MISSBRAUCHSPROZESS

Verurteilte Prenzlauer Mutter hat noch Sorgerecht für Kinder

Das Urteil im Verfahren gegen eine Prenzlauerin, die ihr Kind missbraucht haben soll, ist noch nicht rechtskräftig. Ihre Kinder darf sie weiter sehen.
Konstantin Kraft Konstantin Kraft
Das Urteil über die Mutter fiel am Landgericht Neuruppin.
Das Urteil über die Mutter fiel am Landgericht Neuruppin. Bernd Settnik
Prenzlau.

Drei Jahre und drei Monate Haft: So lautet das Urteil im Strafverfahren gegen eine junge Mutter aus Prenzlau, die jahrelang kinderpornografische Fotos und Videos ihrer eigenen Tochter angefertigt haben soll und diese an eine Bekanntschaft weitergeschickt hat. Was durch den Schuldspruch in erster Instanz nicht infrage gestellt wird, ist das Umgangsrecht der jungen Mutter mit ihren Kindern.

Sorgerecht bleibt bestehen

Das betroffene Kind, so wie dessen jüngeres Geschwister, leben seit einigen Jahren in einer geschützten Wohngruppe in der Uckermark. Dort dürfen sie von der Mutter besucht werden. Durch den Urteilsspruch am Dienstag sei das Sorgerecht der jungen Mutter an ihren Kindern nicht aberkannt worden, sagte Stefan Krüger, Jugendamtsleiter im Landkreis Uckermark.

Besuche ohne Aufsicht

Vor dem Hintergrund, dass die Mutter immer noch die offizielle Sorgeberechtigte sei, ist es die rechtliche Pflicht des Jugendamtes einen „beaufsichtigten Kontakt zuzulassen“, so Krüger. Bei den Besuchen, die in der Regel auf dem Gelände der Wohngruppe stattfinden, werde die Mutter „dauerhaft von ein bis zwei Sozialpädagogen begleitet“, versicherte der Jugendamtsleiter. Die 29-Jährige hatte aber auch das Recht selbstständig mit den Kindern in der Stadt unterwegs zu sein. Besondere Sicherheitsvorkehrungen gebe es nicht.

Keine negativen Vorfälle

Dafür bestehe aber auch keinerlei Anlass, führte Krüger weiter aus. „Von der Mutter geht kein Gewaltandrohungspotenzial aus.“ Dem Amtsleiter seien keine negativen Vorfälle aus den bisherigen Besuchen bekannt, bestätigte er nach Rücksprache mit den zuständigen Sachbearbeitern. „Den beiden Kindern geht es gut“, betonte Krüger. Eines gehe in die Schule, das andere in die Kita. Sollte der Schuldspruch gegen die junge Mutter rechtskräftig werden, wird die aktuelle Besucherregelung auf den Prüfstand gestellt, kündigte er zugleich an.

Kontakt mit Jugendamt

Während des Prozesses gab die angeklagte Mutter an, dass sie aus schwierigen Familienverhältnissen stamme, als Kind selbst Opfer eines Missbrauchs geworden sei. Somit stellt sich unweigerlich die Frage, ob die Angeklagte selbst schon beim Jugendamt aktenkundig sei. Stefan Krüger konnte bestätigen, dass sie aus „sehr komplexen Familienverhältnissen“ komme. Doch damit nicht genug. „Die Mutter ist auf das Jugendamt zugegangen“, so der leitende Angestellte.

Unterstützung gewährt

Sie habe einen Antrag zur Hilfe bei der Erziehung gestellt, sagte Krüger. Bei dem „Erziehungsbeistand“, den das Jugendamt für die junge Mutter bereitgestellt hatte, handelte es sich etwa um „Unterstützung bei Behördengängen“ sowie im Haushalt und bei der Erziehung, berichtete Krüger.

Keine Anhaltspunkte

Der Zeitraum dieser sozialpädagogischen Familienhilfe erstreckte sich von Oktober 2011 bis April 2014, also auch in den Tatzeitraum. Zwei Mal in der Woche kam dabei eine Sozialpädagogin in die Wohnung der jungen Mutter. Hierbei seien „keinerlei Anhaltspunkte“ für eine schwere Straftat bekannt geworden.

 

 

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