert, als einzelne Ortschaften über Stunden keinen Strom hatten.

Tabbert lobt die Zusammenarbeit mit Feuerwehren, Technischem Hilfswerk, DRK, Verwaltungen, engagierten Bürgern, Energieversorgern und dem Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserentsorgung (ZVWU). „Heute müssen wir davon ausgehen, dass Großereignisse nicht mehr nur lokal begrenzt sind“, so Detlef Tabbert.

+++ Deutschland drohte im Juni mehrfach der Blackout +++

Er wisse von Netzversorgern, dass das Wiederanfahren mehrere Tage und bis zu zwei Wochen dauern könne. Die Stadt wolle darauf vorbereitet sein und möglichst lange handlungsfähig bleiben. „Wir sind schon seit einiger Zeit dabei, unsere Feuerwehrgerätehäuser, wie bereits in Templin, jetzt auch in den Ortsteilen elektrisch inselfähig zu gestalten, um in jedem größeren Ort wenigstens ein Gebäude zu haben, das noch Energie hat, in dem Verwaltung und Rettungskräfte agieren und Hilfen vor allem für die besonders Schutzbedürftigen organisieren können. Das heißt, selbst wenn die gesamte Netzversorgung ausfalle, sollen dort Strom und Heizung komplett autark über Notaggregate funktionieren.

Gewöhnliche Solaranlagen auf dem Dach helfen nicht, da sie stets einen Netzanschluss benötigen. „Außerdem haben wir mit einem Mineralölanbieter eine Vereinbarung, die uns im Notfall Zugriff auf eine Tankkapazität von 90.000 Liter Kraftstoff erlaubt. Damit können im Ernstfall Feuerwehrfahrzeuge, Rettungsdienste ausrücken“, so Tabbert. Das sollte zehn Tage reichen.

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Derzeit prüfe man die Ausstattung von Krankenhaus und Pflegeeinrichtungen für solche Notfälle. Einige Einrichtungen hatten Notstromaggregate in ihren Havariekonzepten bisher nicht auf dem Schirm, so Tabbert. Der Landkreis Uckermark als Katastrophenschutzbehörde habe die Gemeinden aufgefordert, alle Bedarfe zur Treibstoffversorgung (als Voraussetzung für das Funktionieren von Notstromaggregaten) im Falle eines Stromausfalls zu melden. Auch der ZVWU verfüge über Notstromaggregate. Die Trinkwasserversorgung soll damit nicht gleich weg sein.

Derzeit prüfe man, was nötig ist, um auch die noch stromintensivere Abwasserentsorgung aufrechterhalten zu können, so Tabbert. Handybetreiber hätten versichert, dass Handys 48 Stunden funktionsfähig bleiben. „Wir sind dabei, unsere Kommunikationswege zu überprüfen, damit diese Zeit genutzt wird, um den Bürgern die nötigen Information zum Verhalten in der Ausnahmesituation zu übermitteln“, so Tabbert. Im Oktober wollen die Templiner eine Übung mit dem Krisenstab und allen Verantwortlichen durchführen. Noch schwieriger dürfte sich die Wärmeversorgung im Blackout-Fall gestalten, räumt Tabbert ein. Denn ohne Strom laufe keine moderne Heizung. Dazu finden gegenwärtig Gespräche mit der Fernwärme GmbH und ihren Vorlieferanten statt.

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Auch Prenzlau sorgt für den Ernstfall vor. Hauptamtsleiterin Maren Schön versichert, dass man alles tun werde, um die Wahrnehmung der hoheitlichen Aufgaben (wie Standesamt und Ordnungsbehörde) sicherzustellen. „Hierfür ist die Stadt Prenzlau gerade dabei, im Rathaus die Einspeisung von Notstrom zu ermöglichen“, berichtete sie. „Darüber hinaus ist für die Personensorgeberechtigten aus den Bereichen der kritischen Infrastruktur die Betreuung ihrer Kinder aus Grundschulen und Kindereinrichtungen in der Uckerseehalle angedacht, da hier bereits eine Vorrichtung zur Einspeisung von Notstrom vorhanden ist.“

Fast alle Feuerwehrfahrzeuge seien inzwischen mit einem Notstromaggregat ausgestattet. Außerdem habe auch Prenzlau eine kleine Treibstoffreserve angelegt.

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