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Dieser DDR-Plattenbau in der Prenzlauer Heinrich-Heine Straße 33 bis 43 soll ein fünftes Geschoss und Innen-Aufzüge erhalten. Die Genehmigungen liegen vor. Heiko Schulze
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Von dem Genossenschaftsvorhaben in der Heinrich-Heine-Straße ist die Stadtpanorama vom Unteruckersee aus nicht beeinträchtigt. Der Stadtverordnete (Wir Prenzlauer) Jürgen Theil befürchtet allerdings, dass in Zukunft noch mehr rote „Spitzdächer” auf DDR-Plattenbauten Flachdächern weichen sollen. Heiko Schulze
Trotz Ausbaus eines fünften Geschosses soll es bei der bisherige Haushöhe bleiben. Die geplanten Aufzüge sollen
Trotz Ausbaus eines fünften Geschosses soll es bei der bisherige Haushöhe bleiben. Die geplanten Aufzüge sollen im Gebäudeinneren ihren Platz finden. Heiko Schulze
In dem Wohnhaus Heinrich-Heine-Straße 33 bis 43, günstig zwischen Stadtzentrum und See gelegen, haben viele äl
In dem Wohnhaus Heinrich-Heine-Straße 33 bis 43, günstig zwischen Stadtzentrum und See gelegen, haben viele ältere Prenzlauer ihr Zuhause. Heiko Schulze
Das vorhandene Spitzdach wird nach dem Ausbau zum Flachdach.
Das vorhandene Spitzdach wird nach dem Ausbau zum Flachdach. Heiko Schulze
Bauen und Wohnen

Vermieter setzt 5. Etage auf DDR-Plattenbau

Die Prenzlauer Wohnungsgenossenschaft will – steigenden Baupreisen zum Trotz – im Jahr 2023 ein ehrgeiziges Projekt in der Innenstadt realisieren.
Prenzlau

In der Prenzlauer Heinrich-Heine-Straße soll eines der größten Wohnungsbauvorhaben des Jahres 2023 im Prenzlauer Stadtgebiet in Angriff genommen werden. Die Wohnungsgenossenschaft Prenzlau eG. möchte auf den bislang viergeschossigen Plattenbau aus DDR-Zeiten, Hausnummern 33 bis 43, noch ein Stockwerk darauf setzen. Gleichzeitig sollen alle Wohnungen in diesen sechs Hausaufgängen künftig über Aufzüge erreichbar sein, ohne dass diese von Außen optisch in Erscheinung treten. Auch solle mit dem Ausbau einer fünften Etage die bisherige Höhe des Plattenbau eingehalten werden. Nur weiche das Satteldach dann einem Flachdach.

Alle Wohnungen mit individuellem Zuschnitt

Eine große Herausforderung, das weiß auch Petra Müller, technischer Vorstand in der Wohnungsgenossenschaft. Bislang befinden sich in dem Plattenbau 48 Drei-Raum-Wohnungen mit nahezu gleichem Zuschnitt. Im Zuge der Umbaumaßnahme sollen auf den dann fünf Geschossen sich 51 Wohnungen verteilen, alle mit individuellen Grundrissen. Für 39 dieser Wohnungen müssen die künftigen Mieter einen Wohnberechtigungsschein vorlegen, die restlichen zwölf Wohnungen kommen auf den Freien Markt. Bei den sozial gebundenen Wohnungen soll der Mietpreis gestaffelt bei 5,40 Euro beziehungsweise 6,50 Euro liegen.

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Seit mittlerweile eineinhalb Jahren arbeitet die Genossenschaft an diesem Projekt, das zudem eine energetische Sanierung vorsieht, soweit dieses bei diesem Bautyp möglich ist. Eine neue Wärmedämmfassade und eine neue Lüftung, veränderte Heizmedien zählen dazu. Angesichts der aktuell drastisch gestiegenen Baupreise auch eine finanzielle Herausforderung für die Genossenschaft, die ohne neue Kredite und vor allem ohne Förderung nicht zu stemmen wäre, so Petra Müller. Der Fördermittelbescheid der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) stehe derzeit noch aus, die Baugenehmigung liege vor.

Seit eineinhalb Jahren mit Mietern im Gespräch

Gebaut werden soll in zwei Bauabschnitten, wodurch der Umzug von einigen der oft betagten Mieter von der einen Blockhälfte in die andere und später wieder zurück zumindest in Einzelfällen möglich wäre. „Wir haben von Anfang an mit jedem der betroffenen Mieter individuelle Gespräche geführt und nach Lösungen gesucht, Wohnraum-Angebote in der Innenstadt und nach Möglichkeit mit Aufzug angeboten“, versichert Petra Müller.

Doch für einige Mieter, darunter Erstbezieher, ist dieser Schritt dennoch sehr schwer, wie eine 85-jährige Bewohnerin gegenüber dem Reporter bekundet. Sie sei schon einmal altersbedingt innerhalb dieses Blockes in eine tiefer gelegene Wohnung umgezogen und habe diese aufwändig eingerichtet, um darin alt zu werden. Jetzt noch einmal die ganze Aufregung eines Umzuges mitmachen zu müssen, sei sehr schwer für sie.

Jürgen Theil (Wir Prenzlauer) warf auf der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vor dem Hintergrund des Genossenschaftsprojektes die Frage auf, ob es nicht an der Zeit wäre, über eine Gestaltungssatzung für Prenzlau zu diskutieren: „Ein ‚Pit-Stop‘ in Prenzlau reicht.“ Dass in dem zum Ende des Zweiten Weltkrieg zu 85 Prozent zerstörten Innenstadtbereich in den 1960er Jahren Plattenbauten mit „Spitzdächern“ errichtet worden sind, habe städtebauliche Gründe gehabt, befürchtet Theil durch den geplanten Umbau einen massiven Eingriff in die Silhouette der roten Dächer innerhalb der historischen Ringmauer.

Bauverwaltung an Recht und Gesetz gebunden

Sowohl Prenzlaus Bürgermeister Hendrik Sommer als auch sein zweiter Beigeordneter Dr. Andreas Heinrich (beide parteilos) wiesen allerdings den Vorwurf Theils zurück, die Stadt habe ihr Einvernehmen nicht versagt und die Stadtverordneten, zumindest die Bauausschüsse, nicht in das Verfahren einbezogen. Heinrich verwahrte sich ebenso gegen die unterschwellige Behauptung, dass das Bauamt hier etwas an den Stadtverordneten „vorbei laviert“ habe, und stellte sich vor seine Mitarbeiter: „Die Bauverwaltung ist an Recht und Gesetz gebunden.“

Angestrebter Baustart im Sommer 2023

Subjektive ästhetische Empfindungen seien auch kein Grund, eine Baugenehmigung zu versagen, ergänzte Sommer. Zudem sei der Plattenbaubestand aus DDR-Zeiten auch nicht als denkmalschutzwürdig eingestuft.

Vorstand Müller zeigte sich überzeugt, dass das neue Projekt ein schönes Haus werde und dem gewählten Motto gerecht werde: „Schöner, moderner und attraktiver“ für die Bürger in der Stadt zu werden. Angestrebter Baustart ist im Sommer 2023.

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