Ein Bild aus glücklichen Tagen, als sie noch beide Arbeit hatten: das DJ-Duo Karina und Mario Möhl.
Ein Bild aus glücklichen Tagen, als sie noch beide Arbeit hatten: das DJ-Duo Karina und Mario Möhl. privat
Corona-Abstieg

„Und plötzlich leben wir nur noch von Hartz IV ...“

Als DJ lässt sich zurzeit kein Geld verdienen, also gucken die Möhls nach Jobs. Beim Ehemann läge die Lösung auf der Hand, er ist Trucker, aber...
Prenzlau

Die Tage könnten derzeit nicht grauer sein im Leben von Karina und Mario Möhl. Das liegt weniger am trüben Wetter, denn die beiden Prenzlauer lassen sich von Regen und Kälte eigentlich nicht beeindrucken. Es ist das zwangsverordnete Nichttätigsein, das ihnen auf den Magen schlägt. Seit März 2020 ist bei dem Ehepaar nichts mehr wie es war. Denn mit dem ersten Lockdown und den folgenden Kontaktbeschränkungen und Veranstaltungsverboten haben die zwei ihr Tätigkeitsfeld verloren.

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Für die DJs brachen über Nacht fast alle Aufträge weg. Seitdem werden die Möhls in der „Kundenkartei“ des Jobcenters geführt. Zum Glück, wie der 52-Jährige sagt, „so müssen wir uns wenigstens um die Miete und Lebensmittel keine Sorgen machen.“ Aber für viel mehr reichten die kargen Bezüge nicht, resümiert seine Ehefrau. Der Brief mit der Betriebskostennachzahlung in Höhe von über 600 Euro habe ihnen erst in dieser Woche die Beine weggehauen.

Kein Geld für Auto-Inspektion

Auch die dringend nötige Inspektion fürs Familienauto schieben die Kreisstädter vor sich her: „Da will die Werkstatt locker 700 bis 800 Euro haben. Aber woher nehmen?“ Entsprechend mager fiel auch das Weihnachtsfest aus. „Wir haben uns zum ersten Mal nichts schenken können. Gar nichts. Dass uns am zweiten Feiertag dann die älteste Tochter zum Essen nach Boitzenburg eingeladen hat, war schön, aber auch beschämend. Jetzt ist man schon auf die Almosen der Kinder angewiesen.“

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Dabei hätten sie im dortigen Schloss und dem Marstall eigentlich gutes Geld verdienen können. Die Aufträge für Feiern und die große Silvesterparty waren schon unter Dach und Fach. „Als es dann plötzlich hieß, dass alles abgesagt werden muss, brach für uns eine Welt zusammen“, bilanziert Karina Möhl traurig. Die Enttäuschung wiegt umso schwerer, als dass sich das Ehepaar zur großen Masse derer zählt, „die alles getan haben, um die Krise endlich zu beenden.“

Dritte Impfung erhalten

Seit Anfang der Woche steht die dritte Corona-Impfung bei ihnen im Ausweis. „Wir haben uns boostern lassen – in der Hoffnung auf bessere Jobchancen. Bei einigen Anfragen haben potenzielle Kunden nämlich nach unserem Impfstatus gefragt.“

Die Entscheidung für die Impfung hätten sie aber nicht nur wegen des erhofften Mehrs an Normalität getroffen, sondern auch aus familiären Gründen. „Jemand aus unserer Familie ist schwer an Krebs erkrankt. Den wollten wir durch unsere Immunisierung schützen.“ Jetzt zu sehen, dass trotz hoher Impf- und Boosterquote weiter nichts wie geplant läuft, sorgt bei ihnen für große Ernüchterung.

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„Mittlerweile sind wir beide auf der Suche nach einer neuen Stelle“, räumt Mario Möhl ein. Er als gelernter Kraftfahrer würde vermutlich schon vom Fleck weg engagiert sein, wenn es da nicht die vielen Punkte auf seinem Flensburg-Konto geben würde. Die resultieren aus dem Stress in der Truckerzeit, führt der Uckermärker als Begründung an: „Irgendwann war ich dann einmal zu oft zu schnell gewesen ...“

MPU für Führerschein ist teuer

Jetzt führe der Weg zurück zur Fahrerlaubnis nur noch über eine MPU und zusätzliche Fahrstunden, erklärt Mario Möhl: „Doch selbst dafür fehlt das Geld.“ Auswärtsjobs wären aktuell also nur gemeinsam mit seiner Frau möglich: „Wir sind es gewohnt, zusammen zu arbeiten und uns auch für nichts zu schade.“

Als Reinigungsteam beispielsweise könnten sie beide durch die Lande ziehen. „Oder ein großes Objekt gemeinsam bewirtschaften. So etwas würde nicht nur Gehalt bringen, sondern uns auch Spaß machen.“ Alles, nur nicht in der Pflege arbeiten, setzt die 44-Jährige hinzu: „Bei allem Respekt für diese Berufe, aber das trauen wir uns nicht zu.“

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