Daniela Kuhn liebt ihren Job. Sie mag die alten Menschen, für die sie als Heimleiterin Sorge trägt. Aber deswegen zu
Daniela Kuhn liebt ihren Job. Sie mag die alten Menschen, für die sie als Heimleiterin Sorge trägt. Aber deswegen zum Impfen zwingen lassen will sie sich nicht. Privat
Impfpflicht

Ungeimpfte Heimleiterin in Sorge um Senioren

Daniela Kuhn hat den Corona-Protestlern aus dem Gesundheitswesen eine Stimme gegeben. Was die 43-Jährige danach erlebt hat und wie es für sie weitergeht...
Prenzlau

Vor 14 Tagen ist die ungeimpfte Heimleiterin Daniela Kuhn mit ihrem Protest an die Öffentlichkeit gegangen. Im Uckermark Kurier schilderte die 43-Jährige, weshalb sich die ab 15. März in Kraft tretende Impfpflicht wie ein Tritt für das medizinische Personal anfühlt und welche Ängste sie für die Zukunft hat. Danach brach ein Sturm der Entrüstung los. Viele Leser äußerten ihr Unverständnis über diese Einstellung. Wer im Gesundheitswesen arbeite, müsse geimpft sein – basta, so der Grundtenor vieler Reaktionen.

Es erreichten die Heimatzeitung aber auch mindestens genauso viele befürwortende Meinungen. Zu Wochenbeginn nun teilte die gebürtige Templinerin auf Nachfrage mit, wie ihr persönliches Umfeld reagiert hat. Die dreifache Mutter sagt: „Es war gar nicht so schlimm. Der Chef hat gesagt: 'Jeder hat halt seine Meinung.' Die meisten fanden es gut.”

Bei manchen Leuten habe sie allerdings erst jetzt gemerkt, „wie die so ticken. Die zeigen jetzt ihr wahres Gesicht. Das ist zwar einerseits eine doofe Situation, aber es kristallisiert sich jetzt erst so richtig heraus, mit wem man überhaupt noch Kontakt halten möchte.” Selbst die Bewohner ihrer Pflegeeinrichtung hätten den Artikel gut gefunden, freut sich Daniela Kuhn: „Wir hatten letzte Woche ein sehr emotionales Gespräch mit unseren Bewohnern. Mir war bis dahin gar nicht bewusst, wie sehr sie die ganze Situation beschäftigt. Aber sie machen sich unheimlich viele Sorgen, was so in unserem Land abgeht und finden diese Impfpflicht total schlimm. Die Senioren haben auch Angst, irgendwann nicht mehr richtig versorgt zu werden, da sie ja die Entwicklung in den letzten zwei Jahren auch intensiv mitbekommen haben: die Pflege wurde immer schlechter, da immer weniger Pflegekräfte da sind oder durch Überlastung erkranken.”

Berührt von Anteilnahme

Sie jedenfalls sei sehr berührt gewesen: „Da wir ja trotzdem immer versucht haben, das Leben für die alten Menschen so normal wie möglich zu gestalten.” Wie es mit ihr persönlich nach Ablauf der Frist weitergehe, werde sich in nächster Zeit zeigen, ist die Uckermärkerin überzeugt: „Ich habe ein paar nette Leute kennengelernt, die genauso betroffen sind wie ich. Wenn wir nicht mehr weiterarbeiten dürfen, wollen wir uns selbstständig machen. Enttäuscht bin ich von meinem Träger trotzdem sehr, denn die einst propagierten Grundsätze wie Unparteilichkeit, Freiwilligkeit und Neutralität sind in meinen Augen nicht mehr wirklich gegeben. Aus diesem Grund sind meine Tage dort sowieso gezählt, da die Politik dem Träger keine andere Option lässt. Das ist zwar schade, da ich schon seit frühester Jugend dort bin. Das, was zurzeit gerade abgeht, war aber bestimmt nicht im Sinne des Begründers des freien Wohlfahrtsverbandes.”

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Die Diskussion über ungeimpfte Pflegekräfte könne sie persönlich nicht nachvollziehen, „da ich als Ungeimpfte nicht gefährlicher für unsere Bewohner bin als jede Geimpfte. Für unsere Bewohner ist das jedenfalls keine Diskussionsgrundlage. Ich möchte mich trotzdem bei meinen Kollegen für die tolle gemeinsame Zeit bedanken, die wir trotz aller Widrigkeiten der letzten zwei sehr anstrengenden Jahre gut zusammen gemeistert haben. Ich denke, es geht sowieso immer irgendwie weiter. Wie sagt man so schön: wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue. Ich wünsche mir für unsere Bewohner, dass sie weiterhin gut versorgt werden und dass die Politik sie nicht im Stich lässt.”

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