Tino Eisbrenner spricht sich für eine Verständigung von Westeuropa und Russland aus. Der DDR-Liedermacher gastiert a
Tino Eisbrenner spricht sich für eine Verständigung von Westeuropa und Russland aus. Der DDR-Liedermacher gastiert am 3. September ab 12.30 Uhr im Labyrinthpark Malchow. Mimoza Veliu
Friedensaktivist Tino Eisbrenner

„Und der Kanzler posiert vor Panzern ...“

„So erreichen wir keinen Frieden – weil wir ihn in Wahrheit gar nicht wollen (dürfen).“ Der Sänger wird in Malchow zum Ukraine-Krieg sprechen.
Prenzlau

Sänger Tino Eisbrenner wird am Sonnabend, dem 3. September, ab 12.30 Uhr in Malchow bei Prenzlau erwartet. Beim dortigen „Fest der Liebe & Würde“ ist der Sänger mit seinem aktuellen Programm „Das Lied vom Frieden“ zu erleben. Eisbrenner, der sich schon immer für eine bessere Verständigung zwischen Westeuropa und Russland ausspricht, erfährt gerade in der heutigen Zeit nicht nur Zustimmung, weiß Peter Heinrich, Organisator der Veranstaltung. Man habe sich trotzdem entschieden, seinen Auftritt stattfinden zu lassen und sei der Kirche sehr dankbar für die Möglichkeit, das Konzert in Malchow stattfinden zu lassen.

+++ Tino Eisbrenner rockt den Kulturstall in Userin +++

Tino Eisbrenner wird dort vor allem seine Erlebnisse und Eindrücke auf den „Musik statt Krieg“-Tourneen, die er durch Deutschland, Österreich, Russland, Georgien u.a. Länder gemacht hat, Revue passieren lassen. „Bei seinen Reisen sind ihm interessante Menschen und deren Sicht auf das Leben, die Heimat, ihre Geschichte und auch auf Deutschland begegnet“, weiß Peter Heinrich: „Ihn verbinden tiefe Freundschaften mit Russen, Weißrussen und Ukrainern.“ Er selbst ist Mitglied in Eisbrenners „Songland Club“ und hat ihn vorab gefragt, was ihn aktuell bei den Bildern des Krieges in der Ukraine bewegt.

„Wessen Bilder meinst du?”

Der 59-Jährige antwortete mit einer Gegenfrage: „Wessen Bilder meinst du?“ Eisbrenners Slogan heißt ‚Musik statt Krieg‘!“ In seinem neuen Buch „Hinterland“ geht der deutsche Liedermacher unter anderem auf die Fragen des Krieges ein und mahnt, dass man „mit Worten so vorsichtig wie mit rohen Eiern hantieren muss, sonst verlaufen wir uns.“ Er wünscht sich, „dass wir mindestens unsere Worte abwägen, um zu einer ausgewogenen Einschätzung der Lage zu kommen. Denn wenn unsere Begrifflichkeiten unser Urteil schon sprechen und den Schuldigen festlegen, dann finden wir aus dem Konflikt nicht heraus. Angriffskrieg zum Beispiel ist ein kräftiges Wort und weist sofort auf den vermeintlich Schuldigen, weil die anderen ja dann einen lieben Verteidigungskrieg führen, oder? Und plötzlich brüllen sogenannte Friedensdemonstranten: ‚Putin und all diese Ratten muss man auslöschen.‘ Und der Kanzler posiert vor Panzern. Hurra Deutschland, da sind wir wieder?!“

Lesen Sie auch: Eisbrenner steht für Hits und Haltung

Tino Eisbrenner wünscht sich eine differenzierte Betrachtung des Wie und Warum sowie die daraus zu schlussfolgernde Differenzierung bei der Adressierung der Friedensforderung, manifestierte er vorab im Gespräch mit dem Veranstalter: „Natürlich muss man Putin dazu bringen, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Das bedeutet aber auch, dass man dem Westen verbieten muss, diesen Krieg auf ukrainischer Seite haltlos nachzurüsten. Stattdessen muss verhandelt werden. Außerdem müssen wir sofort die verordnete Russophobie in Deutschland beenden. Der Westen (EU, NATO, Deutschland, USA…) setzt seit 2014, für alle sichtbar, ausschließlich antirussische Signale und missbraucht die Ukraine zur Ausdehnung des eigenen Machtbereiches bis an die russische Grenze.“

Viele Helden sind Amerikaner

Der Komponist ist sicher: „Sanktionen, Defender, Ausschluss aus Verhandlungsgremien, sogar die Herabwürdigung der historischen Leistung der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg… und nicht erst jetzt die militärische Konditionierung der Ukraine – all das sind Signale, die zu Krieg führen, statt ihn zu beenden. Für Russland ist das, was der Westen jetzt tut, nichts als die logische Weiterführung dessen, was seit 2014 sichtbar ist. Und so erreichen wir keinen Frieden – weil wir ihn in Wahrheit gar nicht wollen (dürfen).“

Ebenfalls interessant: DDR-Star Tino Eisbrenner will in den Schweriner Landtag

Tino Eisbrenner hat gerade sein 22. Album „Kalumet“ veröffentlicht. Auch dort spielt die aktuelle Politik eine Rolle? „Die Idee war, im Jahr 530 der „Entdeckung“ Amerikas ein Konzeptalbum dazu zu machen. Viele meiner Helden sind Amerikaner, ich habe dort wichtige Lebenszeit verbracht, und ich habe indianische Freunde. Aber mehr dazu am Samstag!“ Im vergangenen Jahr kandidierte der DDR-Liedermacher und erklärte Friedensaktivist bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sogar für die Partei Die Linke.

Kontakt: [email protected]

zur Homepage