CORONA-MAßNAHMEN

Uckermärker werten Lockdown-Daten aus

Marcus Feder und Susanne Ramm sammelten über einen längeren Zeitraum die täglichen Inzidenzwerte im Landkreis. Die Ergebnisse sind interessant.
Auf der Grafik ist klar erkennbar, dass die Maßnahmen – wie die Schließung der Gastronomie oder des Einzelha
Auf der Grafik ist klar erkennbar, dass die Maßnahmen – wie die Schließung der Gastronomie oder des Einzelhandels – keinen Einfluss auf das Infektionsgeschehen in der Uckermark haben. M. Feder / S. Ramm
Prenzlau ·

Marcus Feder hat am 21. Oktober 2020 aus eigenem Antrieb angefangen, den täglichen 7-Tage-Inzidenzwert und die Zahl der Corona-Neuerkrankungen zu sammeln. Daraus ist eine interessante Grafik entstanden. „Wir haben die Grafik erstellt, weil man die so für die Region nicht findet“, sagt Prenzlaus City-Managerin Susanne Ramm. Sie haben die Zahlen gesammelt, um eine Tendenz zu erkennen. „Denn jeder möchte sich ja für seine Region einsetzen“, ist Ramm sicher. Die Debatte um das neue Infektionsschutzgesetz habe sie dazu bewogen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. „Das Infektionsschutzgesetz will die Maßnahmen vereinheitlichen. Aber man kann die dünn besiedelte Uckermark nicht mit einer Großstadt, wie zum Beispiel Berlin, vergleichen“, betont sie.

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„Wenn man die Grafik mit den Zahlen aus der Uckermark zugrunde legt und mit der Schließung der Gastronomie oder des Einzelhandels ins Verhältnis setzt, wird klar, dass diese Maßnahmen keine Auswirkungen auf die Inzidenz haben“, sagt die City-Managerin. Demnach stelle der Einzelhandel also kein Infektionsrisiko dar. Das hätten inzwischen auch Politiker festgestellt. „Die Maßnahmen zielen eher auf die Einschränkung der Mobilität ab. Weil die Menschen, wenn alle Geschäfte geschlossen sind, auch weniger mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind“, vermutet Susanne Ramm. Zudem ist sie der Meinung, dass in der Region die Infektionen vorwiegend im privaten Bereich, auf der Arbeit oder in Einrichtungen auftreten. „Man sollte in den Regionen nachschauen, wo das tatsächliche Infektionsgeschehen ist. Wer ist der wirkliche Verursacher?“, fragt die City-Managerin.

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Dabei ist sie ziemlich sicher, dass man mit der Schließung von Gastronomie und Einzelhandel – die viel in funktionierende Hygienekonzepte investiert haben – die Falschen bestraft. Zum Beispiel zeigt Susanne Ramm auf die jeweils hohen Inzidenzwerte nach Weihnachten und Ostern. „In beiden Fällen waren die gastronomischen Einrichtungen geschlossen“, gibt die Prenzlauerin zu bedenken. Die 7-Tage-Inzidenz allein sage wenig aus. „In der Uckermark leben rund 119.000 Menschen. Wenn sich zum Beispiel in einem Pflegeheim 30 Menschen mit Corona infizieren – was schlimm ist, dann schlägt sich das fast 1 zu 1 in der Inzidenz wieder.“ Es müsse genauer geschaut werden, wo die Infektionstreiber seien. Nach über einem Jahr Corona seien die sowohl Einzelhändler als auch Gastronomen am Ende. Auch für die Innenstadt könne das schlimme Folgen haben. „Wir müssen anfangen, andere Strategien zu fahren. Dabei müssen die Maßnahmen nachvollziehbar sein. Die jetzige Achterbahn macht die Menschen nur verrückt“, ist sich Susanne Ramm sicher.

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Kommentare (3)

"Auf der Grafik ist klar erkennbar, dass die Maßnahmen – wie die Schließung der Gastronomie oder des Einzelhandels – keinen Einfluss auf das Infektionsgeschehen in der Uckermark haben."

Natürlich haben geschlossene Geschäfte und Restaurants keinen Einfluss auf das Infektionsgeschehen. Deswegen wurden sie auch geschlossen.

Die Grafik an sich zeigt übrigens nur eine Sache und zwar den Wert einer Variablen (welche ist unklar, da die Achsenbezeichnung fehlt) über verschieden Messpunkte hinweg. Daraus einen Zusammenhang zwischen Infektionsgeschehen und geschlossen Geschäften herzustellen entbehrt jeder Diskussionsgrundlage, da kein fachlicher Zusammenhang erkennbar ist.

Mein ehemaliger Matheprofessor hätte gesagt: "Hier trifft die Komplexität des Objekts auf die Naivität des Subjekts."

Mein ehemaliger Professor für Datenvisualisierung hätte gesagt: "Hier werden Visualisierung bewusst genutzt, um falsche Zusammenhänge zu suggerieren."

Es ist ein typischen Beispiel dafür, dass sich Laien nicht an hochkomplexe Themen wie z.B. der Wahrscheinlichkeitstheorie wagen sollten, da dort immer falsche Annahmen entstehen.

Sollte Frau Ramm dennoch auf ihrer Aussage bestehen, bitte ich um den mathematischen Beweis für ihre Aussage.

Natürlich bilden der geschlossene Einzelhandel und die Gastronomie nicht die gesammte Gesellschaftsstruktur ab.
Das Geschehen der positiven Testergebnisse (!) spiegelt auch nicht das Erkrankungsgeschehen wieder!
Und soviel zu den, die Politik beratenden, Mathematikern (nicht nur in Deutschand):
Sie lagen ALLE falsch!!! Nicht nur bei Corona sondern auch vorher!

Daher ist der Einwurf von Frau Ramm berechtigt.

Zitat:"Mein ehemaliger Matheprofessor hätte gesagt: "Hier trifft die Komplexität des Objekts auf die Naivität des Subjekts."
Treffender ist es kaum zu formulieren.

Aber auch dem Laien sollte auffallen, dass die Darstellung viele Interpretationsmöglichkeiten enthält zumal die Darstellung über Infektionsverläufe bei geöffneter Gastronomie und uneingeschränktem Einzelhandel als Gegenstück fehlt.
Es ist immer wieder erstaunlich wer alles glaubt bessere Kenntnisse über Infektionsverläufe und Risiken als die Fachleute mit entsprechender Ausbildung und Berufserfahrung und dieses Pseudowissen der Welt mitteilen muss.