Die Akten liegen auf dem Tisch (Symbolbild).
Die Akten liegen auf dem Tisch (Symbolbild). Heiko Becker
In den sozialen Medien und von der Polizei wurde nach dem Unfallverursacher und dem Fahrzeug gesucht.
In den sozialen Medien und von der Polizei wurde nach dem Unfallverursacher und dem Fahrzeug gesucht. Nordkurier
Gerichtsbericht

Uckermärker soll Ex-Freundin vergewaltigt haben

Der Angeklagte schildert die Geschehnisse als „Spiel“, die Polizisten vor Ort hatten einen anderen Eindruck.
Neuruppin

Sie habe intuitiv ein schlechtes Gefühl gehabt, als ihr Ex klingelte, sagte eine 47-Jährige am 24. Januar vor dem Landgericht Neuruppin. Ihr Gefühl trog sie nicht: Ihr ehemaliger Partner hat sie, wie sie aussagte, im Keller ihres Wohnhauses in Prenzlau vergewaltigt, in den er sie zuvor unter einem Vorwand gelockt hatte. Deswegen muss sich Sebastian M. (Name geändert) nun vor Gericht verantworten. Zum zweiten Mal: Denn die erste Verhandlung im April 2022 wurde ausgesetzt, weil in einem Tatvorwurf Zweifel an der Schuldfähigkeit des Angeklagten aufkamen.

Radfahrer angefahren und geflüchtet

Nicht nur wegen Vergewaltigung sitzt der gebürtige Prenzlauer auf der Anklagebank. Laut Anklage soll der 40-Jährige am 4. Juni 2021 im Angermünder Ortsteil Wilmersdorf mit seinem Kleintransporter einen Radfahrer angefahren und diesen seinem Schicksal überlassen haben. Der Verletzte hätte bei rechtzeitiger medizinischer Hilfe noch gerettet werden können. Am gleichen Tag soll er eine Bekannte sexuell belästigt, einen Tag später versucht haben, eine Vierjährige sexuell zu missbrauchen. Am 15. Juni soll er öffentlich in Prenzlau uriniert und sich entblößt zwei Frauen gezeigt haben. Am 16. Juni soll es dann zu der Vergewaltigung seiner Ex-Freundin gekommen sein.

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Das alles soll er laut Staatsanwaltschaft im Zustand der Schuldunfähigkeit aufgrund einer psychischen Krankheit begangen haben. Seit dem 16. Juni war Sebastian M. in der Psychiatrie untergebracht – bis zum 22. Mai 2022. Da wurde diese Maßnahme außer Vollzug gesetzt, und er kam unter Auflagen auf freien Fuß. Dienstag nun nahm er zu den Vorwürfen Stellung. Er räume sie als möglich ein, habe aber nur bruchstückhafte Erinnerungen. Zu dem tödlichen Unfall wolle er nichts sagen. Wohl aber gab er zu, etliche Gewehr- und Manöverpatronen unterschiedlichen Kalibers besessen zu haben, die die Polizei am 21. Juni 2021 in seiner Wohnung gefunden hat. Wie er da rangekommen ist, konnte er nicht mehr sagen.

Bei Facebook kennengelernt

Zu der Vergewaltigung befragt gab M. an, die Frau über Facebook kennengelernt zu haben und etwa anderthalb Jahre mit ihr zusammen gewesen zu sein. Die Beziehung habe Anfang Juni geendet. Warum, könne er nicht sagen. Er habe in der Zeit gemerkt, dass mit ihm etwas nicht stimme, habe das auf seine damalige Psychose zurückgeführt. Er habe zu der Zeit seine Medikamente abgesetzt, weil sie ein Kind hätten haben wollen.

Zum Tatabend könne er nur so viel sagen, dass sie beide im Keller gewesen seien und die Polizei gekommen sei. Den Beamten erklärte er bei seiner Festnahme, was passiert sei, sei ein Spiel gewesen und im gegenseitigen Einvernehmen geschehen.

„Für uns sah das nicht nach einem Rollenspiel aus“, sagte die Polizistin, die damals im Einsatz war. Seine Ex-Freundin wusste von seinen psychischen Problemen, auch, dass er Medikamente nehmen musste. Schon Tage vor der Tat habe sie ihn als psychotisch erlebt. „Er war sozusagen in einem psychischen Ausnahmezustand“, sagte sie.

Am Donnerstag wird die Verhandlung in Neuruppin fortgesetzt.

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