PROTESTAKTION

Uckermärker Landwirte planen Sternfahrt nach Berlin

Am Dienstag wollen Bauern deutschlandweit zeigen, was sie von der Politik halten. Im Traktorkonvoi ziehen die Aktivisten aus der Uckermark um die Siegessäule.
Ivonne Hackbarth Ivonne Hackbarth
Johanna Mandelkow ist eine der Organisatoren der Sternfahrt nach Berlin.
Johanna Mandelkow ist eine der Organisatoren der Sternfahrt nach Berlin. Archiv/UKK
Prenzlau.

Die Landwirte haben die Nase voll. Sie wollen nicht länger als Tierschänder und Umweltverschmutzer an den Pranger gestellt werden. Die Ankündigung der Bundesregierung, neue Gesetzespakete an den Start zu bringen, gossen sprichwörtlich Öl ins Feuer und bewegten noch mehr Bauern, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Innerhalb weniger Tage nach der Gründung am 1. Oktober haben sich über das soziale Online-Netzwerk Facebook schon mehr als 14  000 Menschen in der Gruppe „Land schafft Verbindung“ zusammengefunden.

In diesem Zusammenschluss engagieren sich auch Landwirte aus der Uckermark, allen voran Johanna Mandelkow. „Wir wollen auf die Missstände hinweisen und deutlich machen, dass das Agrarpaket bäuerliche Familienbetriebe gefährdet. Die Verschärfung der Düngeverordnung führt zur Unterdüngung, was in den sogenannten roten Gebieten dem Boden und dem Wasser mehr schadet, als es nützt“, stellt die junge Unternehmerin klar. Gleichzeitig kritisieren die Aktivisten das Mercosur-Handelsabkommen: Durch Billigpreise importierter Waren sehen die Akteure die Versorgung mit sicheren, qualitativ hochwertigen und geprüften Lebensmitteln aus der Region gefährdet.

Prenzlau ist ein Treffpunkt

Für die Bandelowerin war deshalb klar, sich an der deutschlandweiten Aktion von „Land schafft Verbindung“ am Dienstag zu beteiligen. Überall machen sich an diesem Tag Bauern mit ihren Landmaschinen auf den Weg in größere Städte, um für ihre Anliegen einzustehen. Zu der Zentralveranstaltung in Bonn sind unter anderem auch die beiden Bundesministerinnen für Landwirtschaft Julia Klöckner (CDU) und für Umwelt Svenja Schulze (SPD) eingeladen.

„Die Brandenburger Landwirte planen am Dienstag eine Sternfahrt nach Berlin“, informiert Johanna Mandelkow, die diese Aktion gemeinsam mit Frank Schmidt und Niklas Probst organisiert hat. Von vier Orten im Land aus machen sich die Traktorenkonvois auf den Weg. Einer dieser Treffpunkte ist um 5  Uhr der Parkplatz am Prenzlauer McDonald’s. „Vorwiegend geht es über die Bundesstraßen in die Hauptstadt“, schildert die Uckermärkerin. Ziel ist der Große Stern, wo die Bauern eine Runde um die Siegessäule drehen.

Sei Aschenbrödel! - Dein personalisierbares Märchenbuch zum Film!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Prenzlau

zur Homepage

Kommentare (6)

Wenn Journalisten [Entfernt. Bitte halten Sie sich an die Netiquette. Die Red.] in Deutschland nichts mehr einfällt, sind diejenigen, die für etwas oder gegen etwas eintreten, Aktivisten. Aber auch nur dann, wenn sie für das (vermeintlich) Gute eintreten. Es reicht ja nicht aus, wenn sich jeder Traumtänzer in Deutschland als Aktivist bezeichnet, als wenn das ein Beruf wäre. Nein, Journalisten müssen auch noch in diesen lächerlichen Aktivisten-Chor mit einstimmen. [Entfernt. Bitte halten Sie sich an die Netiquette. Die Red.], Frau Hackbarth!

Wer außer Beleidigungen und Pauschalisierungen keine Argumente hat, dann Anderen Populismus vorwirft, hat entweder eigenwilligen Humor oder fehlende Selbstreflexion.

Ich bezeichne sie als Öko- und Klimafaschisten, die bestrebt sind, eine ganze Republik in ihre Hände zu bekommen. In Berlin lagen die Sozialschmarotzer auf den Straßen herum. Sie lehnen den Staat ab, aber sein Geld nehmen sie gern. Arbeiten gehen sie Ja wohl nicht, sonst fehlte ihnen die Zeit, auf der Straße rumzulungern. [Verzichten Sie auf Gewaltaufrufe. Die Red.]

In den Niederlanden demonstrieren die Bauern schon seit 2 Wochen gegen das neue Klimapaket der Regierung, da sie verpflichtet werden sollen, ihre Produktion um 50 % zu senken. Dort werden regelmässig ganze Städte und Autobahnen von Traktorenkolonen blockiert.

http://www.tagesschau.de/multimedia/bilder/traktoren-stau-105~_v-videowebl.jpg

Und so sieht es dann aus, wenn das ganze eskaliert.

https://www.landfreund.ch/imgs/3/6/3/4/9/2/8/bd118b1a0ae71e62.jpg

Den vorstehenden Kommentaren kann ich mich in jeder Hinsicht ausnahmslos anschließen.
Als der Bauer sich entschlossen hatte, Bauer werden und sein zu wollen, war es seine eigene Entscheidung. Jeder Berufstätige trägt das Risiko einer sich in der Zukunft heraus stellenden Fehlentscheidung selbst. Haben Sie schon einmal eine Demonstration der Bäcker oder Frisöre gesehen, die mit Backblechen oder mit Scherenklappernd vor dem Kanzleramt demonstriert haben ? Das Grundübel liegt in der Industrialisierung der Landwirtschaft - auf der einen Seite Viehhaltung mit Tausenden von Tieren in einer Stallanlage, auf der anderen Seite ein ungeheurer Transportaufwand für Futterbeschaffung und Mist-/Gülleabfuhr. Zusätzlich kommen die dadurch entstehenden Umweltbelastungen hinzu zu den sonstigen, wie Grundwasserverunreinigung und Methangas- und Kohlendioxidemissionen. Die Trennung von Tier- und Pflanzenproduktion hat sich schon zu DDR-Zeiten nicht bewährt. Und nun sind die Verbraucher schuld: Sie wollen billiges Fleisch, billige Eier, billiges Brot. Wenn es dieses alles nur noch teuer zu kaufen gäbe, würden sich höherwertigere Verbrauchergewohnheiten sehr schnell darauf einstellen....
Mit Traktorkolonnen demonstrieren ist wie ein schreiendes Kleinkind in der Quengelzone der Kassenbereiche des Supermarktes. Wir brauchen keine Feststeller, wir brauchen Absteller der Zustände, ausdrücklich auch derjenigen in den politischen Entscheidungsebenen, von der FDJ-Sekretärin Angela Merkel abwärts bis zu den Kommunalpolitikern.

Natürlich demonstrieren andere Berufsgruppen auch. Aktuell sind es z.B. die Fluglotsen. Gestern gab es eine Demonstration von Lehrern in Neubrandenburg. Frisöre, Verkäufer und Bäcker demonstrieren halt in Verdi-Warnweste. Der Druck auf die Bauern ist nicht weniger gering, als auf andere Berufsgruppen. Das liegt auch daran, das Lebensmittel mittlerweile ein Spekulationsobjekt geworden sind.